Der Messias. Elfter Gesang .
Wenn ich nicht zu sinkend den Flug der Religion flog,
Wenn ich Empfindung ins Herz der Erlösten strömte; so
hat mich
Gottes Leitung getragen auf Adlersflügeln! es hat mich,
Offenbarung, von deinen Höhn die Empfindung beseligt!
Wer an dem reinen krystallenen Strom, der unter des Lebens
Bäumen vom Throne fleußt, nicht weilte mit heiliger Ehrfurcht,
Deß Beyfall erreiche, verweht vom Winde, mein Ohr nicht!
Unverweht, befleck’ er mein Herz nicht! Ach, unten am Staube
Müßte bleiben mein Lied, wenn jener lebende Strom nicht
Durch die neue Jerusalem, Gottes Stadt, sich ergösse,
Und zu ihm mich hinauf der Vorsicht Rechte nicht führte.
Leite mich ferner, du Unsichtbare, du Führerinn, leite
Meinen bebenden Gang! Des Sohnes Erniedrigung sang ich;
Bring mich höher hinauf, auch seine Wonne zu singen!
Aber darf ich mich auch des Vollenders Freuden zu singen
Unterwinden? von Auferstehungen rauschend die Höhen
Und die Thale? des Siegers Triumph, da vom Tod’ er aufstand?
Und die Erhebung des Sohns von dem Staub’ hinauf zu dem Himmel
Aller Himmel, empor zu dem Throne des ewigen Vaters?
Die mich hören, und mir, hilf, Himmelerhobner, uns tragen
Ach, uns armen Glücklichen deiner Herrlichkeit Schrecken!
Ewig nun Erbarmer der Menschen, schaut’ auf des Todten
Leichnam der Ausgesöhnte. Der Sohn, der Herrliche Gottes,
Er von Ewigkeit, Gott, der Hochgelobte der Himmel,
Christus sah zu dem Vater empor. Wer ist der Erschaffne,
Der zu empfinden vermag, mit welcher Wonne der Gottheit,
Welcher Liebe, sie schauten? Da, wo herunter vom Throne,
Wo von der heiligen Erde, sich ihres göttlichen Anschauns
Seligkeit senkt’, und erhub, auf diesem strahlenden Wege
Fing jetzt wieder die stehende Schöpfung den kreisenden Lauf an,
Hier zuerst; dann floß von des Ewigen Throne die Nacht weg,
Dann von der Sonne der deckende Stern. Nun bebten die Pole
Aller Welten, den Flug, den Gott sie lehrte, zu fliegen.
Schon begannen sie ihn, und donnerten weit durch die Himmel
Jenes Flehen, mit dem sie zu seiner Schöpfung Erhalter
Rufen, es wolle von ihnen der Allmacht Arme nicht abziehn
Gott, und sie lassen auf ewig von seiner Herrlichkeit zeugen!
Und mit Eile drehten die Sonnen sich, folgten die Erden,
Bis sie von neuem den Weg der ersten Kreise betraten.
Jesus Christus, der Miterhalter der Welten, schwebte
Ueber dem Kreuz, und sah auf seinen Leichnam herunter,
Wie der blutig, und bleich, und stumm zu der Erd’ hinabhing!
Jetzo wandte der Ueberwinder des Todes sich. Schauernd
Bebte die Erde vor ihm, als er sich wandte. Nun schwebt’ er
Nach dem Tempel, und unter des Eilenden Schwunge zerspalten,
Sinken, stürzen, mit himmelsteigendem Staub’ und Getöse,
Rings die Felsen. Schnell erfüllet die heiligen Hallen
Christus Herrlichkeit, schnell das Allerheiligste Gottes.
Und es zerriß, indem sie ins Allerheiligste schwebte,
Von des Gewölbes fernen Höh, aus der er hinabhing,
Bis zu dem liegenden Saum, der geheimnißverhüllende Vorhang.
Und es verschwand dein Schatten vor dir, vollbrachte Versöhnung!
