Der Menschliche Körper eine aus vielen Kunststükken zusammen ge- setzte Maschine...

By Johann Justus Ebeling

Wenn ich des Leibes Bau anseh,

Woraus er ist vereint, verbunden:

So deucht mir das des Schöpfers Höh,

An jedem Stükke wird gefunden;

Der Körper, drin die Seele thront,

Und wie in einem Hause wohnt;

Ist wenn ich ihn nur recht anblikke,

Ein durch so manche Kunst, vereintes Meister-

Das Haupt der Sinnen Werkstatt, ist

Ein Wunderwerk von allen Künsten,

Was in der runden Höhle fließt,

Gleicht denen feinesten Gespinsten:

Das feucht und safftige

Ist wie ein aufgewundner Zwirn,

Ein flüßiges Geweb zu nennen,

An dessen Feinigkeit wir

Der Augen helles Wunderglas,

Ist wie ein Seh-Rohr das vergrössert,

Ein Spiegel und cristallnes Naß,

Das theils verhärtet, theils durchwässert;

Die Haut die drunter ist gespannt,

Die gleichet einer dunklen Wand,

Die in der Kunstmaschin

Woran im Schatten-Schein gedrukte Bilder

Die Ohren sehen fast so aus,

Als wie ein Trichter wird formiret;

Wie ein gewundnes Schnekken Haus,

Das Wundernswürdig ausgezieret;

Sie gleichen einem Labyrinth,

Worin viel Jrregänge sind,

Man findet in derselben Kammer,

Viel wunderbahr Geräth, als Trommeln,

Und wenn wir unser Augenmerk

Aufs ofne Thor

So kan man drin ein Räderwerk

Und kleine Mühlensteine sehen,

Und andre Kunstgeräthe mehr.

Die

Als wie ein Schwerd das ausgezogen,

Als wie ein spizzer Pfeil auf den gespannten

Der Vorderzähne dichte Reihn,

Die sich der Zung entgegen stellen,

Die können Pallisaden seyn,

Gesezt auf denen hohen Wällen.

Sie sind wie Stacheln spiz gewezt,

Wer sich dran wagt, der wird verlezt;

Die

Ein ausgebreitet Thor mit zwei geschloßnen

Sehn wir des Leibes Bauwerk an,

O! wie viel schöne Kunstmaschinen!

Sind hier vereint, und jede kan,

Uns sicher zum Beweisthum dienen:

Daß eines weisen Meisters Macht,

Dieselben all herfürgebracht;

Und unter sich also verbunden,

Wie er es zu dem Zwek bequem hat ausge-

Die Brust läst ein Gewölbe sehn,

Worin der

Und durch der Lüffte paustend Wehn,

Sich immer auf und niederbieget.

Die

Kan eine Orgel-Pfeiffe seyn,

Woraus wenn sie sich dehnt, ein lauter Schall

Und ein verschiedner Thon, wie sie sich ziehet,

Der Magen gleichet einem Schlauch,

Der aus recht dikken Fell bereitet;

Er ist ein Topf, die Küche auch,

Weil keines mit einander streitet.

Der giebt den Gliedern alle Krafft,

Weil er den guten Nahrungssafft,

Den er gekocht und durch filtriret

Auf wunderbahre Art in alle Theile füh-

Das Herz des Lebens Wunderborn,

Die Quelle aller Leidenschafften,

Wo Freud und Lust und Furcht und Zorn,

Mit den verborgnen Trieben hafften,

Zeigt uns mit seinem Zubehör

Die Wasserkunst wohin und her

Ein rother Strom sich sprizzend giesset,

Wenn die Ventil aufgeht, durch viele Röh-