Der LXXXII Psalm.
Gott stehet allezeit, und sieht auf die gemeine:
Wißt, götter! daß der HErr der götter richter heist.
Wie kommt es, daß ihr euch des rechtes nicht befleist?
Ein jeder nimmt geschenck, und siehet auf das seine.
Wie lange richtet ihr aus gunst und heucheley?
Schafft einst den armen recht, und springt den waisen bey!
Helfft dem, der dürfftig ist, und straft die falscheu tücken,
Damit die mächtigen nicht den geringen drücken!
Wiewohl! ihr bleibet taub, und lasset euch nichts sagen:
Jhr haßt das reine licht, und wolt im finstern seyn.
Drum geht der feste grund des landes wohlfarth ein:
Drum höret man das volck auf allen gassen klagen.
Der HErr hat wohl gesagt: Daß ihr die obrigkeit,
Daß ihr des Höchsten söhn’, und daß ihr götter seyd;
Jhr werdet aber doch, wie schlechte menschen sterben,
Und als tyrannen einst in tieffer angst verderben.
Drum mache dich selbst auf, und höre das gewinsel,
O GOtt! weil niemand hört, der nicht geschencke kriegt,
Du siehest, wie das land fast in dem tode liegt.
Das elend, das hier herrscht, entwirfft kein zarter pinsel;
Der reichen herrschens-sucht und ungerechtigkeit
Ist deinen heiligen ein unaussprechlich leyd.
Damit es nun vor sie nicht unerträglich werde,
So komm, o HErr der welt! und richte selbst die erde!