Der kern aller Prediger und Christen/ Bey der Beerdigung Hn. D. Johann Acoluths/...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Der zunder der natur den Adam noch behielt
Als klugheit und verstand wie zucker war zerronnen
Hat zwar in heyden auch so grosses licht gewonnen
Daß seiner flammen glut durch stumme bilder spielt:
Wenn Rom und Persien unsterblich feuer ehret
Aus dem die ewigkeit des grossen Gottes blitzt:
Athen der weißheit brunn in der Minerva lehret;
Egypten Isis bild mit hundert brüsten schnitzt
Zu zeigen: Daß die krafft der geister-vollen erden
Durch brüste der natur muß unterhalten werden.
Doch mensch und klugheit muß wie grund-eiß untergehn;
Nachdem uns Gott und schrifft zur sonne selber dienen:
Drum läst der grosse fürst der schwartzen Abyßinen
Ein edler sinnenbild als alle Griechen sehn:
Wenn seiner sclaven hand ihm nach der Mohren sitten
Drey schaalen auff das gold der schweren tafel stellt;
Davon die erstre obst so wie ein creutz zerschnitten
Der andern umkreiß feur der dritten asche hält
Und jene Christus bild die andere der höllen
Die letzte tod und grufft ihm soll vor augen stellen.
Denn eben dieses ist des glaubens kern und safft
So wie gebrandter tranck die krafft von zimmet-rinden.
Auff diese pfeiler muß sich Christ und priester gründen
Der nicht am sünden-koth verdamter wollust hafft:
Und endlich dieses ist was noch bey seinem leben
Des nunmehr seligen erblaßter mund gelehrt:
Wenn er wie Memnons bild des morgens thon gegeben
Die schulen wie der mond die pflantzen hat vermehrt
Und allen kurtz gesagt: Calovius im lesen
Im reden Müller ist im schreiben Arndt gewesen.
Der stärckste balsam ist der von sich selber wächst;
Die besten priester sind die von sich selber steigen:
Sein eyfer fing sich schon in wiegen an zu zeigen
Und hat nach himmels-thau wie muscheln bald gelechst.
Die lehr-begierde wuchs mit den erlangten jahren
Der klugheit blüte nahm mit allen stunden zu:
Je schärffer aber offt die müden glieder waren
Je seltner ließ sein geist papier und büchern ruh:
So gar muß beyderseits gelehrten und den bienen
Auch müh und arbeit offt nur zur ergetzung dienen.
Des fleißes mißgeburt ist trotz und schmeicheley.
Die pflegt die klügsten auch wie pfauen auszukleiden:
Er aber ließ sich bald durch frembden ruhm bescheiden
Daß keiner zu gelehrt zu einem priester sey.
Der sprachen grosser brunn der alten väter schrifften
Der secten unterscheid der schwermer irrlichts-schein
Und was die staats-sucht offt vor frieden denckt zu stifften
Schrieb auch in seine brust mit diamanten ein:
Die müsten etwas mehr als Hobbes bürger wissen
Die Christum von der welt nicht denken außzuschliessen.
Wie nun die aloe der stauden kostbarkeit
In funffzig jahren erst durch ihre blumen zeiget
Und denn in einer nacht ihr stengel höher steiget
Als alle stauden sonst die gantze sommer-zeit:
So keimte zwar sein ruhm mit iedem augenblicke;
Denn ehre folgt der müh wie thürmen schatten nach;
Die demuth aber hielt den stengel noch zurücke
Biß selbst ein hoher rath der blumen riegel brach
Und er auff eine zeit ein glied im doctor-orden
Und ober-priester ist im grossen Breßlau worden.
Was aber müh ich mich doch mit der aloe
Den wachsthum dieses haupts an kräfften zu vergleichen?
Was dort im tage blüht muß mit der nacht verstreichen;
Hier schoß der blumen pracht fast stündlich in die höh.
Der traurbaum Indiens scheint seiner zwar zu schonen
Und schleust nur bey der nacht der blüte flocken auff:
Hier aber wuste nichts als nutzbarkeit zu wohnen
Kein frost kein sonnen-schweiß brach seiner arbeit lauff
Dadurch er denn bezeugt: Daß priester lampen wären
Die offt in anderm dienst ihr öle selbst verzehren.
