Der Schnee.

By Johann Justus Ebeling

Die Wunder der verschloßnen Luft,

Sind theils bekandt, theils noch ver-

Wir sehen wenn die düstre Kluft,

Der Wolken dünn Geweb zerbrochen;

So wird die Welt zur Winterszeit,

Mit Schnee, als Wolle überstreut

Aus dessen haarigt dünnen Spizzen,

Die Schimmerreichen Strahlen blizzen.

Wie wird der Schnee alda formirt,

In

So wollen wir, wie sichs gebührt,

Das Kenntnis eures Witzes preisen.

Jhr scharffen Forscher der Natur,

Durchdringt der Lüffte dunkle Spur,

Sagt an, wie wird der Dunst gebohren,

Der durch die Kälte ist gefroren.

Der Schnee kömt aus dem Wolkenschlauch,

Dies können wir als wahr begreiffen,

Jhr lehrt daß durch der Winde Hauch,

Die Dünste sich zusammen häuffen.

Die Luft die ihren Auffenthalt,

In ienen Kreisen hat, ist kalt,

Und kan, wie leichtlich auszufinden,

Die Teilchens an einander binden.

Allein erklärt uns wie der Schnee,

Der aus dem Lufftkreis abwerts flieget,

Sich in der kalten Himmels Höh,

So wunderbar zusammen füget.

Woher entstehet die Gestalt

In ienem düstern Auffenthalt;

Wer macht die Flokken in der Ferne

So ekkigt, wie formirte Sterne?

Die Weisen die den Stagirit,

Zu ihren blinden Führer wählen,

Die sehen, was kein Mensche sieht,

Wenn sie uns ihren Wahn erzählen.

Sie meinen, die

Das Unding welches alles schafft,

Das wir nicht klar begreiffen können,

Sei hier die Ursach auch zu nennen.

Ein andrer prahlt mit der Jdee,

Die durch ihr wunderbar Formiren,

Der Lüffte Schaum, den kalten Schnee,

Mit solcher Bildung könne zieren.

Fragt nicht aus Witz und Neubegier:

Was stellt sich dieser Weise für

An den Jdeen? bei dem Erklären,

Wird er euch neue Räthfel lehren.

Die, welche unsers Schöpfers Siz,

Den ausgespannten Raum ergründet;

Und deren wollgeschärfter Witz

In dunklen Tieffen Klarheit findet,

Erwählen eine andre Art,

Wie sich des Schnees Dunst verpaart:

Sie meinen, daß der Dünste Schwingen,

Die steif, sich an einander hingen.

Wenn sich der Lüffte Kreis bewegt,

Der voll von kleinen Theilen schwimmet,

Ein Dunst sich zu dem andern schlägt,

Darin noch etwas Wärme glimmet:

So wird wenn eins zum andern fliegt,

Ein ieder Dunst gekrümmt, gebiegt,

Da sie sich drauf geschwind vereinen,

Als runde Wassertropfen scheinen.

Hingegen wenn die Lufft erfrorn,

So hätten auch die Wasser Dünste,

Bewegung und die Wärm verlohrn,

Und so entstünde ein Gespinste,

Das starr sich an einander hengt,

Wie Flokken drauf zusammen drengt;

Und durch den Trieb von regen Winden,

Entstünde nachmahls ihr Verbinden.

Nachdem der Druk den Schnee regiert,

Wenn Dünste an einander stehen,

Würd nachmahls die Gestalt formirt,

Die wir bei seinem Fallen sehen.

So künstlich dieses ausgedacht,

Wie in der Lufft der Schnee gemacht:

So müssen sie doch eingestehen,

Daß es kein Auge klar gesehen.

Die Zeugung bleibet unbekandt,

Die Werkstat bleibet uns verschlossen;

Wo in der Lüffte weiten Land,

Dies weisse Dunstgewächs entsprossen.

Der

Den Erdenball mit Schnee bestreut,

Kan ihn in denen Lufftgefilden,

Ganz anders, als wir denken, bilden.