Hier sprach Jesus Christus mit seinem Vater, mit Gott, Gott,
Von der ganzen Erlösung Vollendung, bis er zu des Vaters
Rechte sich hübe! Denn nicht allein der getödtete Gottmensch,
Auch der auferstandne, und himmelerhobne Gottmensch
Ist das Heil der Sünder, und ihres Glaubens Entzückung.
Nur wovon der Vater und Sohn, nicht wie sie es sprachen,
Kannst du, Sionitinn, erzählen. Denn, dieses zu denken,
Hat die Seele kein Bild, es zu sagen, nicht Worte die Sprache.
Siehe, wie Nacht sich in ewiges Licht aufklärt! … wie des Sohns Heil
Keinem nicht Labyrinth mehr ist! … war ihres Gespräches
Inhalt. Dann das Volk, deß Söhnungsaltär’ aufhörten
Bilder des ewigen Opfers zu seyn! deß Tempel nun Trümmer
Bald nun Staub ist! … Jhr thränenvoll Schicksal, wie sie gesät sind
Unter die Nationen! und dieses Schicksals Entwicklung! …
Ging vor dem schauenden Auge des Vaters und Sohnes vorüber.
Auch die Religion verbreitet unter den Schaaren
Zahlloser Völker, wie sie mit viel Jahrhunderten fortströmt,
Oft verdunkelt, entstellt! von der Menschen Lastern und Unsinn
Wie mit Nächten bedeckt, nie ganz vertilgt von der Erde!
Jedes Geretteten Auferstehung vom Tode der Seele!
Jeder Kampf des Streitenden! jeder Sieg des Gestärkten!
Seine Leiden! sein fernes Gefühl des Himmels! sein Ende!
Ging vor dem Ausgesöhnten, und vor dem Versöhner verüber!
Da so gegen einander der Vater und Sohn sich verklärten,
Wälzte, so brausen Meere! sich durch die hörenden Himmel
Eine Stimme; die sprach: Bey dem, der von Ewigkeit Gott ist,
Mensch, und erwürgt ward! auferstehn, und zur Rechte des Vaters
Sich wird setzen! ihr Ungefallen, auch euch wirds Wonne
Wirds in jauchzenden Ewigkeiten Entzückung und Heil seyn,
Daß der ewige Hohepriester die Sünde versöhnt hat,
Und mit euch die wiedergeheiligten Sterblichen Gott schaun!
Eure Brüder, wie ihr geschaffen zur Ewigkeit, Gott schaun!
Fallet nieder, und dankt! Auf seines Todes Altare
Ruht noch sein heiliger Leichnam, allein vollendet, vollendet
Hat das Opfer der Ewigkeit Er! Bald ist die Erlösung
Ganz vollbracht! Jhr werdet den Ueberwinder, die Klarheit
Seiner Gottheit um ihn nun bald auf des Ewigen Thron sehn!
Gott, von Ewigkeit Gott, und bedeckt mit strahlenden Wunden!
Also erscholl die Stimm’ in den Himmeln Eloa’s Stimme.
Auch erhub sich über der Erde mit freudigem Beben
Eine Stimme; die sprach: Der Gottverheißne, der Treue,
Jesus Christus, der Dulder, der Gnadenvolle, die Liebe
Nun, nun ist er den Tod für die Abgefallnen gestorben
Seinen versöhnenden Tod! Du Zweig an Adams Stamme
Klag’, und verdorre nicht mehr! blüh auf zu dem ewigen Leben!
Die gebohren werden, nun jauchzen sie, daß sie es werden!
Denn es ist, in der Sterblichkeit schon, ihr Licht der Versöhner,
Jhre Leuchte das Lamm, das auf dem Hügel erwürgt ward!
Die vor Gott sie verklagte, die todverlangende Sünde
Ist vertilget! Gericht, du gehst vor den Reinen vorüber,
Die mit des Gottgeopferten Blute sich glaubend bezeichnen.
Hebet euer Haupt gen Himmel, und glaubt! Der Erbarmer
Gab euch seinen Eingebohrnen! Ein besseres Leben
Nimmt euch auf; habt ihr des Todes Schlummer geschlummert.
