Der Nachtsturm.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Sturm der geilenden Nacht, fürchterlich tos't

und schön

Dein Geläut durch die Nacht. Starker, des Jünglings

Geist

Schwellt dein Schmettern und Prasseln,

Wie den Krieger der Pomp der Schlacht.

Rabenschwarz ist die Nacht. Durch die Erebische

Wälzt der Mächtige sich sausenden Schwungs daher,

Beugt die Grossen der Schöpfung,

Stäupt die Höhen, und zaus't den Wald.

Orkan, Orkan, was raufst du mir mein Halmendach,

Trennst der Sparren Geflecht, schmetterst die Schei-

ben mir

In den Fenstern? — Ich komme,

Wogenthürmer, und Trotz sey dir!

Dem die Erd' und das Meer zittern, ich biete dir

Eine freudige Stirn, spotte der feigen Wuth,

Die die Sterne des Himmels,

Die die Fackel des Mondes löscht,

Zittre nicht ob des Walds lautem Gekrach', und

nicht

Ob des grollenden Meers dumpfen Gebrüll, und nicht

Ob den Riesengebilden,

Die dein Hauch in den Lüften ballt. —

Doch, ich zürne dir nicht. — Starker, in deiner Kraft

Sey mir festlich gegrüsst! Kühner, ich liebe dich,

Wenn Allfadern dein Päan

Auf der Harfe der Windsbraut singt.

Schön und fürchterlich ists, wenn du die Weizensaat

Niedermähst, wenn dein Arm geisselt den stolzen

Forst,

Und mit Pappel und Eiche,

Wie ein Knabe mit Disteln, spielt.

Schön und fürchterlich ists, wenn du das Meer

erwühlst,

Sein Vermögen zerstäupst, Schiffe, wie Kräusel

drehst,

Masten knickest, wie Binsen,

Taue reissest, wie mürben Zwirn.

Nein, ich zürne dir nicht, Lauter! Ich preise dich,

Deiner Fittige Schwung fachet zur Flamm' empor

Jeden glimmenden Funken,

Straffet jeden erschlafften Nerv.

Freund, mir hallt dein Gebrüll fei'rlich, wie Chor-

gesang,

Hehr, wie Tempelgeläut, prächtig, wie Orgelsturm —

Wilder toben die Pulse,

Rascher schlägt das empörte Herz.

In das Dunkel hinaus stürm' ich, in schwarzer Nacht

Klimm' ich felsenhinan, schaue vom stickeln Fels

In das gährende Chaos,

In die wühlende Nacht hinaus.

Erd' und Himmel und Meer zittern dir, Trotziger.

Kühn und freudig, wie du, Starker, frohlockt

mein Herz.

Denn noch bin ich ein Jüngling,

Unbezwungen und frey, wie du!