Der Priester der Venus
By Heinrich Wilhelm von Gerstenberg
Written 1780-01-01 - 1780-01-01
Der Greis, der so viel Liebesgötter
In seinem Busen ausgeheckt,
Der sich auf zarte Lotosblätter
So oft bey Libern hingestreckt,
Der frohe Greis, der nie getrauert,
Als wenn vielleicht der Wein verdarb,
Der, von Lyäen selbst bedauert,
An einem Traubenkerne starb:
Vor allen Dienern meines Thrones
Hast du mein Recht am eifrigsten geschützt,
Hast auf die Spötter meines Sohnes
Oft rächrisch, wie ein Zevs, geblitzt.
Empfang den Anfang deines Lohnes:
Mit diesem Kranz weih ich dich ein,
Der Priester meines Reichs zu seyn.
Arglistiger! Untreuer! riefen sie,
Ha! soll man dich also, die Nymphen zu erhaschen,
In Wäldern lauschend überraschen?
Muß man dich darum nur so lange suchen? Wie?
Da spring itzt zu, und hasche sie!
Zwo liefen mit mir fort, so sehr ich bat,
Die dritte jagte mich mit Drohungen und Minen
Und Liljenstengeln hinter ihnen,
Wie Amor einst dem Tejer that.