Priester seyd ihr, und Könige, seyd in Blute gewaschen,
Hell im Blute des Lammes, das auf dem Hügel erwürgt ward.
Also erscholl auf der Erde die Stimme des ersten Gefallnen.
Jesus war noch im Allerheiligsten. Keinem der Engel
Offenbaret’ er sich jetzt sichtbar, keinem der Väter.
Seine Gegenwart kündeten zwar, da hinüber zum Tempel
Er vom trüben Golgatha schwebte, wehendes Rauschen
Jhnen an, und, Erde, du, die dem Göttlichen bebte.
Aber sie sahn die Herrlichkeit nicht, vor welcher die Wolken
Rauschten, die Erd’ erschrak. Sie beteten nur von fern an;
Jetzo gegen die Höhe Moria, denn immer erbebte
Noch das Allerheiligste! Bilder vom Tode des Mittlers
Füllten zwar noch die Seelen der Väter; allein wie kein Engel
Jhnen sie nachzuempfinden vermag, ergreifet, durchströmt sie
Wonne mit jenem jetzt süsserm Gedanken von deinem Tode,
Gottversöhner, vermischt, die sansteste Ruhe des Himmels!
Ruh, und Friede Gottes, und Liebe Christus, die jeden
Jhrer Gedanken erleuchtete, jedes Gefühl entflammte!
Denn sie empfanden, es sey der Erschaffung zur Ewigkeit letzter
Seligster Zweck, die Liebe zu Jesus Christus dem Mittler
Zwischen Gott und … Menschen! In dieser sanften Entzückung
Sahn die Seelen der Heiligen jede die andre verloren.
Nach und nach war ihnen ihr Glanz, ihr strahlendes Leben
Wieder gekommen. So sahen sie sich. Die himmlische Liebe,
Welche sie gegen einander empfanden, erhub sie noch höher
Zu der Seligkeit, dich, o ihr Versöhner, zu lieben,
Eine Seele sie alle, sie all Ein Tempel des Mittlers!
Gabriel eilte zu ihnen vom Todeshügel herüber,
Und trat unter sie hin. Noch konnt’ er vor Wonne nicht reden.
Also hatte der Lichtanblick der Ewigerlösten
Jhm sein Innres bewegt. Wie Harfen tönt’ ihm die Stimme:
Meine Brüder! Unsterbliche! kaum darf ich Brüder euch nennen!
Christus Väter! ich führt’ euch herab von der Sonne zur Erde;
Väter! noch Ein Befehl ist mir am Throne geworden;
Also gebeut er: Geht zu euren Gräbern, Erlöste!
Schnell verbreiteten sich der Heiligen Schaaren, und eilten
Jeder zu seinem Grabe. Noch war von jenem Altare,
Bey dem Abel entschlief, ein bemooster Felsen übrig.
Adam ward, und viele der Seinen an diesem Altare,
Den fast ganz der Wasser Gericht wegwälzte, begraben.
Adam eilte mit wenigen Frommen, sie dort zu versammeln.
Und sie sahen, da sie den Gräbern sich nahten, die Engel
Jhre Beschützer im sterblichem Leben nah an der Gräber
Trümmern schweben. Es schien, als ob die Engel der Schöpfung
Kleinere Wunder, die Welten des Staubes, und ihre Bewohner,
Unter den Trümmern betrachteten. Als die heiligen Seelen
Mehr sich nahten, verließen die Engel der Gräber Gefilde.
Triumphirend erhuben sie sich. Die Seelen der Todten:
Wußten es nicht, warum in Triumph sich die Engel erhüben.
Henoch blieb und Elias am Todeshügel. Sie blickten
Wundernd den Heiligen nach, die zu ihrer Gebeine Ruhstat
In der Zeit der Vollendung, der Zeit der Herrlichkeit, jetzo,
Auf des Ausgesöhnten Befehl herunter stiegen!
Noa ließ sich mit Japhet und Sem hinab zu dem Grabe,
Das ihn an jenem Berge begrub, auf welchem die Arche,
Gottes Retterinn, über der waldumstürzenden Meere
Dumpfem Geräusch, stillstand! und wo den dankenden Altar
Noa baut’, und opfert’, und dich, du Bogen des Bundes,
Den Gott selber mit Gnade betrachtete, betend erblickte.