Die krafft die nun zuletzt aus diesen blumen schoß
War daß er erstlich Gott recht wuste vorzustellen
Wenn sein erhitzter mund mit milch und honig-qvellen
So wie Chrysostomus mit göldnen ströhmen floß.
Denn einen grossen gram von grillen aus sich schütten
Zeigt nur gelehrsamkeit nicht aber andacht an;
Und Christus selber hat in dornen zwar gelitten;
Er aber Acoluth durch lehren dargethan:
Daß auch granaten-safft in purpur-rothen kronen
Und Christus ehre kan auff göldnen lippen wohnen.
Doch wie ein gärtner nichts was ruhm verdient gethan
Der alte bäume stützt und krumme läst veralten:
So ist ein priester nichts der fromme nur erhalten
Nicht aber auch zugleich die sünder straffen kan.
Ambrosius hat schon zu seiner zeit erfahren
Daß raup und unflat auch in käyser-kronen steckt
Daß fall und schönheit sich so wie geschwister paaren
Der sonnen heisse glut auch kröt' und molchen heckt:
Soll nun das stille gifft nicht geist und seele schwächen
So muß aus himmeln auch zuweilen donner brechen.
Ihr sünder die sein mund mit furcht und trost erfüllt
Helfft meine feder hier durch euer zeugniß schützen
Wie eurer wollust brunst vor seines eyfers blitzen
So wie ein elephant vor widdern sich gestillt:
Wie dieser Nathan euch durch lehren von der höllen
Offt zähmer als den stier der feigenbaum gemacht;
Und Archimedes eh zur ruh sich konte stellen
Da er der grossen kunst vergebens nachgedacht
Wie man Egyptenland mit wasser solte träncken
Als dieser wie er euch zum himmel möchte lenken.
Der Mohren letztes bild ist endlich asch und tod;
Der priester drittes ampt die lehre recht zu sterben.
An diesem faden hengt errettung und verderben
Durch diß fällt Caracall in angst und höllen-noth.
Wer aber weiß wohl nicht was Acoluth gelehret
Wenn er die sichre welt des todes überwieß?
Der frommen helden-muth durch himmels-trost vermehret
Verzagten aber stets in hertz und ohren bließ:
Man müste wolte man mit tod und teuffel kriegen
Wie Constantinens heer im creutze Christus siegen.
Und so traff Acoluth mit seinen lehren ein:
Diß war die läuterung der Abyßiner schaalen:
Was aber nützet wohl mit engel-zungen pralen
Wenn wir im hertzen doch nur Epicurer seyn?
Ein priester dessen glantz wie diamanten blitzet
Und dennoch schlechte spreu vor seine seele wehlt;
Dem auff dem munde milch und rosen-zucker sitzet
Im hertzen aber geist und lebens-öle fehlt;
Kan uns zur himmelfahrt so wenig schiff und nachen
Als ohne mittelpunct gewölbte circkel machen.
Den nachruhm den auch hier der selige verdient
Gebrechen mir vielleicht zu schreiben zeit und stunden:
So gar war mund und hertz an einen thon verbunden
So gar hat blüt und frucht nach einer art gegrünt.
Er wust und glaubte fest: Daß scharlach weissen händen
Und priestern frömmigkeit am allerschönsten steh;
Drum hub er stets zu Gott als wie die sonnen-wenden
Den gipffel seines haupts mit freuden in die höh
Und hatte was sein mund der kirchen ausgeleget
In dreyen schalen auch der seelen eingepreget.
Die erste schaale war sein flammen-volles hertz
In welchem Christus creutz und seine dornen stunden.
In diesem kühlten sich nun seine liebes-wunden
So wie ein hirsch durch kraut der glieder gifft und schmertz.
Zwar Alexanders bild ward auch zu Rom getragen
Und solte dem August ein pfand der ehren seyn:
Allein sein hertz verwarff was Griech und Römer sagen
Und bildte sich weit mehr mit Christus purpur ein
Von dessen hoher krafft wie sterne von der sonnen
Die Götter dieser welt selbst ihren glantz gewonnen.
Das glücke das der mensch vor seinen abgott hält;
Die ehre der wir sonst fußfällig opffer reichen;
Diß alles pflegt' er nur der mutte zu vergleichen
Die durch der flügel krafft in tod und flamme fällt;
Und ließ der zeiten sturm sein hertz so wenig schwächen
Als spiegel deren glantz nur ein gesichte zeigt
So bald wir aber nur das taffel-glaß zerbrechen
Mit gleicher würckungs-krafft aus iedem theile steigt;
So daß in ihm der spruch: Viel leiden und doch hoffen
Wie beym Empedocles warhafftig eingetroffen.
