Der Menschen Hertz bey ihrem Schatz Als Hr. J. A. S. S. Th. D. Jüngstes Söhnlein...
Jhr schnöden Sterblichen die ihr nach Schätzen trachtet
Und oft die Seele gar für Geld und Gut verkaufft
Die ihr das Reichthum mehr als euer Leben achtet
Und umb das eitle Geld nach Ost- und Westen laufft;
In Hoffnung durch groß Gut was herrlich zu erreichen
Daß eures Hauses Stamm von hohen Namen prangt
Daß das Vermögen soll nicht von den Kindern weichen
So mit viel tausend Müh und noch mehr Sünd erlangt;
Jhr die der Geld-Geitz auch noch in dem Sterben quälet
Und niemals nicht verläßt biß an denletzten Hauch;
Sagt wo ihr schliessen könnt was ihr euch habt erwehlet
Für Diamante Glaß für Rosen Heck’ und Strauch.
Gott der von Ewigkeit der Menschen Hertz ergründet
Und dessen Heimligkeit ihm nicht verborgen bleibt
Spricht: Sammlet einen Schatz den man im Himmel findet
Den auch kein Dieb nit stiehlt noch Mott’ und Rost zerreibt.
Wie reimen sich denn nun des Plutus schwartze Kammern
Und deß Jerusalems bestrahlte Sonnen-Stadt?
Ein Schatz der wird bewacht mit Winseln Sorgen Jammern
Ein Schatz der Fried und Ruhm in sich die Fülle hat.
Was sucht ihr Reichthum hier umb ewig dort zu darben
Kriecht in der Erde Schoß den Himmel nicht zusehn?
Streut immer Saamen auß und erndet niemals Garben
Baut auf gehäufften Sand den Winde leicht verwehn?
Erkennet nicht einmal den Geber alles Guten
Hängt als wie angeleimt an einem klumpen Gold;
Traut seinem Worte nicht mehr aber wilden Fluten
Verwechselt um Gewin des Schöpffers Gnad und Huld.
Sagt was sind eure Schätz? Abgötter eurer Sinnen
An was hängt euer Hertz? Ach am verdammten Geld.
Was wird euch dieser Schatz noch dermal einst gewinnen?
Den Pful der alle Zahl der Martern in sich hält.
Nicht reich Arabien nicht Japans theure Wahren
Was Quinsay hocherhebt und Peru liefern kan
Nicht die in Potosi und Lima Bergwerck fahren
Gewehren was den Schatz der Hertzen gehet an.
Und ich verstehe nicht hier Hertzen so verhartet
Die mehr als steinern seyn ver finstert voller Nacht:
Nein die auch in dem Creutz auf ihren GOtt gewartet
Sich für ihm ausgeschütt durch seufftzen matt gemacht;
Die aufs zukünfftige den guten Grund geleget
Und diesen außerwählt wo alle Schätze seyn;
Ja die Erkäntnüß tieff ins Hertzens Blat gepräget
Daß sie nichts trennen kan von Göttlicher Gemein.
Die sammlen einen Schatz der über Mogols Schätze
Und der zum Wucher bringt den Schatz der Seeligkeit.
Wenn Kinder dieser Welt umbringet der Hellen Retze
Ist jener Hertz und Schatz fürm Höchsten ausgebreit.
Nun
Dem selbst der HErr sein Wort in Hertz und Mund gelegt
Der nicht die Schätze pflegt des Himmels zuverhölen
Und Leben und auch Tod durch Lehren uns fürträgt
Es hat des Schöpffers Hand sein Hertz itzt wie zerbrochen
In dem der zarte Sohn gleich Blumen welcken muß
Da ihn des Todes Wurm wie Lilien durchstochen
Der nun den Eltern gibt den letzten Abschieds-Kuß.
Er war sein Augen-Trost sein Schatz an dem das Hertze
Als seinem Theile hieng der Mutter Lust und Zier
Der Jahre zartes Wachs ein angenehme Kertze
So schon der Tugend Glut und Flammen stieß herfür.
Es stand der Hoffnung Schatz auf sein zukünfftig blühen
Daß er des Vatern Ruhm und Thaten schlüge bey.
Wie aber? muß er bald das Sterbe-Kleid anziehen?
Und wird so früh gesellt zu der verblichnen Reyh?
Ja GOtt der alles weiß der will ihn bey sich wissen
Er soll der Eltern Schatz doch mehr des Himmels seyn.
Er wird der Zeiten Sturm der Läuffte Pest entrisseu
Sieht die Cometen nicht die uns fast stündlich dräun.
Zwar weil der Kinder Lieb’ entspringet auß dem Hertzen
So ist es zweifels frey daß sie zum Hertzen steigt
Daß wir die Unsrigen nicht ohne Weh und Schmertzen
Hingeben wenn der Tod die scharffe Sense zeigt:
Alleine wer sein Hertz dem Himmel hat geweyhet
Nichts auf der Sterblichkeit vergänglich hoffen baut
Wird bey der Kinder Tod in seinem GOtt erfreuet
Weil seiner Ober-Pfleg und Schirm sie sind vertraut.
Der kleine
Als Meylands Lehrer selbst der rieff den HErren an
Gleich da die Tyranney der Kirchen wiederstrebet
Daß es umb seine Schaff und Volck nicht sey gethan.
Es wär auch seliger Tertullian verblichen
Eh’ als deß Alters Schnee die Ketzerey bedeckt.
Viel die in erster Zeit vom HErren nie gewichen
Hat doch der Lasterschwarm zuletzte noch befleckt.
Wohl dem der zeitlich stirbt GOtt hat mit kleinen Kindern
Sein hoch Geheimnüß für wie seltzam es uns dünckt.
Er weiß des Elends Ziel und kan die Schmertzen mindern
Wenn das bedrängte Hertz ins höchste Trauren sinckt.
Ach all zu Thörichte die an der Erde kleben
Und derer Hertz allein beym Schatz im Kasten liegt?
Ach dreymal Seelige die Gütern sich ergeben
So selbst die Ewigkeit auf ihren Schalen wiegt.
Denn kan ihr himmlisch Hertz des Himmels Schätze zehlen
Wenn hier die irrdischen so
Wenn Diebe Freund und Feind offt das Vermögen stehlen
Wird doch der Seelen Schatz von keinem Fall beschwert.
Nun weil denn Kinder Schätz’ und zwar Hochedle Schätze
Den’ auch des HErren Mund den Himmel selbst verspricht:
So unterwerffen sich nur Eltern dem Gesetze
So über uns bestimmt beym ersten Lebens-Licht.
Es muß Hochwürdiger sein Hertze Gott gefallen
Dem er das vierdte Kind als vierdten Schatz itzt gibt
Wenn zeitlich Menschen Gut wird schwinden und zerfallen
So bleibt sein Schatz bestehn dieweil er GOtt geliebt.