Der Rugard. Drittes Lied .

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Sich, sieh den königlichen Berg

Gedeckt mit glimmerndem Kristall.

Sieh, der Gewaltige

Streckt die beeis'te Felsenstirn,

Gleich einem hellgeschliffnen Schild,

Gigantisch himmelan.

Rings um die graue Scheitel ballt

Der Wolken düstre Fülle sich.

Auf ihrem Fittig schwebt

Des Frostes Genius daher,

In Eis gepanzert, Bart und Haar

Und Braue schönbereift.

Sein Antlitz ist kometenroth.

Der Scheitel kahle Glatze glänzt

Im blassen Sonnenstrahl.

Es glänzt im blassen Sonnenstrahl

Sein Diadem, sein Panzerhemd

Aus grünem Gletschereis.

O Winter, Winter, Tode schlosst

Dein Odem. Deines Mundes Hauch

Versteinert Land und Meer.

Vor deinem Dräuen stirbt der Wald;

Vor deinem Schelten schweigt das Meer,

Und seine Donner ruhn.

Die Sonne schauet grossgeaugt

Und leichenblass aus schwarzer Nacht,

Und schauert bang zurück.

So blickt noch sterbend aufs Gefild

Voll Schlacht und Tod und Graun ein Held,

Und schliesst sein Aug' und stirbt.

Wie still ist es, wie leichenstill,

O hoher Rugard, rings um dich!

Im ausgestorbnen Hayn,

Am hohlen Ufer schwirrt kein Laut;

Kein Vogel streift; es schweift kein Wild;

Der Leben Pulsschlag starrt.

Doch plötzlich dumpf erdonnernd kracht

Das meilenlang gespaltne Meer.

In dickem Brodem brau'n

Sich schwere Wetter. Horch, wie gährt,

Wie saust es in dem schwarzen Schwall!

Des Sturmes Kraft erwacht.

Das Wetter wälzt sich schwer daher.

Wildprasselnd fällt es; prasselnd braust

Der Schlossen Schwall herab.

Es schwinden Erde, Luft und Meer.

Das Weltall schwindet; alte Nacht

Und ödes Chaos herrscht.