Und warlich! dieses ist der seelen kieselstein
Aus dem das helle feur des wahren glaubens springet.
Denn wer in Canaan nach milch und honig ringet
Muß in Egyptenland vor knecht und sclave seyn.
Corall und perle wächst im faltze tieffer wellen;
Die schönste rose saugt aus nesseln lebens-krafft
Das beste gummi kan nicht ohne winde qvellen;
So muß nun auch ein geist der an dem himmel hafft
Wie zucker auff der glut wie blumen in der erden
Und Athanasius im creutze kräfftig werden.
Der himmels-liebe kind ist die barmhertzigkeit:
Die schwester der gedult den nechsten recht zu lieben;
Und wie Pythagoras sich nur im schweigen üben
Wenn neid und eiffer gifft wie drachen auff uns speyt.
Hier aber müssen mir die federn ströme giessen
Und dennoch riß ich kaum recht unsern todten ab
Wie er vor wermuths-safft ließ mußcateller fliessen
Der güter zehnden theil den armen leuten gab;
Und doch so wenig ist ein kind des elends-orden
Als sein vergnügtes hertz zum Pharisäer worden.
Die andre schaale die der selige geführt
War sein mit glut und feur erfülletes gewissen:
Denn priestern wird so leicht von sünden als narcissen
Und lilgen fleck und koth von fliegen angeschmiert.
Drum hat er auch niemahls vor engel sich gepriesen
Er fühlte wie ein mensch auch angst und seelen-pein
Und hat der sichern welt mit thränen offt gewiesen:
Wer dorten nicht ein knecht der höllen wolte seyn
Der müste hier durch reu vor Gottes zorn-gewittern
So wie Caligula vor blitz und donner zittern.
Sein drittes sinnen-bild war endlich asch und grab
Die schaale die sie trug sein festgesetzter glaube.
Wie manchem Nero wird das hertze hier zu staube!
Wie manchem Hannibal fällt schild und harnisch ab!
Er aber ließ uns offt aus seiner andacht lernen:
Daß rühmlich leben nichts als täglich sterben sey.
Der tod der füge nur so wie cometen-sternen
Den frommen furcht und angst nicht aber schaden bey;
Und könne Christen ja so wenig bitter schmecken
Als mandeln weil sie nur in harten schalen stecken.
Und endlich hat er selbst der erden abgedanckt
Sein geist hat kett und strick des todes durchgerissen
Und legt die schalen nun zu seines Gottes füssen
Mit denen hier der leib im leben hat geprangt:
Sein Jesus aber füllt sie alle voller sonnen
Mit diesen worten an: Das licht der traurigkeit.
Der mund der engel die vor liebe fast zerronnen
Küßt mit der losung ihn: Der seelen liebes-streit.
Der himmel aber selbst rieff eh sie ihn noch küßten:
Diß ist der rechte kern der priester und der Christen.
Ob gleich der himmel nun den grossen geist verwahrt
So muß Alphonsus stein doch seinem ruhme weichen
Der auff der wagen sich zwar allen konte gleichen
Von erden aber so wie federn leichte ward.
Denn wo Martellus sich kan groß und glücklich schätzen
Weil er drey söhne läst von gleicher tapfferkeit;
Muß man dem seligen sein lob in marmel ätzen
Weil ihn der kinder glantz auch in der grufft verneut
Und er drey söhne läst durch die er kan auff erden
Wie Pfeiffer Lauterbach und Krafftheim ruchtbar werden.
Drum gebt betrübteste des himmels donner nach!
Denn schmertz und unglück wird durch thränen nicht verbunden:
Der beste balsam qvillt aus tieff-geritzten wunden
Und morgen streut offt gold was gestern blumen brach.
Der ist nur lobens werth der fromm und selig stirbet;
Der aber ist ein Christ der seine schwachheit stärckt
Wie Amianthen-stein im feuer nicht verdirbet
Als cedern feste steht von Mohren aber merckt:
Daß ieder der ihm nicht den himmel will verschlagen
Muß creutze feur und asch' in seinem hertzen tragen.