Der Regen.
Weiser Schöpfer! dein Regieren,
Deine Güt und Wundermacht,
Ist im Regen auch zu spüren,
Den du weislich ausgedacht,
Dadurch alles zu erquikken,
Das in Hizze will erstikken:
Das du aber lechzend tränkst,
Wenn du Thau und Regen schenkst.
Wenn wir Andachtsvoll erwegen,
Wie im Reiche der Natur
Wird gezeugt der feuchte Regen;
So sehn wir der Vorsicht Spur.
In der Kette aller Dinge,
Ist kein Häkgen so geringe,
Es treibt alles mit zum Ziel,
Den der Schöpfer haben wil.
Aus der Erde, aus den Seen,
Ziehen unaufhörlich fort,
Dünste zu den dünnen Höhen
Als zu den Verwahrungs Ort,
Da sie durch den Strahl der Sonnen,
Wie in ein Geweb gesponnen,
Und durch ihr erheitert Glühn,
Wolkicht sich zusammen ziehn.
Diese ausgespannten Schläuche,
Dieses rege Wolken Heer,
Diese aufgequollne Bäuche,
Dieses aufgezogne Meer
Schwebt im Kreis der dünnen Lüfte,
Senkt sich auf so leichte Düfte,
Wird bald hin, bald her gedreht,
Wie der Zug der Winde weht.
Wer hält diese Himmels-Quellen?
Schöpfer! deine Allmachts-Hand
Die ohn alle Ufer schwellen,
Sind durch deine Kraft umspannt:
Es kan sie dein Wink umdämmen,
Und ihr plözlich Fallen hemmen,
Da der Wolken schwere Fluth,
Gar auf keinen Pfeiler ruht.
Kein Verstand kan das ergründen,
Wie der Wolken schwere Last,
Auf den Fittgen leichter Winden
Wie auf Wagen aufgefaßt:
Sieht man die gethürmten Wogen,
So sind sie als wie verflogen
Und in einen Augenblik,
Sind sie wiederum zurük.
Wenn die Luft der Wolken Flüsse
Durch den Druk nicht mehr aufhält;
So entstehen Regen Güsse
Die da tränken Wald und Feld.
Diese Tropfenreiche Fluten,
Können unsern Augenschein,
Spiegel deiner Weisheit seyn.
Wir ersehn dein weises Fügen,
Daß der Regen Tropfen-weis,
Wie aus hohlen Sprengekrügen
Auf allmächtigen Geheis,
Durch die dünnen Lüfte drenget;
So wird alles sanft besprenget,
Und nicht wenn es wird genährt,
Durch den starken Fall beschwert.
Wenn die Wolken sich zertrennten,
Und ein Strom herunter fiel,
Ohne Tropfen abwerts rennten:
So würd dieser Fluth Gewühl,
Alles ja zu Boden schmeissen,
Dünne Saaten niederreissen,
Ja! die Frucht die würd ersäuft,
Und mit Nahrung überhäuft.
Dieses an den zarten Blüthen,
Die in Feld und Garten stehn,
Wunderbarlich zu verhüten,
Hat der weise
Daß von denen Himmels-Zinnen,
Feuchte Regentropfen rinnen
Die zwar häuffig, doch sehr klein,
Nahrhaft, doch sehr dünn und rein.
Wenn der Sonnen feurig Brennen,
Das bepflügte Land bescheint,
Muß es sich in Klösse trennen,
Es zerberstet, wird zersteint,
Und so kan der Schoos der Erden,
Nicht in Seegen fruchtbar werden:
Darum giebt
Und zum Wachsthum frische Kraft.
Schöpfer! deine Wundergüte
Feuchtet stets die Felder an,
Daß ein dankbahres Gemüthe,
Dich nie gnugsam preisen kan,
Aus den Sonnenschein und Regen,
Keimmt hervor der Felder Seegen,
Dadurch wird die Frucht genährt,
Die uns Brodt und Trank beschert.
In dem die so feurgen Blizze
Brennen die entflammte Welt,
Und die schwüle Sommer-Hizze
Sich am heftigsten einstellt,
Zieht sie durch ihr heisses Flammen,
Dünste wiederum zusammen,
Daraus ein Gewölk entsteht,
Das im Regen dann zergeht.
