Der Rehe-Bock nebst der Geis und ihren Jungen.

By Barthold Heinrich Brockes

Hier weis wirklich unser Geist sich so bald nicht zu ent- schliessen,

Ob er sehn soll, oder hören. Läßt er seine Blicke schiessen,

Auf die Thiere, die sich regen, auf die Kunst und die Natur,

Die in diesem prächtgen Garten, so durch Farben, als Figur,

Majestätisch sich verbinden; reizt ein angenehmer Schall,

Reizt ein sprudelndes Getös’, in dem weissen Wasserfall,

Durchs Gehör sich zu vergnügen. Ja noch mehr, das laute

Und das schmatzende Getön des geschäfftgen Böckleins hemmt

Jhm, durchs Ohr, noch eine zeitlang dem Gebrauch der frohen

Endlich aber sieht er wieder. Seht, wie sich das Thierchen stremmt

Und mit kurzen Stößen zieht! In der kleinen Schenkel Biegen,

Sieht man eine sanfte Lust. Und ein mütterlichs Vergnügen,

Ein empfindliches Gefühl, in der Geis Zung, Aug und Ohr,

Was ihr Innerstes empfindet, giebt sie äußerlich hervor,

Und man siehet, was sie fühlet. Seht, welch einen ernsten Geist

Der gestreckte Rehe-Bock, der der sanften Ruh geneust,

Welchen muntern seine Zucht, in der raschen Stellung, weist.

Aber seht doch auch dabey, wenn ihr diesen Abdruck sehet,

Wie er, nebst dem schönen Urbild, unsers Schöpfers Macht