Der Nachtsturm

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Written 1788-01-01 - 1788-01-01

Sturm der brüllenden Nacht, wie so entsetzlich schön

Hallt dein Donner! Du brüllst tief in die Seele mir,

Wie des Schlachtrufs Drommete,

Jünglingswilde und Heldenkraft –

Draußen hauset die Nacht. Heulend und zischend fährt

In allmächtigem Pomp Sturm durch die Felder hin,

Beugt der Schöpfung Gewalt'ge,

Stäupt die Berge, und zaus't – den Wald.

Orkan! Orkan! was schlägst du mir mein einsames

Rundumbrülltes Gemach, schütterst die Scheiben mir

In den Fenstern? – Ich komme,

Wogenstürmer, und sprech' dir Hohn.

Schau! gewalt'ger Tyrann, schaue, da komm' ich, steh'

Rings in Dunkel und Nacht, bebe nicht deiner Wuth,

Die die Sterne des Himmels,

Die die Fackel des Mond's erlöscht.

Bebe nicht vor des Wald's tiefem Geheul, und nicht

Vor des zornigen Meer's Düstergebrüll, und nicht

Vor den Schreckenphantomen,

Die die Lüfte durchsegeln – – Doch

Nein, ich hasse dich nicht, Starker! In deinem Pomp

Sey mir festlich begrüßt. Siehe! ich liebe dich,

Wenn im Segel der Windsbraut

Gottes Schöpfung dein Fuß durchwälzt.

Schön und fürchterlich ist's, wenn du die Weitzensaat

Niederwühlst, wenn dein Arm herrisch den stolzen Wald

Dir zu huld'gen gebietet,

Und die Kron' ihm zu Boden schmeißt.

Schön und fürchterlich ist's, wenn du die Klippe spalt'st,

Wenn das grauliche Meer wuthschäumt, dein Odem dann

Seine Maste und Kiele,

Und die Zinnen der Städte bricht –

Orkan! Orkan! und mir, der ich dich liebe, mir

Stürmt dein Schreckengetös' Freuden und wilde Lust

In die Seele. Mir brennet

Zwiefach Leben im Feueraug'

O, mir hallt dein Gebrüll lieblich, wie Westgeweh,

Süß, die Lächeln der Braut, herrlich, wie Glockensturm,

Gottesflamme und Starkmuth

Reißt mir mächtig durch Mark und Bein,

Und ich stürm' ins Gefild', heule mit dir, erklimm'

Hoch die Felsen, und renn' wieder hinab, und schrei',

Daß die Halle der Berge

Mir ertösen, daß Wanderer

Bange lauschen – Doch, ha! rastlos durchschweift mein Fuß

Die durchbrüllete Nacht, schmettert und reißt, und ras't;

Denn noch bin ich ein Jüngling,

Stark wie der Sturm, und wild wie der.