Abraham eilte mit seinen Geliebten zur Todeshöle
Gegen über dem Hain, in dem er den göttlichen Dulder
Schon wie einen Menschen gestaltet sah, und nicht wußte,
Wer der Wanderer sey, der mit ihm in dem Schatten sich labte.
Moses ereilte sein einsames Grab am Nebo, wo Gott ihn
Unter Felsen begrub. Er starb vor des Ewigen Anschaun,
Der ihm, eh er entschlief, vom Nebo Canaan zeigte.
Vor dem Schrecken der Gegenwart Gottes zerrissen die Felsen
Unter dem Todten. Er sank hinunter; noch bebende Felsen
Stürzten ihm nach. So lag er von Gottes Rechte begraben.
Nicht so ferne von Golgatha kamen zu ihren Gräbern
Jene Jünger Moses, die, mit der Beredtsamkeit Donner,
Und prophetischen Psalmen vom künftigen Heile gerüstet,
Abrahams Enkel dem eisernen Arme der Götzen entrissen.
Graun umgab die Gefilde der heiligen Gräber, und schreckte
Jedes noch Sterblichen Fuß zurück, der ihnen sich nahte.
Aber, als ob bey den Heiligen sie nur weilen wollten,
Kamen wieder zu ihnen herab von der Wolke die Engel.
Adam hatte sein Grab mit seinen Geliebten betreten.
Also entriß er sich seinem Erstaunen: Jhr fühltet, ich sah es,
Wie ich heiligen Schrecken empfand, als Gottes Befehl kam,
Aber freut euch mit mir! Wir sind gewürdiget worden,
Diese Zeit, da im Tode des Göttlichen Leichnam schlummert,
Mit dem Schlummernden bis zu dem Grab’ erniedret zu werden.
Selig, daß wir es wurden: wie freudig ist dieser Gedanke,
Mit dem ewigen Sohne des Vaters erniedert zu werden.
Und noch Einer entzückt mich: Ich werde jenen Gerichtstag,
Wenn er, zum Eden die Erde nun umzuschaffen, herabkömmt,
Und ihr, meine Kinder, mit mir wir werden vom Tode
Hier erwachen! erwachen bis hin ans Ende der Erde
Alle die liegen, und schlafen, zu Ewigkeiten erwachen!
Alle meine zahllose Kinder der ersten Erschaffung
Leiber, verherrlichte, seelenähnliche Leiber empfangen.
Ach! zu welcher Seligkeit schuf uns Jehova! Wie hast du,
Tod des Versöhnenden, uns, und zu welchen Freuden, erhoben
Henoch, und du, Elias, ihr zeigts, wie werth des Verlangens
Eines Unsterblichen sey die Auferstehung vom Tode.
Säume nicht, letzter der Tage, daß wir nicht länger verlangen!
Säume, säume vielmehr, daß noch zahlloser die Schaar sey
Derer, die einst zu dem ewigen Leben aus Gräbern hervorgehn!
So sprach Adam mit seliger Ruh, und seine Gefährten
Dachten mit ihm dem frohen Gedanken von der Erniedrung
Mit dem Versöhner, und von dem letzten Tage der Erde
Wonnevoll nach. So standen sie jeder an seinem Grabe.
Von dem Fuße des Bergs bis hinauf zu der Zinne des Tempels,
Bebt’ itzt fürchterlicher Moria. Schreckende Wolken
Wälzten sich aus dem Allerheiligsten, strömten herüber
Durch die Hallen des Heiligen, dann in des Tempels Vorhof,
Dann gen Himmel. Wohin die schreckenden Wolken sich wandten;
Bebte die Erd’, und spalteten Felsen, und huben sich Ströme.
Jetzo standen die Wolken gebreitet über die Gräber
Leuchtender still, und ein Sturmwind braust’ auf die Gräber herunter;
Aber des ewigen Sohns Allmacht war nicht in dem Sturmwind!
