Der Leopard, wie er einen Esel zerreisset.

By Barthold Heinrich Brockes

Man sieht nicht nur selbst Leidenschaften aus unsers

Künstlers Griffel quellen,

Er weiß nicht nur Grimm, Hunger, Wut und Mord-

Begierde vorzustellen;

Er zwingt selbst unsern freyen Geist, er kann die Seele

selbst bewegen,

Und nach Gefallen Furcht und Mitleid im menschlichen

Gemüht erregen.

Doch halt, mir prägt dein grausam Bild auch lehrende

Gedanken ein!

Sollt’ eines Welt-Bezwingers Blick wohl nicht viel scheuß-

licher noch seyn,

Noch grösser Grausen uns erwecken, und uns bey unge-

zählten Leichen,

Die sein barbarisch Schwerdt zerfleischt, ihm dieses Thier

an Wut nicht weichen?

Der Hunger spornt den Leoparden, den Alexander Ueber-

muht;

Vergiesset jener eines Thieres, vergießt der ganze Ströme

Blut

Von funfzig tausend seines gleichen, durch eiserne gekaufte

Klauen.

Komm, laß denn einst uns, wo du kannst, ein Bild vom

wilden Sieger schauen.

Sein Blick, wofern du ihn recht triffst, geht diesem mord-

begier'gen Thier

An Wüten, Grimm, an Raserey und Gräßlichkeit gewiß

noch für.