Der Morgen.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Jüngling, sey mir gegrüsst! Über die Schöpfungen

Schwebst du tönenden Schwungs freudig und stolz

daher!

Deine Wange, wie glüht sie

In den Gluthen des Morgenroths!

Dein gelbringelndes Haar, deinen weitwallenden

Safranmantel, ihn schwellt, siehe! der Morgenwind,

Und entblättert die Rosen,

Die dir kränzen den hellen Schlaf.

Dir, Unsterblicher, dir feyert die junge Welt,

Dir der spiegelnde See, dir der entbrannte Wald,

Dir der sonnige Hügel,

Dir die perlenbesä'te Flur.

Dir, Unsterblicher, dir jubelt mein Saitenspiel.

Innig liebt dich mein Herz. Weckt nicht dein leiser

Kuss

Mich aus lähmendem Schlummer

In des Daseyns Entzückungen?

Heil dir, Strahlender, Heil! Gürte, so oft du

kehrst,

Meine Hüfte mit Kraft. Stähle zu festem Trotz

Meine Schenkel. Erfülle

Meine Röhren mit Löwenmark.

Deine Jugend verwelkt nimmer. Die meinige

Welkt in Kurzem. Nicht lang, siehe, so suchest du

Mich vergebens im Felde,

Rufst vergebens dem Schlummerer.

Tief im Staub' ist mein Schlaf, niedrig mein grünend

Haus.

Thaue Thränen darauf, Holder, und röth' es sanft,

Bis dein himmlischer Bruder

Mich zum ewigen Tage weckt.