Der Menschen Hertz bey ihrem Schatz Als Hr. J. A. S. S. Th. D. Jüngstes Söhnlein...

By Heinrich Mühlpfort

Jhr schnöden Sterblichen die ihr nach Schätzen trachtet

Und oft die Seele gar für Geld und Gut verkaufft

Die ihr das Reichthum mehr als euer Leben achtet

Und umb das eitle Geld nach Ost- und Westen laufft;

In Hoffnung durch groß Gut was herrlich zu erreichen

Daß eures Hauses Stamm von hohen Namen prangt

Daß das Vermögen soll nicht von den Kindern weichen

So mit viel tausend Müh und noch mehr Sünd erlangt;

Jhr die der Geld-Geitz auch noch in dem Sterben quälet

Und niemals nicht verläßt biß an denletzten Hauch;

Sagt wo ihr schliessen könnt was ihr euch habt erwehlet

Für Diamante Glaß für Rosen Heck’ und Strauch.

Gott der von Ewigkeit der Menschen Hertz ergründet

Und dessen Heimligkeit ihm nicht verborgen bleibt

Spricht: Sammlet einen Schatz den man im Himmel findet

Den auch kein Dieb nit stiehlt noch Mott’ und Rost zerreibt.

Wie reimen sich denn nun des Plutus schwartze Kammern

Und deß Jerusalems bestrahlte Sonnen-Stadt?

Ein Schatz der wird bewacht mit Winseln Sorgen Jammern

Ein Schatz der Fried und Ruhm in sich die Fülle hat.

Was sucht ihr Reichthum hier umb ewig dort zu darben

Kriecht in der Erde Schoß den Himmel nicht zusehn?

Streut immer Saamen auß und erndet niemals Garben

Baut auf gehäufften Sand den Winde leicht verwehn?

Erkennet nicht einmal den Geber alles Guten

Hängt als wie angeleimt an einem klumpen Gold;

Traut seinem Worte nicht mehr aber wilden Fluten

Verwechselt um Gewin des Schöpffers Gnad und Huld.

Sagt was sind eure Schätz? Abgötter eurer Sinnen

An was hängt euer Hertz? Ach am verdammten Geld.

Was wird euch dieser Schatz noch dermal einst gewinnen?

Den Pful der alle Zahl der Martern in sich hält.

Nicht reich Arabien nicht Japans theure Wahren

Was Quinsay hocherhebt und Peru liefern kan

Nicht die in Potosi und Lima Bergwerck fahren

Gewehren was den Schatz der Hertzen gehet an.

Und ich verstehe nicht hier Hertzen so verhartet

Die mehr als steinern seyn ver finstert voller Nacht:

Nein die auch in dem Creutz auf ihren GOtt gewartet

Sich für ihm ausgeschütt durch seufftzen matt gemacht;

Die aufs zukünfftige den guten Grund geleget

Und diesen außerwählt wo alle Schätze seyn;

Ja die Erkäntnüß tieff ins Hertzens Blat gepräget

Daß sie nichts trennen kan von Göttlicher Gemein.

Die sammlen einen Schatz der über Mogols Schätze

Und der zum Wucher bringt den Schatz der Seeligkeit.

Wenn Kinder dieser Welt umbringet der Hellen Retze

Ist jener Hertz und Schatz fürm Höchsten ausgebreit.

Nun

Dem selbst der HErr sein Wort in Hertz und Mund gelegt

Der nicht die Schätze pflegt des Himmels zuverhölen

Und Leben und auch Tod durch Lehren uns fürträgt

Es hat des Schöpffers Hand sein Hertz itzt wie zerbrochen

In dem der zarte Sohn gleich Blumen welcken muß

Da ihn des Todes Wurm wie Lilien durchstochen

Der nun den Eltern gibt den letzten Abschieds-Kuß.

Er war sein Augen-Trost sein Schatz an dem das Hertze

Als seinem Theile hieng der Mutter Lust und Zier

Der Jahre zartes Wachs ein angenehme Kertze

So schon der Tugend Glut und Flammen stieß herfür.

Es stand der Hoffnung Schatz auf sein zukünfftig blühen

Daß er des Vatern Ruhm und Thaten schlüge bey.

Wie aber? muß er bald das Sterbe-Kleid anziehen?

Und wird so früh gesellt zu der verblichnen Reyh?

Ja GOtt der alles weiß der will ihn bey sich wissen

Er soll der Eltern Schatz doch mehr des Himmels seyn.

Er wird der Zeiten Sturm der Läuffte Pest entrisseu

Sieht die Cometen nicht die uns fast stündlich dräun.

Zwar weil der Kinder Lieb’ entspringet auß dem Hertzen

So ist es zweifels frey daß sie zum Hertzen steigt

Daß wir die Unsrigen nicht ohne Weh und Schmertzen

Hingeben wenn der Tod die scharffe Sense zeigt:

Alleine wer sein Hertz dem Himmel hat geweyhet

Nichts auf der Sterblichkeit vergänglich hoffen baut

Wird bey der Kinder Tod in seinem GOtt erfreuet

Weil seiner Ober-Pfleg und Schirm sie sind vertraut.

Der kleine

Als Meylands Lehrer selbst der rieff den HErren an

Gleich da die Tyranney der Kirchen wiederstrebet

Daß es umb seine Schaff und Volck nicht sey gethan.

Es wär auch seliger Tertullian verblichen

Eh’ als deß Alters Schnee die Ketzerey bedeckt.

Viel die in erster Zeit vom HErren nie gewichen

Hat doch der Lasterschwarm zuletzte noch befleckt.

Wohl dem der zeitlich stirbt GOtt hat mit kleinen Kindern

Sein hoch Geheimnüß für wie seltzam es uns dünckt.

Er weiß des Elends Ziel und kan die Schmertzen mindern

Wenn das bedrängte Hertz ins höchste Trauren sinckt.

Ach all zu Thörichte die an der Erde kleben

Und derer Hertz allein beym Schatz im Kasten liegt?

Ach dreymal Seelige die Gütern sich ergeben

So selbst die Ewigkeit auf ihren Schalen wiegt.

Denn kan ihr himmlisch Hertz des Himmels Schätze zehlen

Wenn hier die irrdischen so

Wenn Diebe Freund und Feind offt das Vermögen stehlen

Wird doch der Seelen Schatz von keinem Fall beschwert.

Nun weil denn Kinder Schätz’ und zwar Hochedle Schätze

Den’ auch des HErren Mund den Himmel selbst verspricht:

So unterwerffen sich nur Eltern dem Gesetze

So über uns bestimmt beym ersten Lebens-Licht.

Es muß Hochwürdiger sein Hertze Gott gefallen

Dem er das vierdte Kind als vierdten Schatz itzt gibt

Wenn zeitlich Menschen Gut wird schwinden und zerfallen

So bleibt sein Schatz bestehn dieweil er GOtt geliebt.