Der Seidenwürmer künstliche Be- schaffenheit und Arbeit.
Unter denen Wunderdsachen, die uns das Naturreich lehrt,
Wil ich nunmehr noch besingen, weil
Was man an dem Seidenwurm und an
Als bemerkenswürdig sieht, unsern Schöpfer zu er-
Gebet mir ihr holden Triebe! Lust und Krafft zum
Denn der Vorwurf den ich wähle, überzeugt uns
Von des Schöpfers Herrligkeit, der ein Würmgen
Worin solche Kunst gesenkt. Lasset uns zuerst an-
Von dem Ursprung wie die Würmer, daran wir viel
Aus der Raupen kleinen Eyern, durch die Vorsehung
Diese Thiere legen sie auf die breiten Maulbeerbäu-
Und bekleistern jedes Ey auf die Blätter fest mit Lei-
Alsdenn liegen sie im Winter, ohne Schaden bei
Derer stürmerischen Winde; und die Jungen krie-
Wenn der Maulbeerbaum ausschlägt; da zerbrechen
Wenn das aufgegrünte Laub, ihre Nahrung ist vor-
Täglich werden sie vergrössert durch den eingesognen
Durch der Lüffte reine Züge, und durch die verborgne
Die in die Natur gelegt. Wer kan hie nicht schon
Wie sich auf die Würmer auch das verborgene
Einer weisen Macht erstrekket. Wenn der Wurm
Glänzet er gleichsam von Schwärze, bei dem hel-
Doch nach einer kurzen Zeit, ist er gleichsam abge-
Seine Farbe scheint uns so, daß sie weisser Asche
Nachdem wird sein Kleid ganz garstig, wikkelt sich
Bald ist er ganz neu gekleidet und ist nach dem Au-
Groß und weisser anzusehn, und mit grün ganz aus-
Welche Farbe durch das Weiß in recht sanffter
Nach der Zeit von wenig Tagen lässet er von Fres-
Und liegt wie im tieffen Schlaffe, als in einem Tod-
Drauf erwacht er, fänget an sich zu krümmen und
Da wir wiederum an ihm eine Haut voll Runzeln
Er streifft sich zum zweiten mahle ab, die ganz
Wirfft sie mit den Fuß zur Seite, und wird gleich-
Als wär es ein andres Thier. Es fängt wieder an
Und sich durch das Maulbeerlaub wiederum recht zu
Aber ehe man es meinet, ist es wiederum vor-
Jhn befällt der vorge Schlummer, und die Schlaf-
Und wenn die zum Ende geht, wird er wiederum
Indem er die Haut abstreifft und zum dritten mahl
Wie vorhero ist geschehen. Er frißt wieder gierig
Bis er endlich alles müde und sich einen stillen
Wie Einsiedler auferbaut, und sich einen Faden we-
Worin er sich wunderbahr als Lebendig doch ver-
Wer die Wandelung bedenket, die an diesem Wurm
Und mit Achtsamkeit erforschet, wie er seine Faden
Der erstaunt ob aller Kunst, die darinnen zu be-
Und erkennt des Schöpfers Größ auch an diesen
Doch eh wir dies recht betrachten, wie die Faden
Laßt uns erst den Bau der Glieder an dem Seiden-
Er besteht nach Raupen Art, aus beweglichen Ge-
Die sich wie die Ringelein ineinander künstlich
Seine Füsse sind mit Klauen allenthalben woll ver-
Die er kan ganz schnell bewegen, daß sie gleich zu-
Wenn er sich wo halten wil. Er hat eine Hirnen-
Die sein feucht Gehirn bedekt, welche einem Sprüz
Gleich, und mit den Rükgelenken fest vereint den
Und die zähen Feuchtigkeiten durch den ganzen Kör-
In dem Munde sind zwei Reihn von den Zähnen die
Daß sie, wenn er sie bewegt, zu der linken Seite ge-
Diese dienen ihm die Blätter zu zerschneiden die sehr
Die sie an der Seit anfassen, und fast einer Sche-
Von einander drauf zertheiln. Wenn wir ferner
Und durch ein Vergrössrungs Glas vor die giergen
So kan man recht deutlich sehen, wie in ihm das
Und wie sich auch das Geblüte und der Safft bei ihm
