Der Neid.

By Johann Justus Ebeling

Der schiele Neid mit dürren Wangen,

Zischt nach der Art verfluchter

Und sprüzzet die mit Geiffer an,

Die ihnen nichts zu Leid gethan:

Er wirft nach eines andern Glükke

Ganz hämisch seine Zauberblikke,

Und grämmt sich bey des andern Wol,

Stellt sich vor Unmuth rasend toll;

Er lacht von aussen, weint in Herzen,

Vergnügt sich bei empfundnen Schmerzen.

Das ist das Bild, das wie der Schatten

Da wo sich Licht und Körper gatten

Sich findet, bey der Tugend steht,

Und stets da, wo das Glükke geht:

Der Neid der ist ein Kind der Höllen,

Und suchet die stets anzubellen

Die von dem Himmel sind geschmükt,

Und durch des Höchsten Huld beglükt.

Er trachtet tugendhafte Seelen,

Wie eine Furie zu quälen.

Der erste Neider ist ohn Zweiffel,

Der Menschenfeind der falsche Teufel

Der Eva zu dem Fall gebracht,

Und alle nakt und arm gemacht.

Von Lästern führt er seinen Nahmen;

Die Neider sind sein Schlangen-Saamen,

Die er mit seinen Gift beflekt,

Mit dieser Seuche angestekt;

Sie sind bemüht, sich zu erfreuen,

Jhr Gift auf andre auszuspeien.

Die Laster sind der Tugend Feinde,

Sie streiten wieder die die Freunde

Der Frömmigkeit, im steten Krieg;

Und kämpfen immer um den Sieg.

Der Geiz verfolgt die milde Güte

Die Ehrsucht ein sittsam Gemüthe

Die Wollust greift die feurig an,

Die reiner Keuschheit zugethan.

Die Lüge sumßt um die Geschichte,

Wie eine Wespe an dem Lichte.

Der Zorn bläst seine Feuerflammen,

Geht mit der Sanftmuth auch zusammen,

Der Has und die Versöhnlichkeit,

Sind mit einander stets in Streit.

Die Falschheit hat der Warheit Wesen,

Als ihre Feindin auserlesen,

Mit einem Wort: der Laster Brut,

Die in des einem Herzen ruht

Steht solcher Tugend stets entgegen

Die andre ihr zuwieder hegen.

So wie ein Wolf die Lämmer jager,

Der Fuchs an Vieh von Federn naget,

Der Habicht hintern Vögeln her;

Bey ihren Flug und Wiederkehr:

So sind die Lasterhaften Seelen,

Die sich zu ihren Feind erwählen,

Die Tugend die das Laster höhnt,

Der man als ein Leibeigner fröhnt:

Die andern lassen sie frei gehen,

Die ihnen nicht so wiederstehen.

Der Neid das grimmge Ungeheuer,

Bläßt seiner Wuth entflammtes Feuer:

Auf alle Tugendhafte ein;

Sie mögen mildreich, sittsam seyn.

Ein Neider ist ein Feind von allen,

Denn keiner kan ihm wolgefallen,

Der sich der Tugend treu ergiebt,

Und den der Himmel wieder liebt;

Und wird er gleich mit Macht erhoben,

Will er doch keinen andern loben.

Das ist die Art der wahren Liebe,

Sie wünscht nach ihrem regen Triebe,

Das alles Gute sey gemein:

Der Neid begehret es allein.

Er wünscht in dessen keine Gaben,

Als die, die andere schon haben

Er sieht was andere gethan,

Durchs Glas das nur verkleinert an:

Hingegen weis er seine Sachen,

Durchs Fernglas übergros zu machen.

Er wünscht daß alle Ehrenkronen,

Die das Verdienst allhie belohnen;

Auf seinen Haupt alleine stehn:

Und andere verachtet gehn.

Der Neid beweiset seine Tükke,

Und freut sich ob dem Ungelükke

Das seinen armen Nächsten plagt;

Er lacht wenn der ganz trostlos klagt,

Und wenn die Armen ängstlich weinen,

Kan er dabey ganz munter scheinen.

Er pflegt zwar alles zu beflekken,

Mit seiner Zunge anzustekken,

Was sich der Tugend nur befleißt,

Die bey ihm Schand und Laster heist:

Vornemlich pflegt er zu besprüzzen,

Die durch die Tugend vieles nüzzen;

Die herrlich glänzen in der Welt,

Sind ihm am meisten blos gestellt:

Er ist den Mükken gleich zu schäzzen,

Die sich auf schöne Blumen sezzen.

Der Neid ist lügenhaft im Dichten

Und frech die Unschuld zu vernichten;

Darüber seine Zung entflammt,

Der wird gleich ohnverhört verdammt:

Und wenn sein Gift das aus ihm quillet,

Nicht seinen bösen Zwek erfüllet,

Des andern Nahmen nicht verlezt;

So wird er gar in Wuth gesezt:

Alsdenn sucht er ohn zu erröhten,

Den, den er haßt, wol gar zu tödten.

Die Rachbegierde ist beym Neide,

So wie die falsche Schadenfreude;

Ein Neider stiftets gerne an,

Wenn er nur einen morden kan

Daß Cains Wuth durch Blutvergiessen

Den Todt zur Sünde machen müssen,

Der sonst der Sünden Strafe ist,

Das war des falschen Neides List,

Der ihn so schändlich angetrieben,

Den Mord am Bruder auszuüben.

Ein falscher Wahn muß ihn bethören,

Sein Misvergnügen zu vermehren:

Das Böse das der Neider thut,

Ist stets nach seiner Meinung gut.

Das Gute muß stets Böse heissen

Darum die andern sich befleissen:

Und wenn es seiner Wuth gelingt,

Daß er der Tugend Unglük bringt:

So ist er doch dabey vergnüget,

Wenn er auch selbsten mit erlieget.

So elend sind die Leidenschaften,

Die in des Neiders Seele haften,

Er sucht in Niederträchtigkeit

Die Quelle der Zufriedenheit.

O! wie verblendet sind die Seelen,

Die Schlam und Staub sich auserwählen!

Und darum in den Pfüzzen wühln,

Die heisse Galle abzukühln!

Die sich in Schmuz und Unflat stekken,

Damit sie andre nur beflekken.

Erstikt, erstikt des Neides Triebe,

Und trachtet nach der wahren Liebe

Das Eigenthum der Menschlichkeit!

Der Neider lebt in steten Streit,

Und muß wenn reine Tugend sieget,

Und sich an

Mit inren Harm sich selbst verzehrn,

Und sich mit andrer Lust beschwern:

Und darum ist ohn allen Zweifel,

Der Neid der aller ärmste Teufel.

Wer eines andern Vortheil suchet,

Und keinem dem es wol geht fluchet

Vergnügt sich, wie ein Mensche sol,

Zugleich an eines andern Wol:

Und so geniessen alle beide,

An einen Gute ihre Freude;

So kan man sich die ganze Welt,

Worin viel Gutes vorgestellt,

Und das Vergnügen fremder Sachen,

Durch Liebe ganz zu eigen machen.