Der Kampf der Leidenschaften

By Franz Grillparzer

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Ha! welch unnennbare Gefühle

Durchströmen meine Brust!

Es paart im schrecklichen Gewühle

Verzweiflung sich mit Lust.

Ha! welch ein Chaos nun in meinem Herzen

Mein Innerstes durchbebt!

Wie unter nie gefühlten Schmerzen

Die Brust sich stöhnend hebt!

Wie wenn in Lybiens grausen Wüsten,

Im glühend heißen Sand,

Sich gattend ein Paar Schlangen nisten,

Verderbend Flur und Land.

Wenn dann in fröhlichem Getümmel

Sich Schlang an Schlange schmiegt,

Und nun in scheußlichem Gewimmel

Die Brut im Neste liegt.

So windet glimmend sich zusammen

Der Leidenschaften Wut,

Doch endlich sprüht der Funke Flammen

Und übrall tobt die Glut.

Nur du kannst diese Flamme dämpfen,

O Hoffnung, nur dein Strahl

Kann die Verzweifelung bekämpfen

Und lindern meine Qual.