Der Rugard. Drittes Lied .
Sich, sieh den königlichen Berg
Gedeckt mit glimmerndem Kristall.
Sieh, der Gewaltige
Streckt die beeis'te Felsenstirn,
Gleich einem hellgeschliffnen Schild,
Gigantisch himmelan.
Rings um die graue Scheitel ballt
Der Wolken düstre Fülle sich.
Auf ihrem Fittig schwebt
Des Frostes Genius daher,
In Eis gepanzert, Bart und Haar
Und Braue schönbereift.
Sein Antlitz ist kometenroth.
Der Scheitel kahle Glatze glänzt
Im blassen Sonnenstrahl.
Es glänzt im blassen Sonnenstrahl
Sein Diadem, sein Panzerhemd
Aus grünem Gletschereis.
O Winter, Winter, Tode schlosst
Dein Odem. Deines Mundes Hauch
Versteinert Land und Meer.
Vor deinem Dräuen stirbt der Wald;
Vor deinem Schelten schweigt das Meer,
Und seine Donner ruhn.
Die Sonne schauet grossgeaugt
Und leichenblass aus schwarzer Nacht,
Und schauert bang zurück.
So blickt noch sterbend aufs Gefild
Voll Schlacht und Tod und Graun ein Held,
Und schliesst sein Aug' und stirbt.
Wie still ist es, wie leichenstill,
O hoher Rugard, rings um dich!
Im ausgestorbnen Hayn,
Am hohlen Ufer schwirrt kein Laut;
Kein Vogel streift; es schweift kein Wild;
Der Leben Pulsschlag starrt.
Doch plötzlich dumpf erdonnernd kracht
Das meilenlang gespaltne Meer.
In dickem Brodem brau'n
Sich schwere Wetter. Horch, wie gährt,
Wie saust es in dem schwarzen Schwall!
Des Sturmes Kraft erwacht.
Das Wetter wälzt sich schwer daher.
Wildprasselnd fällt es; prasselnd braust
Der Schlossen Schwall herab.
Es schwinden Erde, Luft und Meer.
Das Weltall schwindet; alte Nacht
Und ödes Chaos herrscht.