Der nach seinem Kreislauf geht. Von dem Kopf,
Bis zum Schwanz ist eine Sehn oder Saite aus-
Die mit einem Mark gefüllet; das fast wie Gehirn
Diese die sich durch den Körper nach der Länge ganz
Schliest an sich die Lung, das Herz. Dieses Herz
Die so lang ist als der Wurm, wie uns alle Forscher
Die dasselbe untersuchet. Es sind viele Kämmer-
In dem Herz die breit und enge, nachdem sie gestel-
Sehen wir die Lunge an; so gleicht sie fast einer
Die gedoppelt und aussieht, als wenn sie viel Knöpfe
Die vor denen Löchern liegen, dadurch sich die Lufft
Die die Lunge paustend machet und den Saft zum
Zwischen dieser Lung und Herz sind die zarten Darm-
Die mit einem Darm umstrikt, worin eine zähe
Die dem flüßgen Harze gleichet, daraus wird das
Das man als ein Kunstgewebe um den Seidenwurm
Doch eh wir ihn Weben sehn, müssen wir annoch
Was die weise Vorsehung ihn noch wollen mehr
Er trägt unter seinem Maule ein noch wunderbahres
Darin man zwo Löcher findet, dadurch er die Fa-
Es gleicht einem Instrument, das man kan bei de-
Die den zarten Silberdraht in durchbohrten Bleche
Durch die Löcher wird gesprüzzet von der zähen
Daraus er die Faden spinnet, und sich macht sein
Darin er sich wikkeln wil. Fänget er nun an zu
So pflegt er die Tröpfelein an dem Orte fest zu kle-
Welchen er dazu ersehen. Kaum sind diese Faden
Welch er durch die Löcher ziehet, und wie Harz
So läst er sich dran herab, da sie sich denn zart ver-
Und wie ein gewirkter Draht durch die zähe Löcher
In demselben Augenblikke wird die Feuchtigkeit er-
Und des Harzes flüßig Wesen wie ein Faden dicht
So daß er sich ohn Gefahr kan an selben sicher hän-
Ohne daß er reissen wird. Diese Faden zu vermen-
Und in einem zu verbinden, drükt er mit den Fördern-
Sie gleich beide in einander, woraus einer kommen
Kommt die Zeu denn nun herdei, da er sich wil
So giebt er uns manche Lust und Vergnügen vor
Wenn man sieht wie er die Klauen künstlich braucht,
Und sie aneinander pichet, die zu seinem Zelt be-
Ist die Anstalt nun gemacht; so verknüpft er in dem
Solche Faden die aus ihm wie ein dünnes Harz fort-
Und er webt sich ein Gezelte, das wie grobes Zeug
Wie ein wollichtes Gewebe, das er um sich her ge-
Dieses Nez dient ihm zum Schuz wieder freie Luft
Weil sie auch gemeiniglich auf dem Baum zu woh-
Ist die äusre Dekke fertig; spannet er sich enger
Fähret in die Höh, zur Seite, Kreuzweis mit den
Ziehet sich stets in die eng, und bespannet sich mit
Da ist er in kurzer Zeit, ganz verhüllt in seinem
Alsdenn kann man nicht mehr sehen, was er thut,
Jedoch steht es zu errahten, daß er aus dem Harz
Sich noch eine Dekke macht; weil wir sie ganz deut-
Wenn wir den gewebten Kneul achtsam aus einan-
Diese dreifach zarte Dekken dienen ihm zum Aufent-
Als die erste vor dem Regen, und die feine wenn es
Und die Luft recht frostig zieht: und die dritte von
Die mit Harz bestrichen ist, kann ihm vor dem Frost
Darin liegt er als in Schalen, bis er zu dem Püp-
Und die vierte Haut ableget, womit er vorher ge-
Dieses Püpgen wandelt sich, wird wie die Erfah-
Da es Hörner, Flügel, Füß dehnet in ein Thier ver-
Welches man Zweifalter nennt; und wenn es im
Uns durch seine bunten Flügel, bei dem Sonnenschein
Dieses Thierchen suchet nun aus dem Nezze auszu-
Und durch Leitung der Natur, muß ihm auch der
