Der Krieg.
Das Höllen-Kind, der Menschen-Fresser,
Der Krieg verdirbt die ganze Welt,
Zerstöhrt das Land, tobt im Gewässer,
Das von dem Menschen Blut auf-
Durch sein Verheern, ergrimmtes Morden,
Sind Menschen wilde Thiere worden.
Der Krieg entspringt aus falschen Meinen,
Aus Hochmuth oder Eigennuz:
Man will vor andern herrlich scheinen,
Drum beut man einem andern Truz;
Man denkt durch ein recht wütend Schnauben,
Des andern Ansehn zu berauben.
So bald der erste Mensch verlohren,
Was ihm zum Kleinod ward geschenkt,
Da war der stolze Muth gebohren,
Der immer auf den Vorzug denkt.
Die wahre Liebe war gewichen:
Drum muste sich die Ruh verkriechen.
Ein Bruder wurde in den Tagen,
Da noch die Welt von Menschen leer,
Von einen Bruder todt geschlagen,
Warum? er meinte, daß er mehr;
Und weil der Vorzug ihm genommen;
So war dadurch der Has entglommen.
Der Has erhitzte das Geblüte,
Den schon mit Gift gefüllten Born,
Hieraus entsprung in dem Gemüte,
Ein hitzig Ungeheur, der Zorn:
Der Zorn ob der verlohrnen Ehre,
Grif eiligst nach dem Mordgewehre.
Als sich der Menschen Zahl vermehrte,
Ward ein Gesellschafts-Staat erricht,
Da man, was Klugheit sprach, anhörte,
Darnach man übte seine Pflicht:
Allein wie lang blieb ohne Streiten,
Das Morgenroth der güldnen Zeiten?
Der Eigennutz fing anzuwüten
Das Mein und Dein kam in die Welt,
Fing an die Kriege auszubrüten,
Zu stöhren eines andern Zelt:
Man dachte durch ein siegreich Kämpfen,
Der andern Völker Macht zu dämpfen.
Das was der Hochmut angeblasen,
Ward durch den Eigennutz vermehrt:
Der Einbildung verkehrtes Rasen,
Das solche Mörderthaten ehrt,
Vergötterte die tapfren Helden,
Wie uns die Zeitgeschichte melden.
Da wurde ungeheures Kriegen,
Und der Begierden wilder Brand,
Ein tapfres Heldenmäßig Siegen,
Die Laster, Tugenden genannt;
Ein jeder muste sich befleissen,
Ein Löwengleicher Held zu heissen.
Wer Ehre dachte zu erlangen,
Der wagte sich ins weite Feld:
Den Bogen, Pfeil und Schwerd und Stangen,
Die machen einen grossen Held:
Wer solche wüterisch regieret,
Wird mit dem Lorbeer ausgezieret.
Die Ruhe kroch nun hintern Mauren,
Verschanzte ihre Schüchternheit,
Sie schien das Blut noch zu bedauren,
Aus Eingebung der Menschligkeit:
Jedoch die Furien der Höllen,
Die hörten noch nicht auf zu bellen.
Wer sich aus Vorsicht so beschirmet,
In seinen engen Grenzen blieb,
Der ward mit Raserei bestürmet,
Aus einen Heldenmütgen Trieb:
Man suchte Thore zu zerbrechen,
Die leimern Mauren zu zerstechen.
Der Krieg zerriß die festen Bänder,
Die Treu und Redlichkeit geschürzt,
Die Wuth verschlang die Reich und Länder:
Wenn dieser, jenen Held gestürzt:
So kam ein mächtger Alexander,
Und stürzte sie drauf miteinander.
So bald ein Volk nur was verbrochen,
Den Grenzstein Fingerlang verrükt,
So ward die That durch Krieg gerochen,
Ein Heer mit Waffen ausgeschikt;
Um einem Fusbreit von der Erden,
Mußt Menschen Blut vergossen werden.
O! was vor Blut ist nicht vergossen
So lang die Erde auferbaut:
Wie viele Ströme sind geflossen,
Vor deren Anblik man auch graut,
Wenn wir in den Geschichten lesen,
Wo Schlachtungs-Felder sind gewesen!
