Der sanffte Tod Fr. S. H. g. K. den 1. Decembr. 1680.
Auch Freundin du gehst hin in den betrübten Zeiten
Da über unserm Kopf nichts als Cometen stehn
Da uns die Pest-Gefahr tritt näher an der Seiten
Und niemand von uns weiß wie es wird künftig gehn?
Da sag’ ich gehst du hin. Wohin? In deine Kammer.
Daß dich nichts irren kan schleust du die Thüre zu.
Ach wie viel Hertzeleyd ach wie viel Noth und Jammer!
Wirstu hinfort nicht sehn in deiner sichren Ruh.
Wie nenn’ ich deinen Tod? Ist es ein süsses Schlaffen?
Ja weil dich gar gewiß der Friede GOttes deckt.
Es ist ein Hingang nur aus Marter und aus Straffen
Womit des HErren Zorn die rohe Welt erschreckt.
Du bist nun auff dem Paß der wahren Ewigkeiten
Kömmst von der Pilgramschafft ins rechte Vaterland.
Du trägst die Krone weg von deinem Kampff und Streiten
Und was du hier geglaubt hastu nun recht erkant.
Jtzt bistu auffgelöst da du vor angebunden
Wie schwere Ketten sind doch unser Fleisch und Blut!
Nach Salsen dieser Welt hastu das Manna funden
Ein reiches Freuden-Meer fast deine Thränen Fluth.
Du schwebst in Glantz und Licht wir aber nur im Schatten;
Bist frey da wir noch hier gleich Sclaven eingespannt.
Jtzt kan dich ferner nicht der Kranckheit Weh abmatten
Nun auch der letzte Feind der Tod ist übermannt.
Dein Sieg ist schön und groß. Hier hieß; noch Angst noch Leiden
Noch Trübsal noch Gewalt noch Leben oder Tod
Soll mich von GOttes Lieb’ und meinem Heiland scheiden
Es geh’ auch wie es will in meiner letzten Noth.
Dein Ruffen ward erhört verblichene Matrone
Der HErr verbarg darauff nicht länger sein Gesicht.
Nahm dich als wie im Schlaf zu seinem Gnaden-Throne
So daß man kaum gesehn vergehn dein Lebens-Licht.
Du sanckst als wie die Sonn in ihren Abend-Strahlen
Den höchsten Purpur weist und segnet so die Welt:
So muste dich zu letzt das Gold des Glaubens mahlen
Und deine Hoffnung hat mehr die Gedult erhält.
Lobt man denjenigen der auff dem Schauplatz stehet
Und mit Vergnügen hat der Menschen Aug’ ergetzt
Wie vielmehr hat der Ruhm der so von hinnen gehet
Und aus der Eitelkeit den Fuß großmüthig setzt?
Es wünscht ein Julius zwar ein geschwindes Sterben
Möcenas aber will gerädert lebend seyn;
Was ist hier der Endscheld? Sind Christen Himmel-Erben
So geht jedweden Tod ein Christ auch willig ein.
Bevor wenn die Natur hat ihren Lauff vollendet
Das Alter an sich selbst des Sterbens Vorboth ist
Die Kräfften sind erschöpfft das Stunden-Glaß gewendet
Und man für Schwachheit kaum den eignen Schatten mißt.
Denn ist der Tod nicht mehr das Schreckliche von allen
Wie ihn der Heyden Wahn und Aberwitz genannt;
Er ist ein lieber Gast der muß dem Wirth gefallen
Ein Herold der zu uns von hoher Macht gesandt.
So heist Eulalia ihn tausendmahl willkommen
Und Agnes nennet ihn in höchsten Martern Freund;
So hat die erste Kirch ihn sreudig angenommen
Je schärffer der Tyrann und Hencker es gemeynt.
Verfluchten sey er greß’ und heßlich anzuschauen
Den Frommen bleibet er der herrlichste Gewinn.
Der Hafen sichrer Ruh dem sie sich anvertrauen
So bald sie aus der Welt nach GOttes Willen ziehn.
Diß war dein einzig Wunsch ach Freundin seelig sterben
Und aus dem Dränger-Stall der bösen Welt zu gehn;
Da alle Krafft entwich da die Gebeine Scherben
Sah man dein Glaubens-Licht doch unverloschen stehn.
Da kan alsdenn der Tod nicht schwer und bitter heissen
Ein frommes Leben krönt auch ein gewünschtes End.
Und ein Triumpff-Lied folgt auff Heulen und auff Kreissen
Der trägt den Preiß darvon der frisch zum Ziele rennt.
Rom wünschte noch zu letzt den abgelebten Leichen
Daß nur die Erde sanfft der Sand geruhig sey;
Was aber sollen dir die Deinigen doch reichen
Was fügt die Schuldigkeit Erblaste noch dabey?
Wie du im Leben GOtt andächtig hast gehöret
Und an des HErren Wort stets deine Lust gehabt
Wie du mit Tugenden dein Christenthum vermehret
Mit seltner Frömmigkeit und Redlichkeit begabt;
So hat hinwider GOtt mit Segen aus der Höhe
Dich gleich dem fruchtbar’n Thau an Seel und Leib erquickt.
Ein irdisch Paradieß hieß deine Ruh der Ehe
Biß das getreue Band des Todes Grimm zerstückt.
Wie hastu dich erfreut an deines Blutes Schätzen
Der Söhne Witz und Muth der Töchter keuscher Zucht?
Jhr Wohl seyn und ihr Glück war’ eintzig dein Ergetzen
Nichts hastu auff der Welt so wie ihr Heil gesucht.
Was hat der Enckel Schaar für Trost dir nicht erwecket?
Jhr Anblick stillte mehr als Pflaster Schmertz und Pein
Und kan ihr Antlitz nun da dich die Erde decket
Ohn bleiche Kümmernüß das Aug ohn Thränen seyn?
Ach nein! sie ehren noch die Handvoll Staub und Erden
Und schütten umb dein Grab die nasse Wehmuth aus
Sie klagen daß nichts mehr dem Schmertz zu theile werde
Als daß die Leiche sie bestreu’n mit Asch’ und Graus.
Es stirbt die Mutter-Treu doch nicht in ihrer Seele
Es blüht dein Tugend-Ruhm in unentsuncknem Glantz
Du ruhst in ihrem Hertz nicht in des Grabes Höle
Und trägst von deinem Kampff der Ewigkeiten Krantz.
Zeit Alter Noth und Tod trittstu nunmehr mit Füssen
Und stellst der Sterblichkeit ein schön Exempel dar;
Wie recht zu leben sey wie seelig sey zu schliessen
Wie die gewiss’ste Ruh auf einer schwartzen Bahr’.
Ach Freundin gute Nacht! Wie sicher wirstu schlaffen
Wie frölich wirstu dort im HErren auferstehn.
Da wir bey tausend Angst bey Pestgefahr und Waffen
Fast jeden Schritt und Tritt zu unsrem Grabe gehn