Es stekt in der festen Dütte, in dem dichten Aufent-
Die gleich denen Tauben Eyern ist geformet und ge-
An dem einen End gespizt, an dem andern rund ge-
An dem Ende das gespizt, sind die Faden nicht gezo-
Daß sie Kreuzweis übergingen, noch mit Harze
Wie das andre End dagegen wol verwahrt und fest
Merkt die Vorsicht der Natur; oder vielmehr
An dem kleinen Seidenwurm, diese wunderbahre
Da es scheint als wenn er wüste, als er sich be-
Was nachhero aus ihm würde, vor ein ander Thier
In der Dütte liegt er so, daß der Kopf stets dahin
Wo das ungeleimte End, sich in eine Spizze dre-
Und er sorgt auch daß die Spizze nicht an andre
Dadurch würde ihm gar leichte sein Auskriechen auch
Ist nun alles so gemacht, hat er dreifach sich um-
Ist durch seine saure Müh Kraft und Saft aus ihm
So verliehret sich almählig seine wurmichte Ge-
Es entsteht aus seinem Wesen, in dem engen Aufent-
Wenn der Balg ist abgestreift ein solch Thier und
Kommt es an das Licht der Welt nun almählig her-
Dieses flattert auf der Erden; und vermehrt sich fer-
Unterdessen ist von Wurme nichts mehr übrig als
Der wie ein verschrumpftes Fell in der Dütte wird
Wenn die Seide zum Gebrauch wird hernachmahls
Welche Wandlung muß entstehen in dem Reiche der
Zeigt uns dies nicht von dem Schöpfer eine wunder-
Sehn wir aber nunmehr auch auf das wunderbahr
Was der Wurm um sich gewebt; so bewundern
Die den Würmgen eingepräget. Welche Weisheit,
Muß desselben Schöpfer haben, der ihn so hervor-
Menschen! seht die Faden an, die aus einem Wurm
Und aus einem zähen Harz, in desselben Bauch ent-
Müsset ihr nicht eingestehen, daß sie künlich, herrlich
Welcher Künstler wird es wagen solchen Würmern
Das? was die Natur gemacht, ist viel zärterlicher ge-
Als was Menschen Hand gedreht, und ihr eigner
Lernet daran dies erkennen:
Der ein Würmchen so gebildet, daß es wie ein Er-
Doch so künstlich wirken kan; daß es alle Kunst be-
Wenn es nur der Menschen Hand, ferner zum Ge-
Merket daran
Welches nicht zu unsern Leben, uns kan nüz und
Dieses feineste Gespinst, und die Flokken von der
Geben uns den schönen Stof, zu so manchen prächt-
Womit sich die Erden-Götter, Hoch und Niedrige be-
Muß uns wenn wir dies betrachten nicht des Her-
Grosser Schöpfer der Natur! du läst uns dein herr-
Auch im kleinesten Gewürm, als in einem Spiegel
Deine Weisheit, Macht und Güte blikt am Sei-
Merk dies blinder Atheiste; bist du nicht ein albern
Daß du keinen
Als dergleichen Würmer sind, seine wunderbahre
Dir so klar vor Augen legen. Sieh den Seiden-
Und sein glänzendes Gespinste, daß dich überzeugen
Von dem Daseyn eines Alls, wovon alle Ding ent-
Die wir mit Bewunderung im Naturreich klärlich
Merket dieß auch blinde Menschen, die ihr nur ver-
Auf ein Würmgen das der Schöpfer doch so herrlich
Euer Stolz der achtet nicht, was nicht groß ins
Seht ihr Künstler, die ihr nur stets von euren Wer-
Auf der Würme Kunstgewirke, das ihr nicht nachah-
Ob ihr gleich bei eurem Wizze, euch die größten Mei-
Gott ist alles, wir sind nichts, was wir in und an uns haben,
Sind nur blos von seiner Güt mitgetheilte Gnaden-
Wenn ihr dieses recht erkennet, daß euch
Wenn ihr als berühmte Meister mehrern Wiz als
So werd ihr vor das Geschenk ihm als dem alleine
Mit den Herzen, mit dem Mund und auch mit dem