Der lebendige Brunn Jsraels Bey Beerdigung Hn. M. C. N. D. zu St. M. M. den 24. ...

By Heinrich Mühlpfort

Brunn der aus Jsraels Heil-Quellen ist entsprossen

Der offt den Matten Durst der Sterblichkeit gelescht

Der von dem Lebens-Felß Crystallen-klar geflossen

Und dessen Ufer nie bekleidet Schilf und Jäscht

So solstu wie der Krith in Augenblick versiegen?

Schluckt denn der Erden-Schlund jetzt deine Quellen ein?

Soll kein bedrängtes Hertz sich mehr zu dir verfügen

Das Labsal bey dir sucht und Lindrung seiner Pein?

Was ist doch lieblichers auff aller Welt zu finden

Wenn jetzt der Sonnen-Glut der Erden Brust verbrennt

Und alle Kräfften uns ja Geist und Leben schwinden

Daß man für Mattigkeit einander kaum fast kennt

Als wenn ein tunckler Wald und eine grüne Höle

Uns einen Brunn gewährt der aus den Adern quillt

Mit lieblichem Geräusch ergetzt die krancke Seele

Und durch sein kühles Naß des Durstes Flammen stillt?

Hier sucht der Wanders-Mann der Kraft-loß sein Vergnügen

Der Schnitter eilet hier halb-schmachtende zur Ruh:

Der Bothe wünscht ihm da auf kurtze Zeit zu ligen

Und wer fürüber geht gesellet sich darzu.

So viel Ergetzligkeit kan frisches Wasser geben!

Ach wie weit herrlicher muß dieser Brunn-Quell seyn?

Der durch sein Wasser uns gibt Seele Geist und leben

Daß uns auf Ewigkeit kein Durst nicht nimmet ein!

Zu diesem Lebens-Brunn hastu durch deine Lehren

Bißher

Dein Reden war ein Strom der stets mit vollen Röhren

Auff der Zuhörer Hertz lebendig Wasser geust.

Und wie hat nicht dein Mund von GOttes Lob gequollen

Wenn seine Satzungen und Güte du gelehrt?

Uns trifft nur der Verlust daß wir dich missen sollen

Daß man dich weiter nicht dich Kirchen-Engel hört.

Es ist das Heidenthum mit Eifer zu verlachen

Das seine Brunnen hat den Najaden geweyht

Und aus den Quellen selbst offt Götter wollen machen

Mit Opffern sie verehrt mit Blumen auch bestreut.

Nein du bist deinem GOtt ein heilig Quell gewesen

Und ein versigelt Brunn durch seiner Allmacht Hand.

Er ließ von erster Schuld dich durch sein Bad genesen

Und hat den Himmel dir zum Erbrecht zugewandt.

Denn hat er seinen Geist sehr reich auff dich gegossen

Daß du gleich einem Brunn in Thälern soltest seyn

Der für der Sonnen Hitz und Stralen ist verschlossen

Und dem erdursten Feld flöst neues Wachsthum ein.

Rom war so rasend toll und krönte gar die Brunnen

Weil ihre Nutzbarkeit dergleichen Schmuck verdient:

Mehr Kronen hat dein Fleiß durch Wissenschafft gewonnen

Daß deines Namens Ruhm bey uns unsterblich grünt.

Du selbst ein reiner Quell hast aus den ersten Quellen

Des HErrn sein Gebot in unser Hertz geführt.

Dein Masoretisch Werck wird uns für Augen stellen

Wie der Hebräer Sprach und Mund-Art dich geziert.

Du legst den Syrer aus was der Chaldeer schreibet

Der Griech und Araber in seinen Schrifften deckt

Und was der rauhe Scyth im kalten Norden gläubet

War deinem Meister-Fleiß und Forschung nicht versteckt.

Ein Brunn der fruchtbar ist wird ihm nicht selber rinnen

Er schenckt den Silber-Thau der Wiesen bundten Klee

Tränckt bald die Lilien der Blumen Königinnen

Bald steigt er mit mehr Fluth vergrösset in die Höh’.

Du auch

Bey anvertrauter Kirch’ in Ströme ausgetheilt

Dein rühmlich Ampts Fleiß war zu speisen die Gemüther

Zu sorgen daß ja sey der Sünden Mahl geheilt.

Du bist kein leerer Brunn ohn Wasser je gewesen

Wie solche Lehrer sind die ohne Trost und Rath.

Wer dir als Artzt den Schmertz entdeckt der ist genesen

Der Nachdruck deiner Wort’ eröffnete die That.

Ach du Anruffers-Brunn wenn du das Volck versöhnet

Elisa der sein Saltz in Wasser-Quellen warf

Wenn offt ein Jericho mit Sünden GOtt versöhnet

Daß nicht die bittre Fluth der Seelen schaden darf.

Du rechter Jacobs-Brunn wo müde Ruh gefunden

Und wo ihr JEsus selbst erkieset seine Rast;

Du ausgeklärter Brunn den Bintzen nicht umbwunden

Und den noch Schlam noch Mos noch Dorn und Strauch

Du Quelle die uns hat in Canaan geleitet

(umbfast!

Wie lechzt dein Eymer jetzt? zerbricht numehr das Rad?

Ach ja! je mehr der Mensch zu seinem Wachsthum schreitet

Je näher er den Fuß auch zu dem Grabe hat.

Wie aber der so offt an unser Hertz geklopffet

Und der aus Redlichkeit sein Hertze nicht verschloß

Wird dem der Lebens-Quell so zeitlich zugestopffet?

Es scheint ja der Verlust sey nur zu früh’ zu groß.

Nein der Verwesungs-Brunn frist auch der Priester Glieder

Wie Wasser sich verschleust und länger nicht hält auf

So fährt gleich einem Strom von uns das Leben wieder

Noch Kunst noch Weißheit hemmt den allgemeinen Lauff.

Wiewol das Brunnen-Loch das kan sie nicht beschliessen

Weil gar ein ander Brunn zu ihrem Leben quillt.

Denn wenn der Bau der Welt wird schmeltzen und zerfliessen

So hat der Brunn des Heils mit Wonne sie erfüllt.

Es sey der Tyger-Strom verberge seine Wellen

Daß aus der Erden er aufs neue dringt hervor;

Es mag in Spanien sich der Anas auch so stellen

Der etwas sich verkreucht bald wieder kommt empor.

Ach in weit andrer Pracht in größrem Glantz und Scheine

Wird was jetzt Asch und Staub zur Herrlichkeit ausstehn!

Wir liefern nur dem Grab auf kurtze Frist die Beine

Biß der verklärte Leib wird Sternen gleiche gehn.

Betrübtste die numehr in Thränen-Quellen schwimmen

Und theils des Eh-Herrn Pflicht des Vatern Treu beraubt

Wer läugnet daß sich nicht muß ihre Seele krümmen

Und wer ist so ein Stein der diesen Schmertz nicht glaubt?

Jhr Ehr- und Freuden Brunn der sie so offt erquicket

Der so viel Seegens-Ström in ihre Gräntzen goß

Der sie mit Wonn und Ruhm und Kronen hat geschmücket

Vertrocknet und versigt ist Geist- und Lebens-loß.

Doch der aus Felsen kan lebendig Wasser zwingen

Der Brunn-Quell Jsraels der stets von Seegen quillt

Der woll’ auch ihrem Schmertz ein solches Pflaster bringen

Daß was sein Mund verheißt bey ihnen sey erfüllt!