Der Käfer
Written 1793-01-01 - 1793-01-01
Der Chäfer fliegt der Jilge zu,
es sizt e schönen Engel dört,
er wirtet gwis mit Blumesaft,
und 's chostet nit vil, hani ghört.
Der Engel seit: „Was wär der lieb?“ –
„Ne Schöpli Alte hätti gern!“
Der Engel seit: „Sel cha nit si,
sie hen en alle trunke fern.“ –
„Se schenk e Schöpli Neuen i!“ –
„Do hesch eis!“ het der Engel gseit.
Der Chäfer trinkt, und 's schmeckt em wohl,
er fragt: „Was isch mi Schuldigkeit?“
Der Engel seit: „He, 's chostet nüt!
Doch richtsch mer gern e Gfallen us,
weisch was, se nimm das Blumemehl,
und tragmer's dört ins Nochbers Hus!“
Er het zwor selber, was er brucht,
doch freut's en, und er schickt mer au
mengmol e Hämpfeli Blumemehl,
mengmol e Tröpfli Morgetau.“
Der Chäfer seit: „Jo frili, jo!
Vergelt's Gott, wenn de z'friede bisch.“
Druf treit er's Mehl ins Nochbers Hus,
wo wieder so en Engel isch.
Er seit: „I chumm vom Nochber her,
Gott grüeß di, und er schickt der do,
au Blumemehl!“ Der Engel seit:
„De hättsch nit chönne juster cho.“
Er ladet ab; der Engel schenkt
e Schöpli gute Neuen i.
Er seit: „Do trink eis, wenn de magsch!“
Der Chäfer seit: „Sel cha scho si!“
Druf fliegt er zu sim Schätzli heim,
's wohnt in der nöchste Haselhurst.
Es balgt und seit: „Wo blibsch so lang?“
Er seit: „Was chani für mi Durst?“
Jez luegt er's a, und nimmt's in Arm,
er chüßt's, und isch bim Schätzli froh.
Druf leit er si ins Totebett,
und seit zum Schätzli: „Chumm bald no!“
Gell, Sepli, 's dunkt di ordeli!
De hesch au so ne lustig Bluet.
Je, so ne Lebe, liebe Fründ,
es isch wohl für e Tierli guet.