Und die Erde bebt’ um die Gräber; allein des Versöhners
Allmacht war in der bebenden Erde nicht! Es entströmten
Flammen den Wolken; allein der Herr war nicht in den Flammen!
Jetzo kam von dem Himmel sanftes Säuseln hernieder,
Und des ewigen Sohnes Allmacht war in dem Säuseln.
Ach! die Väter befiel, gleich einem Schlummer in Schatten,
Süße Betäubung! Sie wußten es nicht, wie ihnen geschahe,
Aber ihr dunkles Gefühl war: Nähe Gottes, und daß es
Um sie säuselte. Freudig, mit brüderlicher Entzückung,
Schauten die Engel umher im Gefilde der Auferstehung!
Jetzt daucht’s Adam, als rief er: Ich werde geschaffen! geschaffen!
Und er strebte sich aufzurichten. Noch kniet’ er im Staube.
Harfen tönten ihm zu! ihm sang der Seraph, und Cherub:
Werde von neuem, und nun auf ewig, geschaffen! auf ewig!
Siehe, du starbst, an dem dunkelsten deiner Tage, des Todes,
Adam! O Heil dir Erstem! erwach! und lebe nun Leben!
Seliges, Adam! wie du, nach deiner Schöpfung, nicht lebtest!
Ach, nun stirbst du des Todes nicht mehr! … Noch kniet’ er im Staube,
Sah noch dunkel. Es ward mit dem auferstehenden Leibe
Sein ätherischer Leib, der seit dem Tod’ ihn umhüllte,
Jetzo vereint. Der wurde des Umgeschaffnen Verklärung.
Schnell erhub er sich, stand, und streckte die Arme gen Himmel:
Wonne mir! du hast mich von neuem aus Staube gerufen!
Ja, nun weis ichs wahrhaftig! du hast mich wieder, Versöhner!
Herrlicher mich, wie in Eden erschaffen! O daß ich dich fände,
Gottversöhner, daß ich den Allmächtigen fände! wie wollt ich
Niederfallen vor ihm! wie ihn anbeten! Du bist uns
Nahe, zwar nicht gesehn, doch bist du uns nahe, Versöhner!
Ja, dieß himmlische Säuseln ist deiner Gegenwart Stimme!
Und auch sie erwachen um mich! Schaut nieder, ihr Engel!
Um den Vater der Menschen erwachen die heiligen Kinder!
Eva begann sich empor zu heben. Wer bin ich geworden?
Bin ich in Eden? Wo bin ich? Ich lebe wieder im Leibe
Meiner ersten Erschaffung? O dort ist Adam! Wie glänzt er!
Und wie glänz ich! O du, deß Wunden einst stralen, wo bist du,
Daß ich eil’, und dir danke, du Wiederbringer der Unschuld!
Adam eilte zu ihr, sie eilte zu Adam; doch konnten
Sie nicht reden, da sie sich in ihrer Entzückung umarmten,
Nur den Namen des Todtenerweckers konnten sie stammeln.
Abel, Abel! mein Sohn! rief Adam Abel entgegen,
Denn der schwebte daher, wie ein Frühlingsmorgen, in Purpur
Und in Schimmer gekleidet! mein Sohn, wie hat uns der Mittler
Mit Barmherzigkeiten, mit Huld, mit Gnade beseligt!
Erde wurden wir, als wir entschliefen; was sind wir geworden!
Ueber alles, was wir verstanden, und was wir baten,
Hat er überschwenglich gethan, der, o Vater, versöhnt hat
Unsere Sünd’, und die Sünde der Welt! O Ruhe der Himmel!
Alle sie werden wie wir der Tage letzten erwachen.
Enos fand sich bey Seth, bey dem Mahlaleel, Jared,
Kenan, und Noa’s Vater, bey dem Methusala wieder.
Unter Stralen, fanden sie, auf zitternden Gräbern,
Sich mit des neuen Lebens Gefühl, in himmlischem Leibe,
Der, ein beßrer Gefährt der erlösten unsterblichen Seele,
Fast mit ihr denkt, und empfindet, in dem die ewige Gott schaut!
