Der lebendige Brunn Jsraels Bey Beerdigung Hn. M. C. N. D. zu St. M. M. den 24. ...
Brunn der aus Jsraels Heil-Quellen ist entsprossen
Der offt den Matten Durst der Sterblichkeit gelescht
Der von dem Lebens-Felß Crystallen-klar geflossen
Und dessen Ufer nie bekleidet Schilf und Jäscht
So solstu wie der Krith in Augenblick versiegen?
Schluckt denn der Erden-Schlund jetzt deine Quellen ein?
Soll kein bedrängtes Hertz sich mehr zu dir verfügen
Das Labsal bey dir sucht und Lindrung seiner Pein?
Was ist doch lieblichers auff aller Welt zu finden
Wenn jetzt der Sonnen-Glut der Erden Brust verbrennt
Und alle Kräfften uns ja Geist und Leben schwinden
Daß man für Mattigkeit einander kaum fast kennt
Als wenn ein tunckler Wald und eine grüne Höle
Uns einen Brunn gewährt der aus den Adern quillt
Mit lieblichem Geräusch ergetzt die krancke Seele
Und durch sein kühles Naß des Durstes Flammen stillt?
Hier sucht der Wanders-Mann der Kraft-loß sein Vergnügen
Der Schnitter eilet hier halb-schmachtende zur Ruh:
Der Bothe wünscht ihm da auf kurtze Zeit zu ligen
Und wer fürüber geht gesellet sich darzu.
So viel Ergetzligkeit kan frisches Wasser geben!
Ach wie weit herrlicher muß dieser Brunn-Quell seyn?
Der durch sein Wasser uns gibt Seele Geist und leben
Daß uns auf Ewigkeit kein Durst nicht nimmet ein!
Zu diesem Lebens-Brunn hastu durch deine Lehren
Bißher
Dein Reden war ein Strom der stets mit vollen Röhren
Auff der Zuhörer Hertz lebendig Wasser geust.
Und wie hat nicht dein Mund von GOttes Lob gequollen
Wenn seine Satzungen und Güte du gelehrt?
Uns trifft nur der Verlust daß wir dich missen sollen
Daß man dich weiter nicht dich Kirchen-Engel hört.
Es ist das Heidenthum mit Eifer zu verlachen
Das seine Brunnen hat den Najaden geweyht
Und aus den Quellen selbst offt Götter wollen machen
Mit Opffern sie verehrt mit Blumen auch bestreut.
Nein du bist deinem GOtt ein heilig Quell gewesen
Und ein versigelt Brunn durch seiner Allmacht Hand.
Er ließ von erster Schuld dich durch sein Bad genesen
Und hat den Himmel dir zum Erbrecht zugewandt.
Denn hat er seinen Geist sehr reich auff dich gegossen
Daß du gleich einem Brunn in Thälern soltest seyn
Der für der Sonnen Hitz und Stralen ist verschlossen
Und dem erdursten Feld flöst neues Wachsthum ein.
Rom war so rasend toll und krönte gar die Brunnen
Weil ihre Nutzbarkeit dergleichen Schmuck verdient:
Mehr Kronen hat dein Fleiß durch Wissenschafft gewonnen
Daß deines Namens Ruhm bey uns unsterblich grünt.
Du selbst ein reiner Quell hast aus den ersten Quellen
Des HErrn sein Gebot in unser Hertz geführt.
Dein Masoretisch Werck wird uns für Augen stellen
Wie der Hebräer Sprach und Mund-Art dich geziert.
Du legst den Syrer aus was der Chaldeer schreibet
Der Griech und Araber in seinen Schrifften deckt
Und was der rauhe Scyth im kalten Norden gläubet
War deinem Meister-Fleiß und Forschung nicht versteckt.
Ein Brunn der fruchtbar ist wird ihm nicht selber rinnen
Er schenckt den Silber-Thau der Wiesen bundten Klee
Tränckt bald die Lilien der Blumen Königinnen
Bald steigt er mit mehr Fluth vergrösset in die Höh’.
Du auch
Bey anvertrauter Kirch’ in Ströme ausgetheilt
Dein rühmlich Ampts Fleiß war zu speisen die Gemüther
Zu sorgen daß ja sey der Sünden Mahl geheilt.
Du bist kein leerer Brunn ohn Wasser je gewesen
Wie solche Lehrer sind die ohne Trost und Rath.
Wer dir als Artzt den Schmertz entdeckt der ist genesen
Der Nachdruck deiner Wort’ eröffnete die That.
Ach du Anruffers-Brunn wenn du das Volck versöhnet
Elisa der sein Saltz in Wasser-Quellen warf
Wenn offt ein Jericho mit Sünden GOtt versöhnet
Daß nicht die bittre Fluth der Seelen schaden darf.
Du rechter Jacobs-Brunn wo müde Ruh gefunden
Und wo ihr JEsus selbst erkieset seine Rast;
Du ausgeklärter Brunn den Bintzen nicht umbwunden
Und den noch Schlam noch Mos noch Dorn und Strauch
Du Quelle die uns hat in Canaan geleitet
(umbfast!
Wie lechzt dein Eymer jetzt? zerbricht numehr das Rad?
Ach ja! je mehr der Mensch zu seinem Wachsthum schreitet
Je näher er den Fuß auch zu dem Grabe hat.
Wie aber der so offt an unser Hertz geklopffet
Und der aus Redlichkeit sein Hertze nicht verschloß
Wird dem der Lebens-Quell so zeitlich zugestopffet?
Es scheint ja der Verlust sey nur zu früh’ zu groß.
Nein der Verwesungs-Brunn frist auch der Priester Glieder
Wie Wasser sich verschleust und länger nicht hält auf
So fährt gleich einem Strom von uns das Leben wieder
Noch Kunst noch Weißheit hemmt den allgemeinen Lauff.
Wiewol das Brunnen-Loch das kan sie nicht beschliessen
Weil gar ein ander Brunn zu ihrem Leben quillt.
Denn wenn der Bau der Welt wird schmeltzen und zerfliessen
So hat der Brunn des Heils mit Wonne sie erfüllt.
Es sey der Tyger-Strom verberge seine Wellen
Daß aus der Erden er aufs neue dringt hervor;
Es mag in Spanien sich der Anas auch so stellen
Der etwas sich verkreucht bald wieder kommt empor.
Ach in weit andrer Pracht in größrem Glantz und Scheine
Wird was jetzt Asch und Staub zur Herrlichkeit ausstehn!
Wir liefern nur dem Grab auf kurtze Frist die Beine
Biß der verklärte Leib wird Sternen gleiche gehn.
Betrübtste die numehr in Thränen-Quellen schwimmen
Und theils des Eh-Herrn Pflicht des Vatern Treu beraubt
Wer läugnet daß sich nicht muß ihre Seele krümmen
Und wer ist so ein Stein der diesen Schmertz nicht glaubt?
Jhr Ehr- und Freuden Brunn der sie so offt erquicket
Der so viel Seegens-Ström in ihre Gräntzen goß
Der sie mit Wonn und Ruhm und Kronen hat geschmücket
Vertrocknet und versigt ist Geist- und Lebens-loß.
Doch der aus Felsen kan lebendig Wasser zwingen
Der Brunn-Quell Jsraels der stets von Seegen quillt
Der woll’ auch ihrem Schmertz ein solches Pflaster bringen
Daß was sein Mund verheißt bey ihnen sey erfüllt!