Der Muthwille

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Wißt ihr, wie ich möchte ziehen

In die Stadt, wo Liebchen wohnt,

Ach, wohin ich oft geschrieen

In den Wind, ganz unbelohnt:

Wie weit ist die Zeit!

Nicht als Pilger, nicht als Sänger,

Nicht wie Geister unsichtbar,

Nicht wie Vögel, nein viel länger

Blieb' ich da, weit über's Jahr:

Wie weit ist die Zeit!

Nicht mit Blumen, nicht mit Bändern

Schlich ich hin vor Liebchens Thür,

Sehnsucht opfern alle Länder,

Singen blühend hin zu ihr:

Wie weit ist die Zeit!

Nein, als Sieger möcht' ich ziehen,

Sprengen auf die Thür zum Scherz,

Wie die Bombe springend glühen,

Durch den Mund ihr in das Herz:

Wie weit ist die Zeit!

Um von unten auf zu dienen,

Meint ihr, wär' ich nun zu alt,

Obenein möcht' ich verdienen

So die himmlische Gestalt:

Wie weit ist die Zeit!

Wenn ich mit dem Säbel klopfe,

Liebchen macht die Thüre auf,

Und sie kniet, hat Angst im Kopfe,

Sie als Krone höb' ich auf:

Wie weit ist die Zeit!

Setzte sie auf meinen Scheitel,

Trüg' wie Atlas meine Welt,

Alle Welt schien mir dann eitel,

Und ich wär' der einz'ge Held:

Wie weit ist die Zeit!