Wie, nach ihrer Geburt, sich die Morgensterne des Daseyns
Freuten, und dich, o Schaffender, feyrend sangen, so schwebten
Adams Söhne daher, und riefen Jubel und Wonne,
Neue Wonne sich zu! Der Auferstehung Gefilde
Hallten von der Entzückung der wiederkommenden Todten!
Noa, der zweyte Vater der Menschen, fühlt’s, daß er wurde,
Und in sanfterem Wehn der Abenddämrung erwachte.
Röthlicher Duft entfloß des Unsterblichen Schulter, indem er
Schnell sich erhub. Er rief: Jhr Engel, sagt mir, ihr Engel,
Ist mir ein Leib wie Adam im Paradiese geschaffen?
Ach, wo sind wir? am Throne des Ewigen? oder am Grabe?
Und wo betet ihr an? wo ist er, o der mich umschuff?
Daß ich niederfalle mit euch! mit euch anbete!
Japhet! Sem! er sahe vor sich die beyden erwachen,
Ach! wo ist, ihr Söhne! der uns vom Tode geweckt hat?
Daß wir eilen, und niederfallen, und ihn anbeten?
Nein! nicht Noa’s, der auch es ist, der Auferstehung
Söhne, wo ist, der sie mit Feuer vom Himmel entflammt hat,
Daß wir knieen, und niederfallen, und Jubel ihm stammeln!
Wie der Fromme, der Gott, Gott! seinen Schöpfer! in Allem
Sucht, und findet, in frühem erfrischendem Walde die Sonne
Hinter duftenden Bäumen in ihrer Schöne die Sonne
Aufgehn sleht, Entzückung und sanfter Schauer befällt ihn!
Denn sie ist schön! ein mächtiger Zeuge der Herrlichkeit Gottes!
So sah Abrahams Engel den Vater der glaubenden Nachwelt
Selig, verklärt, unsterblich aus seinem Grabmal hervorgehn.
Abraham legte die Hand auf den Mund, und blickte gen Himmel;
Endlich redt’ er, noch in sich gekehrt, noch vertieft in Erstaunen:
Umgeschaffen bin ich? Wie wunderbar, du Versöhner,
Sind die Folgen deiner Versöhnung! wie gnadevoll sind sie!
Ach, dieß neue Leben, das du aus Staube mir schufest,
Gott! Versöhner! es ist auch deinen Wunden entquollen!
Diesen unverweslichen Leib, den edlern Genossen
Meiner Seele, den hast du mir, vor dem Tage der Tage,
Vor der Wandlung der Erde, gegeben! Wer bin ich! wer bin ich,
Daß du mit diesem Heile mich, Liebender, überschüttest!
Also rief er, und weint’, entflammt von Dank und von Wonne.
Jsak kam; und Abraham daucht’s, als wäre der Jüngling
Einer der Seraphim! Also war mit dem festlichen Schimmer
Und mit der lächelnden Morgenröthe der Himmelsbewohner
Jsak geschmückt. Und Abraham rief: O sahst du mich werden,
Leuchtender Engel? Er ist für Adams Söhne gestorben!
Er hat meinem verwesten Gebein dieß Leben geboten!
Abraham! … Vater! du glaubtest zu Gott, ich würd aus der Asche,
Hätte mich nun des prüfenden Altars Flamme geopfert,
Wieder erwachen. Jetzt bin ich erwacht! O bester der Väter,
Wunderbar ist des Versöhnenden Gnade! Sein heiliger Leichnam
Ruht noch am Kreuz, und wir erstehn zu dieser Entzückung!
Wie im Schlummer sank ich dahin, und himmlische Lüfte
Wehten um mich, und ich fand in hellen Wolken mich wieder.
Voller Entzückungen kamen Sara, und Bethuels Tochter
Zu den Geliebten. Auf sie, und gen Himmel, die Augen gerichtet
Standen der Vater, der Sohn, und fühlten die Auferstehung.
Lange standen sie sprachlos; allein in der innersten Seele
Glühten ewiger Dank, und werdende Jubelgesänge.
