Der Nebelstädte winzige Wintersonne

By Georg Heym

Written 1899-01-01 - 1899-01-01

Der Nebelstädte

Winzige Wintersonne

Leuchtet mir mitten ins gläserne Herz.

Das ist voll vertrockneter Blumen

Gleich einem gestorbenen Garten.

[Alles, was ehe war,

Ist hinter den Mauern des Schlafes

Schon zur Ruhe gebracht.

Viele Winde der sausenden Straßen

Haben inzwischen auf frierenden Köpfen

Ein Wind-Spiel gemacht.]

Wohl war in Dämmerung noch

Blutiger Wolken Kampf

Und der sterbenden Städte

Schultern zuckten im Krampf.

Wir aber gingen von dannen

‘Zerrissen uns mit einem Mal,‚

Dumpf scholl ein Zungen-Gestreite

In Finsternis – Unrat – siebenfarbiger Qual.

Doch niemand rühret das starre

Gestern noch mit der Hand

Da der rostige Mond

Kollerte unter den [Rand]

Zu wolkiger Wolken Geknarre.