Der Phillis lobspruch. S. D.
D Du vormals grünes feld!
O ihr büsch und auen!
Mein palast und mein gezelt,
Jtzt ein ödes grauen!
O ihr bäche, die ihr klar
Hinzu rauschen pfleget
Da, wo Pan der Nymphen-schaar
Offtermals verjaget.
Meine Phillis zwingt mich euch
Gute nacht zu geben,
Jhr seyd traurig, tod und bleich.
Sie ist gantz mein leben,
Euch ist durch des herbstes noth
Alle pracht vergangen,
Sie ist weiß und sonnen-roth
Auf den frischen wangen.
Bey euch stürmt es ohne ruh
Und in allen hölen,
Phyllis weht ein theil mir zu
Jhrer edlen seelen;
Bey euch muß ohn unterlaß
Sich die lufft ergiessen,
Sie wird nur von thränen naß
Um die nachtzeit fliessen.
Keine sonne lacht mich an,
Jhr gesicht von fernen
Ist, was mich ergetzen kan,
Trotz den lichten sternen,
Ich kan in der Phillis schooß
Steten frühling spühren,
Bey euch möcht ich nackt und bloß
In der kält erfrieren.
Darum soll nur sie allein
Mir an statt der felder
Und an statt der berge seyn,
Hier sind meine wälder:
Meine blumen sind allhie,
Wo ich ohne leiden
Meine seele spät und früh
Sicher werde weiden.
Kein betrübtes sinnen-weh
Soll mich hie erschrecken,
Jhrer weissen arme schnee
Wird mich treulich decken,
Mein verliebtes hertze soll
Zwischen ihren brüsten,
Als den bügeln, welche voll
Süsser freude, nisten.
Dieses ist mein keyserthum,
Diß sind meine schätze,
Was hat sonst bey mir den ruhm,
Daß es mich ergetze?
Dieses ist das rechte ziel
Meiner müh auf erden:
Was mein hertz gedenckt und will,
Muß mir Phyllis werden.
Zeucht ein kauffmann hin und her
Uber stock und steine,
Durch die klippen, durch das meer,
Durch die wüsten haine,
Was er suchet für und für,
Und ich mag gedencken,
Muß mir meiner Phyllis zier
Reicher vorrath schencken.
Viel erzwingen ihre lust
Auf den wilden kriegen,
Da sie offt in reiff und frost
Unterm himmel liegen;
Unterm himmel darff ich nicht
Reiff und frost ertragen,
Gleichwol giebet mir mein licht,
Warum sie sich plagen.
Die sind über leut und land
Reich an schönen städten,
Diese muß der flüsse rand,
Die das meer anbeten;
Meine Phillis, die mich hält,
Kan mich reicher machen,
Sie ist mir die gantze welt
Bey gar schlechten sachen.
Andre fallen immer hin
Zu des glückes füssen,
Es um ehr, aus eitlem sinn
Freundlich zu begrüssen,
Nun sich meiner Phyllis gunst
An mir hat verliebet,
Ist mir aller ruhm ein dunst,
Den das glücke giebet.
Bey der Phillis hab ich mich,
Weisheit! dir vermählet,
Der hat alles, welcher dich
Klüglich ihm erwehlet,
Du bey meiner Phyllis bist,
Die mich vor den blitzen,
So des glückes eigen ist,
Kräfftig weiß zu schützen.
Phillis! mein gewünschtes guth,
Meine zier und erone!
Du, in derer milch und bluth
Ich am meisten wohne,
Komm, uns will an solchen ort
Venus selber leiten,
Wo uns keines glückes nord
Soll noch kan bestreiten.