Und kommt dieses Regenwetter,
So wird alles abgekühlt:
Da erfrischen sich die Blätter,
Die der Sonnenstrahl durchwühlt.
Was vorhero welk geschienen,
Fänget wieder an zu grünen,
Und wird, wie man sichtbar merkt,
Durch des Regens Kraft gestärkt.
Wenn die Felder trächtig stehen,
In der aufgegrünnten Flor,
Kan man nicht ohn Lust ansehen,
Wie der Keim sich strekt hervor;
Wenn des Himmels Veste quillet,
Und die Erd mit Saft anfüllet:
Alsdenn wird die Frucht belebt,
Die sich munter aufwerts hebt.
Man empfindet ein Vergnügen,
Wenn man dieses klebricht Naß;
Siehet auf dem Feldern liegen
Wenn es hängt an Laub und Graß:
Da sieht man die Tropfen rinnen,
Die das Urtheil unsrer Sinnen,
Stat der Diamanten schäzt
Womit
Kommt man in die nassen Felder,
Wenn der Regen Frucht und Saat,
Und das Laub der dichten Wälder,
Feuchtet und getränket hat;
So kan man, da alles kühle,
Durch ein schaudrigtes Gefühle,
An sich merken, was vor Kraft,
Regen, Feld und Früchten schaft.
Die Natur ist, wie verjünget,
Wenn in heisser Sommerszeit
Durch die Luft der Regen dringet,
Und den Saft der Fruchtbarkeit.
Welch ein schaudrigtes Vergnügen,
Wenn alsdenn die Düfte fliegen,
Da das Feld im Dampfe raucht,
Und die frische Kraft aushaucht.
Alsdenn wenn die Tropfen rollen,
Durch der Furchen ofnen Mund,
Wird uns, wenn wir hören wollen,
Rauschend
Da zu uns die Regenbächen,
Wie in sanften Murmeln sprechen:
Menschen! merkt, was diese Fluth,
Euch vor grossen Vortheil thut.
Dieser Saft den GOtt geschenket,
Durch der Früchte Halmen steigt;
Nährt euch, der euch speißt und tränket!
Denkt, wie sehr er euch geneigt:
Da sein Allmachts-Wort: Es werde,
Durch die feucht und schwangre Erde,
In dem Reiche der Natur,
Stets erhält die Kreatur.
Laß mich Schöpfer stets erwegen,
Daß du unser Vater seist,
Der mit reichen Nahrungsseegen,
Seine Menschenkinder speißt:
Der da so viel tausend Arten
Vieh, die alle auf ihn warten,
Durch der Wolken Feuchtigkeit,
Wie mit Manna labt, erfreut.
Laß mich aber auch bedenken,
Daß durch Thau und Sonnenschein,
Wie du weißlich weist zu lenken,
Früchte keimen, und gedein:
Wird es denn in meinen Leben,
Viele trübe Wolken geben
Nun! der muß in Thränen sän,
Der da will in Freuden mähn.
Wechselhafte Witterungen,
Sind der Feld-Frucht sehr bequem,
Des Naturreichs Aenderungen,
Sind uns selbsten angenehm:
Aus den Sonnenschein und Regen,
Spriest und wächset unser Segen:
Nässe und ein warmer Strahl,
Nüzzet Wald, Feld, Berg und Thal.
Ebenfals ist uns sehr nüzze,
Wenn das wechselhafte Glük,
Mit den heitren Anmuths Blizze
Sich von uns entfernt zurük.
In den heissen Sonnentagen,
Ist sehr schwer das Glük zu tragen,
Weil es, wenn es uns anlacht,
Oft in Guten träge macht.
Soll das Feld in Seegen blühen;
So muß auch am Firmament,
Wenn der Sonnen feurig Glühen,
In den langen Tagen brennt,
Sich ein Wolkendunst anspinnen,
Und im Regen abwerts rinnen:
Sonsten wird ohn dieses Naß,
Welk das aufgekeimmte Graß.
So muß in dem Reich der Gnaden,
Nach des Glükkes Sonnenschein,
Oft ein Unglük, Schmerz und Schaden
Einem Christen nuzbar seyn.
Soll das Herze Früchte bringen,
Muß es oft in Leiden ringen.
Regen, Schein, und Freud und Leid,
Bringt die beste Erndte-Zeit.