Was vor ein Anblik wenn die Spizzen
Von Schwerdtern durch einander gehn,
Wenn Schlag auf Schlag, wenn Bliz auf Blizen,
Sich schwirrend durch einander drehn,
Und wenn die schäumenden Schwadronen,
Sich schlagen um die Sieges-Kronen.
Wie kan man bei dem Anblik glauben,
Daß dieses edle Menschen seyn,
Die sich das theure Leben rauben,
Um einen eingebildten Schein?
Man glaubte leichter daß es Bären,
Als daß es wahre Menschen wären.
O! welch ein jämmerlich Gehäule, Ent- Der Krieg.
Entstehet auf der Lagerstat,
Wenn so viel tausend durch die Beile,
Der Krieg zerfezt, verstümmelt hat:
Wenn diese todt, und jene wimmeln,
Wie Würmer in dem Blute krimmeln!
Wenn dieser rufft, das GOtt erbarme!
Es hat mich die erfochtne Schlacht,
Um meine ausgestrekten Arme
Um mein gesundes Bein gebracht:
So kan man was der Krieg vor Wehen
Zu weg bringt, nicht ohn Thränen sehen.
Wie ist es müglich könt man denken,
Daß man die Menschligkeit vergißt,
Daß man sich sucht in Blut zu tränken,
Darin des Bruders Leben fließt:
Wo bleiben da, die reinen Triebe
Der eingepflanzten Menschenliebe?
Vielleicht hat nur in alten Zeiten,
Der Haß die Wilden angeflammt,
Das unvernünfftig zu bestreiten,
Was ihre Wuth zum Todt verdammt,
Es sind woll keine Krieges-Schaaren,
Als bei den grausamsten Barbaren?
O! nein! die grossen Erden-Götter,
Die Thronen in der Christenheit,
Vergnügen sich beim Krieges-Wetter,
Auch noch in einer neuen Zeit,
Wo wir im hellen Lichte sehen,
Wie man mit Menschen muß umgehen.
Seid dem aus denen Höllen Schlunden,
Der Schweffeldonner kund gemacht;
Das Pulver und Geschüz erfunden,
Das grausam schmettert, blizend kracht
Ist dieses kriegerische Morden,
Noch schreklicher geübet worden.
Der Zwietracht und des Hochmuts Geister,
Des Eigennuzes Furie,
Spielt allenthalben annoch Meister
Erregt den Krieg zu Land, zur See;
Die Ehrsucht der erhabnen Thronen,
Erwürgt noch viele Millionen.
Die Herschsucht will durch Heldenthaten,
Den Ruhm und auch ihr Reich vermehrn;
Sie dringt mit Macht in fremde Staaten
Und läßt die Feldposaune hörn:
Da kommt die Heldenschaar zusammen,
Und zünden an die Krieges-Flammen.
Das Feuer brennt, bleibt ungelöschet,
Bis daß man mit der Krieger Blut
Erst wiederum abkühlt und wäschet,
Der Herschsucht aufgeglomne Wuth;
Bis das die Länder ganz verheeret,
Die Städt und Thürmer umgekehret.
Und O! du blutge Augenweide
O! Kampfplaz wo das Paukenspiel,
Die recht erbärmlich bange Freude
Erregt zum mördrischen Gewühl,
Du lehrst uns in den grausen Lermen,
Wie gräslich sey des Krieges Schwärmen.
Es brüllen los die Schrekcarthaunen,
Davon das Herz der Helden bebt,
Da Trommeln, Pfeiffen und Posaunen,
Es zu der Tapferkeit erregt;
Es nähert sich des Feinds Gewimmel,
Es kommt ein streitendes Getümmel.
Da öffnen sich die trüben Scenen,
Mit einem donnernden Geschüz,
Der Schauplaz fänget an zu dröhnen,
Es folget immer Bliz auf Bliz,
Es folget immer Knall auf Knallen,
Da hie und da schon Streiter fallen.