Jsrael trat in Triumphe daher! und Thränen voll Seele,
Dankende Thränen entstürzten dem Auge des Auferstandnen:
Halleluja dem Ueberwinder des Todes! dem Mittler
Zwischen dem Richter, und mir! du hast geblutet! du hast es
Alles vollendet! du hast aus des Todes Thal mich gerufen!
Und die Seraphim hielten sich nicht, und strömten ihr Loblied
Hin in den Wonnausruf des auferstandnen Gerechten:
Preis und Ehre dem Todtenerwecker! dem göttlichen Geber
Dieses jauchzenden ewigen Lebens, das jetzt aus den Gräbern
Aufblüht! Freue deiner Bewohner, die kommen sollen,
Himmel, dich! Es wehen, es wehen mit leisem Lispel
Diese frühen Halme, dem Rauschen der großen Erndte,
Sieh, es singet ihr Lied dem Rufen der Erndter: Jhr Todten,
Kommt! dem Posaunenhall: Gieb, Meer, sie wieder, und Erde!
Ach dem Jubelgeschrey des letzten Tages entgegen!
Jsrael wandte von ihnen sein Auge nach Golgatha’s Grabe:
Laut in allen Himmeln mit allen ewigen Chören
Will ich danken, wenn du aus deinem Grabe dich aufschwingst,
Wenn der Geliebte den Liebenden schaut auf der Herrlichkeit Throne,
In dem Glanze, der dein vom Anbeginne der Welt war!
Seyd ihr, Engel, was ich bin? Jhr seyds nicht! Jhr starbt nicht, wie ich starb
Glaubend an ihn! der Auferstehung mächtige Freuden
Fühltet ihr nicht! Er ist, wie Menschen sterben, gestorben;
Und wie Menschen, wird er in das neue Leben heraufgehn!
Selig, betet ihr an! Wir beten, selig mit euch, an;
Aber wir lieben des Ewigen und der Sterblichen Sohn mehr!
Ach, wo sind, die mit mir in dem ersten Leben ihn liebten?
Zwar nur fern und dunkel ihn sahn den Retter der Menschen,
Aber in seiner Göttlichkeit doch! … Er wendet vom Himmel
Nach der Erde sein Aug’, und erblickt, und umarmt die Geliebten,
Joseph, und Rahel noch nicht. Bey dem Grabe der Mutter Benoni
War ihr Engel. Sie stand an dem Hange des offenen Felsen,
Auf der Höhe der Engel. Mit Blicken der innigsten Freundschaft,
Sah sie zu ihm hinauf; mit Blicken der innigsten Freundschaft
Sah er auf sie herunter. Mein Grab ist einsam, o Seraph! …
Rahel, das Grab, in welchem nun bald der Göttliche ruhn wird,
Ist auch einsam! … Unsterblicher, ach wie hat er gelitten,
Dessen Leichnam bald das Grab an Golgatha einschließt.
Ach, was hat sein versohnender Tod uns erworben! Ich werde
Einst erwachen! wo mein Gebein in Staube verweste,
Hier! Auch Auferstehung hat mir der Versöhner erworben!
Als sie noch redet’, erhub sich um ihren Fuß von dem Grabe
Sanftaufwallender Duft, ein Wölkchen, wie etwa die Rose
Oder ein Frühlingslaub einhüllt, das Silber herabträuft.
Rahels Schimmer umzog den schwimmenden Duft mit Golde,
Wie die Sonne den Saum der Abendwolke vergoldet.
Und ihr Auge begleitet des Duftes Wallen. Sie sieht ihn,
Anders um sich, und wieder anders gebildet, herumziehn,
Steigen, sinken, zuletzt stets mehr sich nahen, und schimmern.
Und sie bewundert den Tiefsinn der immerändernden Schöpfung,
Unergründlich in Großem, und unergründlich in Kleinem,
Ohne zu wissen, wie nah der schwebende Duft ihr verwandt sey,
Und wozu ihn bald des Allmächtigen Stimme, Versöhner,
Deine Stimme nun bald erschaffen werde! Sie neigt sich
Ueber ihn, und betrachtet ihn, stets mit froherem Blicke.