Der Phillis lobspruch. S. D.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

D Du vormals grünes feld!

O ihr büsch und auen!

Mein palast und mein gezelt,

Jtzt ein ödes grauen!

O ihr bäche, die ihr klar

Hinzu rauschen pfleget

Da, wo Pan der Nymphen-schaar

Offtermals verjaget.

Meine Phillis zwingt mich euch

Gute nacht zu geben,

Jhr seyd traurig, tod und bleich.

Sie ist gantz mein leben,

Euch ist durch des herbstes noth

Alle pracht vergangen,

Sie ist weiß und sonnen-roth

Auf den frischen wangen.

Bey euch stürmt es ohne ruh

Und in allen hölen,

Phyllis weht ein theil mir zu

Jhrer edlen seelen;

Bey euch muß ohn unterlaß

Sich die lufft ergiessen,

Sie wird nur von thränen naß

Um die nachtzeit fliessen.

Keine sonne lacht mich an,

Jhr gesicht von fernen

Ist, was mich ergetzen kan,

Trotz den lichten sternen,

Ich kan in der Phillis schooß

Steten frühling spühren,

Bey euch möcht ich nackt und bloß

In der kält erfrieren.

Darum soll nur sie allein

Mir an statt der felder

Und an statt der berge seyn,

Hier sind meine wälder:

Meine blumen sind allhie,

Wo ich ohne leiden

Meine seele spät und früh

Sicher werde weiden.

Kein betrübtes sinnen-weh

Soll mich hie erschrecken,

Jhrer weissen arme schnee

Wird mich treulich decken,

Mein verliebtes hertze soll

Zwischen ihren brüsten,

Als den bügeln, welche voll

Süsser freude, nisten.

Dieses ist mein keyserthum,

Diß sind meine schätze,

Was hat sonst bey mir den ruhm,

Daß es mich ergetze?

Dieses ist das rechte ziel

Meiner müh auf erden:

Was mein hertz gedenckt und will,

Muß mir Phyllis werden.

Zeucht ein kauffmann hin und her

Uber stock und steine,

Durch die klippen, durch das meer,

Durch die wüsten haine,

Was er suchet für und für,

Und ich mag gedencken,

Muß mir meiner Phyllis zier

Reicher vorrath schencken.

Viel erzwingen ihre lust

Auf den wilden kriegen,

Da sie offt in reiff und frost

Unterm himmel liegen;

Unterm himmel darff ich nicht

Reiff und frost ertragen,

Gleichwol giebet mir mein licht,

Warum sie sich plagen.

Die sind über leut und land

Reich an schönen städten,

Diese muß der flüsse rand,

Die das meer anbeten;

Meine Phillis, die mich hält,

Kan mich reicher machen,

Sie ist mir die gantze welt

Bey gar schlechten sachen.

Andre fallen immer hin

Zu des glückes füssen,

Es um ehr, aus eitlem sinn

Freundlich zu begrüssen,

Nun sich meiner Phyllis gunst

An mir hat verliebet,

Ist mir aller ruhm ein dunst,

Den das glücke giebet.

Bey der Phillis hab ich mich,

Weisheit! dir vermählet,

Der hat alles, welcher dich

Klüglich ihm erwehlet,

Du bey meiner Phyllis bist,

Die mich vor den blitzen,

So des glückes eigen ist,

Kräfftig weiß zu schützen.

Phillis! mein gewünschtes guth,

Meine zier und erone!

Du, in derer milch und bluth

Ich am meisten wohne,

Komm, uns will an solchen ort

Venus selber leiten,

Wo uns keines glückes nord

Soll noch kan bestreiten.