Ein brennend Blei durchstreifft die Glieder
Die in gepreßter Ordnung stehn,
Es stürzen Pferd und Menschen nieder,
Die kaum im Dampf und Schwall zu sehn:
Und das heist erst sich freundlich grüssen,
Und noch Willkommens Salve schiessen.
Verfluchter Grus! wo solche Stimmen
Wie Donner in die Ohren schalln,
Und wo auf schrekliches Entglimmen
Der Flinten, viele niederfalln;
Verdammter Grus! wo stat der Küsse,
Man brauchet die Canonen-Schüsse.
Ein Grus davon die Erde schüttert,
Preßt eine gleiche Antwort aus,
Die gleichfals brüllt und tößt und wittert,
Wie bei dem Sturm ein Hagelbraus:
Nach solchen schreklichen Willkommen,
Wird denn der Kampf recht vorgenommen.
Die Menschlichkeit wird ausgezogen,
Die Löwenhant wird angelegt,
Das Herz das sonst durch Furcht bewogen
Wird nun zur Grausamkeit bewegt,
Die zu dem Tod gedungnen Seelen,
Die fangen sich drauf an zu quälen.
Da gehen wie bei Ungewittern,
Die schreklichen Gewehre loß,
Die Schedeln fangen an zu splittern,
Gerührt von bleiernen Geschoß,
Es sinken ganze Reihen, Glieder,
Getroffen auf einmahl darnieder.
Die Löwen die von Feuer funkeln,
Und die von Blut und Eiffer roth,
Die schwindeln in dem grausen Dunkeln,
Die Kugel macht sie blaß und todt;
Hie sind die Tyger ohne Klauen,
Da lahme Wölfe anzuschauen.
Dort sind Verwundete zu sehen,
Die theils von Noth, theils Wuth erhizt,
Jm matten Grim die Augen drehen
Da schon des Lebens Blut versprizt,
Sie schreien in den lezten Zügen,
Da sie im Blut bedekket liegen.
Sie flehen um ein Freundschafts-Zeichen,
Den halb entseelten Nachbahr an,
Und dieser bittet sie imgleichen,
Da keiner andern helfen kan,
Sie wünschen bei dem heissen Schmerze,
Und was denn? Einen Stich ins Herze.
Erbärmlich Schauspiel! der da lechzet,
Nach einem kühlen Labetrank,
Wird durch den Pferdetrap zerquetschet,
Bei des Getümmels wilden Drang:
Er will ein kaltes Wasser haben,
Muß sich in heissen Blute laben.
Jedoch noch nicht genug gestritten,
Obgleich der Wahlvlaz überschwimmt,
Und schon viel tausende gelitten
Den ein recht kläglich End bestimmt,
Kaum ist das Donnern erst zum Ende,
So blizzen schon die starken Hände.
Kaum ist der schwarze Staub verstoben,
Das Pulver und der Schuß vorbei,
Sind Bajonetter aufgeschroben,
Und was noch lebt, vom Tod nicht frei;
Die Säbel werden auch gezükket,
Es wird noch näher angerükket.
Da geht es an ein Mezzeln, Stechen,
Als wenn das Vieh zur Schlachtbank geht,
An Würgen, Hauen, Hälsebrechen,
Als wenn man reiffes Korn abmäht,
Da sieht man, wie von scharffen Hieben,
Kopf, Nase, Arme, Bein wegstieben.
Der Krieger Mund der schäumt von Geiffer,
Der Kopf von Blut, die Hand vom Schweiß,
Sie ringen alle noch mit Eiffer
Nach einen blutgen Sieges Preiß.
Es will noch keiner flüchtig weichen,
Bei den geschärften Schlägen, Streichen.
Der eine Schwarm will hie eindringen,
Der andre wagt sich dort hinein,
Da geht es wieder an ein Ringen,
Ob sie schon matt und kraftlos seyn;
Da muß noch mancher durch das Eisen
Verwundet nach dem Grabe reisen.
Doch endlich nach den langen Würgen,
Bedekket sie der Flor der Nacht,
Da sich die Sonne im Gebürgen,
Verkriechet und unsichtbahr macht,
Und da entsteht ein blind Gefechte,
Der zu dem Mord gedungnen Knechte.