Der Seelen Sieg-Gepränge Bey Fr. B. L. g. S. den 23. Mertz 1664. ge- schehener B...

By Heinrich Mühlpfort

Glück zu! Erlauchte Seel' in diesem Hoheits-Stande!

Dein herrlich Sieggepräng’ entzündet unsern Geist

Daß er mit gleicher Lust die Welt vergänglich heist

Und deine Kronen lieb’t hast aber seine Bande

Die Freyheit kleidet dich mit weissen Lilgen an

Die weder Noth noch Tod hinfort verwüsten kan.

Der Leib lieg’t hier entseel’t ein’ außgedorrte Schaale

Die Fessel sind zermalmt so dich so hart bestrick’t

Das mürbe Wohnhaus ist biß auf den Grund zerstück’t

Du prangest unverletz’t im güldnen Sternen-Saale

In GOtt verklärte Seel diß Zimmer ist mehr schön

Als diß wo Schmertzen nur des Lebens Hencker geh’n.

Doch müssen wir zuvor die Folterbanck betrachten

Die dich im Fleisch und Blut erbärmlich hat geklämt

Die Thränen die die Bach der Augen überschwämt

Die Angst in der das Hertz’ unendlich muste schmachten

Bezeugen wie der Leib gantz ausgemergelt lag

Wie sehnlich du gewünsch’t den süssen Lösungs-Tag.

Bey solches Alters Last bey so verlebten Jahren

Bey so verkehrter Zeit da Türck’ und Teufel raast

Als abgesagter Freund nach unsrem Kopff uns graast

Bestand der Hoffnung Schluß von hinnen weg zu fahren:

Die Lippen wurden stum das Auge sanck in Nacht

Die Beine streckten sich noch Puls noch Ader wacht.

Man hörte weiter nichts als ein bedrängtes röcheln

Und wie du mit dem Tod unüberwindlich schlägst

Wie du bißweilen noch das matte Hertz bewegst

Und wilst der müden Lung’ ein wenig Luft zufächeln

Biß dich des Höchsten Hand aus solchem Kercker führt

Und deine Tapfferkeit mit Sieges-Palmen ziert.

Jtzt wirstu erst belehr’t was wir im Busen tragen

Ob gleich der Jugend Mäy aus allen Gliedern lacht

Ob sich das Angesicht zu Ros’ und Lilgen macht

So werden Würmer doch den schönsten Schmuck benagen

Die Kräffte schwächen sich die Weißheit lig’t entsin’t

Wo nicht der Mensch sein Ziel auf etwas bessers gründt.

Ein Sammelplatz der Noth ist ein verlängtes Leben

Die besten Schätze sind Pest Seuche Kranckheit Gifft

Und wer gleich bey Charybd glückseelig weggeschifft

Muß doch bey Scyllens Schlund den Zoll dem Tode geben

Die Kost der Sterblikeit ist ein Sardinisch Gras

Das lachend tödten kan und lebend macht zum Aas.

Jedwede Stunde träg’t doch was von uns zu grabe

Und wenn das Alter schon auf hohen Staffeln steh’t

So folg’t daß es behend drauf in die Kindheit geh’t.

Ein hochbejahrter Greiß scheint wie ein junger Knabe

Vergist was er geredt verkent was er gesehn

(ach Bild der Eitelkeit!) und weiß nicht was gescheh’n.

Gewiß befreyte Seel’ in solchen deinem Hause

War Jammer stets zu Gast und Elend saß zu Tisch

Das Sichen lag zu Bett’ und machte sich doch frisch

Wenn gleich der Glieder Bau verfiel in seinem Grause

Noch hastu Weibliche mit Männer-Muth gekämpf’t

Den Feind der schrecken wolt’ aufs hurtigste gedämpft.

Du läst auch bey der Welt ein ehrliches Gerüchte

Das Kleinod das man mehr als Gold und Perlen acht

Der gantze Lebens-Lauf ist rühmlich zugebracht

Und schweb’t gemeiner Stadt noch gleichsam im Gesichte

Nur weil kein irdisch Wort auf itzt dir mehr belieb’t

So laß die Freuden sehn die dir dein Schöpfer gieb’t.

Wie? blendet das Gesicht ein Straal beflammter Blitze?

Wer schleust denn unser Ohr und bindet Zung und Mund?

Wird keinem sterblichen die Lust deß Himmels kund?

Und ist hier die Vernunfft sambt ihrem Wahn nichts nütze?

Nein; wer kan Sonnen sehn bey tieffer Mitternacht

Hier hat der Glaube zwar die Bahn uns schon gemacht.

Du siehst den Klos der Welt zu deinen Füssen liegen

Mit

Mond’ Sonn und Sternen gehn wie dieser Schauplatz hier

Fast täglich wechselt ab mit notherfüllten Kriegen

Wie Hoffnung und Begier von keinem Schrancken weis

Und unser Hände Werck bautauff gebrechlich Eis.

Nun ist Jerusalem zu deiner Wohnstat worden

Wo Fried und Einigkeit der Thore Wächter seyn.

Indem uns Geitzigen die Erde wird zu klein

Und jedes Raserey besteh’t auf Raub und Morden

Daß auch die weite See des Krieges Gluth nicht lescht

Indem man Cron und Thron mit nichts als Blute wäscht.

Der Morgen pocht auff Stahl den Abend schwärtzen Leichẽ

Dein ungekränckte Ruh weis keinen Zufall nicht

Du wohnst o Seelige in einem solchen Licht

Das aller Wetter Brunst nicht mächtig zu bestreichen

Du bist nunmehr verklärt der Diamanten Schein

Wird vor so hellem Licht nur schwartz und tunckel seyn.

Ach angenehmster Gast in neuen Himmels-Zimmern!

Wo Jaspis und Saphier die reinen Wände deck’t

Wo mit Rubinen sich der Boden übersteckt!

Und das Gewölbe muß von Chrysoliten schimmern

Wo ewig Sonnenschein und nie kein Tag entsteh’t

Wo noch die

Gedenck’stu einst zurück bey so viel tausend Freuden

Wann dich des Lebens Brod gantz überschwenglich speist

Wann dir der Brunn des Heils sein klares Silber geust

An unsre Sterbligkeit und Kummer-reiches Leiden;

Wenn dich der Engel Stimm und Lobgesang erquick’t

So fürchten wir den Feind der schon die Sebel zückt.

Des Friedens Oelbaum blüh’t im Vorhoff der Gemächer

Und deinen Wohnpallast beschütz’t der Engel Wacht

Wenn über unserm Kopff der Stücke Donner kracht

Und uns das prasseln schreck’t der starcken Mauerbrecher

Du hörst den Lauten-Klang wir der Trompeten Schall

Dein Ehr’ ist unumbschrenck’t uns bleibet Sturtz und Fall.

Dich hieß der Cherubim und Seraphim willkommen

Als eine Bürgerin des Himmels ja wol Braut

Die GOtt von Angesicht zu Angesichte schau’t

Wir ruffen dir Glück zu daß du bist auffgenommen.

&q;Und wissen das solch Schmuck die jenen Sieger ziert

&q;So Leben Zeit und Tod wie im Triumpf geführt.