Der sanffte Tod Fr. S. H. g. K. den 1. Decembr. 1680.

By Heinrich Mühlpfort

Auch Freundin du gehst hin in den betrübten Zeiten

Da über unserm Kopf nichts als Cometen stehn

Da uns die Pest-Gefahr tritt näher an der Seiten

Und niemand von uns weiß wie es wird künftig gehn?

Da sag’ ich gehst du hin. Wohin? In deine Kammer.

Daß dich nichts irren kan schleust du die Thüre zu.

Ach wie viel Hertzeleyd ach wie viel Noth und Jammer!

Wirstu hinfort nicht sehn in deiner sichren Ruh.

Wie nenn’ ich deinen Tod? Ist es ein süsses Schlaffen?

Ja weil dich gar gewiß der Friede GOttes deckt.

Es ist ein Hingang nur aus Marter und aus Straffen

Womit des HErren Zorn die rohe Welt erschreckt.

Du bist nun auff dem Paß der wahren Ewigkeiten

Kömmst von der Pilgramschafft ins rechte Vaterland.

Du trägst die Krone weg von deinem Kampff und Streiten

Und was du hier geglaubt hastu nun recht erkant.

Jtzt bistu auffgelöst da du vor angebunden

Wie schwere Ketten sind doch unser Fleisch und Blut!

Nach Salsen dieser Welt hastu das Manna funden

Ein reiches Freuden-Meer fast deine Thränen Fluth.

Du schwebst in Glantz und Licht wir aber nur im Schatten;

Bist frey da wir noch hier gleich Sclaven eingespannt.

Jtzt kan dich ferner nicht der Kranckheit Weh abmatten

Nun auch der letzte Feind der Tod ist übermannt.

Dein Sieg ist schön und groß. Hier hieß; noch Angst noch Leiden

Noch Trübsal noch Gewalt noch Leben oder Tod

Soll mich von GOttes Lieb’ und meinem Heiland scheiden

Es geh’ auch wie es will in meiner letzten Noth.

Dein Ruffen ward erhört verblichene Matrone

Der HErr verbarg darauff nicht länger sein Gesicht.

Nahm dich als wie im Schlaf zu seinem Gnaden-Throne

So daß man kaum gesehn vergehn dein Lebens-Licht.

Du sanckst als wie die Sonn in ihren Abend-Strahlen

Den höchsten Purpur weist und segnet so die Welt:

So muste dich zu letzt das Gold des Glaubens mahlen

Und deine Hoffnung hat mehr die Gedult erhält.

Lobt man denjenigen der auff dem Schauplatz stehet

Und mit Vergnügen hat der Menschen Aug’ ergetzt

Wie vielmehr hat der Ruhm der so von hinnen gehet

Und aus der Eitelkeit den Fuß großmüthig setzt?

Es wünscht ein Julius zwar ein geschwindes Sterben

Möcenas aber will gerädert lebend seyn;

Was ist hier der Endscheld? Sind Christen Himmel-Erben

So geht jedweden Tod ein Christ auch willig ein.

Bevor wenn die Natur hat ihren Lauff vollendet

Das Alter an sich selbst des Sterbens Vorboth ist

Die Kräfften sind erschöpfft das Stunden-Glaß gewendet

Und man für Schwachheit kaum den eignen Schatten mißt.

Denn ist der Tod nicht mehr das Schreckliche von allen

Wie ihn der Heyden Wahn und Aberwitz genannt;

Er ist ein lieber Gast der muß dem Wirth gefallen

Ein Herold der zu uns von hoher Macht gesandt.

So heist Eulalia ihn tausendmahl willkommen

Und Agnes nennet ihn in höchsten Martern Freund;

So hat die erste Kirch ihn sreudig angenommen

Je schärffer der Tyrann und Hencker es gemeynt.

Verfluchten sey er greß’ und heßlich anzuschauen

Den Frommen bleibet er der herrlichste Gewinn.

Der Hafen sichrer Ruh dem sie sich anvertrauen

So bald sie aus der Welt nach GOttes Willen ziehn.

Diß war dein einzig Wunsch ach Freundin seelig sterben

Und aus dem Dränger-Stall der bösen Welt zu gehn;

Da alle Krafft entwich da die Gebeine Scherben

Sah man dein Glaubens-Licht doch unverloschen stehn.

Da kan alsdenn der Tod nicht schwer und bitter heissen

Ein frommes Leben krönt auch ein gewünschtes End.

Und ein Triumpff-Lied folgt auff Heulen und auff Kreissen

Der trägt den Preiß darvon der frisch zum Ziele rennt.

Rom wünschte noch zu letzt den abgelebten Leichen

Daß nur die Erde sanfft der Sand geruhig sey;

Was aber sollen dir die Deinigen doch reichen

Was fügt die Schuldigkeit Erblaste noch dabey?

Wie du im Leben GOtt andächtig hast gehöret

Und an des HErren Wort stets deine Lust gehabt

Wie du mit Tugenden dein Christenthum vermehret

Mit seltner Frömmigkeit und Redlichkeit begabt;

So hat hinwider GOtt mit Segen aus der Höhe

Dich gleich dem fruchtbar’n Thau an Seel und Leib erquickt.

Ein irdisch Paradieß hieß deine Ruh der Ehe

Biß das getreue Band des Todes Grimm zerstückt.

Wie hastu dich erfreut an deines Blutes Schätzen

Der Söhne Witz und Muth der Töchter keuscher Zucht?

Jhr Wohl seyn und ihr Glück war’ eintzig dein Ergetzen

Nichts hastu auff der Welt so wie ihr Heil gesucht.

Was hat der Enckel Schaar für Trost dir nicht erwecket?

Jhr Anblick stillte mehr als Pflaster Schmertz und Pein

Und kan ihr Antlitz nun da dich die Erde decket

Ohn bleiche Kümmernüß das Aug ohn Thränen seyn?

Ach nein! sie ehren noch die Handvoll Staub und Erden

Und schütten umb dein Grab die nasse Wehmuth aus

Sie klagen daß nichts mehr dem Schmertz zu theile werde

Als daß die Leiche sie bestreu’n mit Asch’ und Graus.

Es stirbt die Mutter-Treu doch nicht in ihrer Seele

Es blüht dein Tugend-Ruhm in unentsuncknem Glantz

Du ruhst in ihrem Hertz nicht in des Grabes Höle

Und trägst von deinem Kampff der Ewigkeiten Krantz.

Zeit Alter Noth und Tod trittstu nunmehr mit Füssen

Und stellst der Sterblichkeit ein schön Exempel dar;

Wie recht zu leben sey wie seelig sey zu schliessen

Wie die gewiss’ste Ruh auf einer schwartzen Bahr’.

Ach Freundin gute Nacht! Wie sicher wirstu schlaffen

Wie frölich wirstu dort im HErren auferstehn.

Da wir bey tausend Angst bey Pestgefahr und Waffen

Fast jeden Schritt und Tritt zu unsrem Grabe gehn