Der Löwe .

By Barthold Heinrich Brockes

Welche finstre Majestät herrscht in diesem ganzen

Thier!

Seiner Nerven, Muskeln, Knochen, riesenförmiges Ver-

band

Zeiget, unter andern Thieren, seinen königlichen Stand.

Eine Art von ernster Großmuth, nebst der Stärke, stellt

ihn mir

Recht als einen Herkules unter andern Thieren für.

Sein beständiger Begleiter, ob er ihn gleich selbst nicht

kennet,

Ist der Schrecken, welcher sich nie von seiner Seite trennet.

Welche starke Brust und Stirn, welche Muskeln, welche

Mähne,

Welche Kiefern, welche Tatzen, welche Klauen, welche

Zähne!

Seiner festen Glieder Bau zeigt ein wahres Bild der Stärke

In bewundrungswerther Gleichmaaß; wovon ich die

Symmetrie

Zu der Absicht eingerichtet und gewirkt, zu welcher sie

Ordentlich bestimmet ist, mit erstaunter Lust bemerke.

Dieß so wohlformirte Thier sehe denn doch jedermann

Als ein prächtiges Geschöpf eines weisen Schöpfers an.