Der neue Demagoge

By Wilhelm Müller

Written 1810-01-01 - 1810-01-01

Euch, ihr edlen deutschen Reben,

Sei mein Lied geweiht!

Sing' ein Andrer von den Helden

Dieser lieben Zeit.

Fehlen mir auf ihre Namen

Reime zum Gedicht,

Und zum Ungereimten brauchen

Sie den Dichter nicht.

Hab' mich in dem Geist der Zeiten

Auch einmal berauscht;

Hab' den Rausch nun ausgeschlafen

Und den Trank vertauscht.

Deutsch und frei und stark und lauter

In dem deutschen Land

Ist der Wein allein geblieben

An des Rheines Strand.

Und er läßt die deutsche Tugend,

Läßt den deutschen Muth

Frank und frei im Glase sprudeln,

Und man heißt es gut.

Und er zieht durch Deutschlands Gauen,

Predigt deutschen Geist,

Wenn durch froher Männer Runde

Er im Becher kreist.

Landsmann! grüßt ihn mit Entzücken

Jeder deutsche Mund,

Und er hält in alter Treue

Seinen deutschen Bund.

Frägt nicht nach der Herren Wechsel,

Nach der Seelen Tausch,

Kennt nur eine deutsche Erde,

Einen deutschen Rausch.

Ist der nicht ein Demagoge,

Wer soll einer sein?

Mainz, du heil'ge Bundesfeste,

Sperr' ihn nur nicht ein!