Der Käfer

By Johann Peter Hebel

Written 1793-01-01 - 1793-01-01

Der Chäfer fliegt der Jilge zu,

es sizt e schönen Engel dört,

er wirtet gwis mit Blumesaft,

und 's chostet nit vil, hani ghört.

Der Engel seit: „Was wär der lieb?“ –

„Ne Schöpli Alte hätti gern!“

Der Engel seit: „Sel cha nit si,

sie hen en alle trunke fern.“ –

„Se schenk e Schöpli Neuen i!“ –

„Do hesch eis!“ het der Engel gseit.

Der Chäfer trinkt, und 's schmeckt em wohl,

er fragt: „Was isch mi Schuldigkeit?“

Der Engel seit: „He, 's chostet nüt!

Doch richtsch mer gern e Gfallen us,

weisch was, se nimm das Blumemehl,

und tragmer's dört ins Nochbers Hus!“

Er het zwor selber, was er brucht,

doch freut's en, und er schickt mer au

mengmol e Hämpfeli Blumemehl,

mengmol e Tröpfli Morgetau.“

Der Chäfer seit: „Jo frili, jo!

Vergelt's Gott, wenn de z'friede bisch.“

Druf treit er's Mehl ins Nochbers Hus,

wo wieder so en Engel isch.

Er seit: „I chumm vom Nochber her,

Gott grüeß di, und er schickt der do,

au Blumemehl!“ Der Engel seit:

„De hättsch nit chönne juster cho.“

Er ladet ab; der Engel schenkt

e Schöpli gute Neuen i.

Er seit: „Do trink eis, wenn de magsch!“

Der Chäfer seit: „Sel cha scho si!“

Druf fliegt er zu sim Schätzli heim,

's wohnt in der nöchste Haselhurst.

Es balgt und seit: „Wo blibsch so lang?“

Er seit: „Was chani für mi Durst?“

Jez luegt er's a, und nimmt's in Arm,

er chüßt's, und isch bim Schätzli froh.

Druf leit er si ins Totebett,

und seit zum Schätzli: „Chumm bald no!“

Gell, Sepli, 's dunkt di ordeli!

De hesch au so ne lustig Bluet.

Je, so ne Lebe, liebe Fründ,

es isch wohl für e Tierli guet.