[Der Siedler lebt im grünen Wald][Anmerkungen]
Written 1797-01-01 - 1797-01-01
Der Siedler lebt im grünen Wald,
Im Walde dort am Meer.
Mit lauter Stimme lobt den Herrn
Sein Mund; mit Schiffern spricht er gern,
Die ferne kommen her.
Auf hartem Kissen kniet er nachts,
Am Mittag und am Morgen;
Das Kissen ist ein Eichenstumpf,
Der ganz in Moos verborgen.
Das Boot kommt nah, sie sprechen laut:
Beim Himmel, wunderbar!
Wo ist der Feuerzeichen Glut,
Die hell hier leuchtend war?
Der Siedler sagte: Seltsam, traun!
Nicht tönt mit frohem Schall
Ihr Gruß zurück; die Planken dürr
Und dürr die Segel all;
Sie scheinen Laubgerippen gleich,
Die an des Bergstroms Fall
Runzlig um meine Klause wehn,
Wenn der Sturm am Brausen ist,
Wenn unterm Schnee die Waldung ächzt,
Wenn die Eul' zu des Wolfes Heulen krächzt,
Der der Wölfin Junge frißt.
Der Lotse sagte: Wie das Schiff
So schrecklich uns ansieht!
Ich fürchte mich! – Frisch, rudre zu!
Sprach froh der Eremit.
Und näher, näher kam das Boot;
Still war ich, sprach kein Wort.
Das Boot kam dicht ans Schiff heran –
Da, welch ein Ton schallt dort!
Unter dem Wasser rollt es dumpf;
Donnernd durchzieht's die Bai;
Es kommt ans Schiff, es spaltet die Bucht;
Das Schiff geht unter wie Blei.
Vom fürchterlichen Schall betäubt,
Dem Erd' und Himmel krachen,
Trieb schwimmend auf den Wellen ich,
Starr, zwischen Schlaf und Wachen;
Drauf, wie im Traume, fand ich mich
In des Piloten Nachen.
Und auf dem Strudel, wo das Schiff
Versank, kreist ungestüm
Das Boot, verklungen ist der Ton;
Der Berg nur spricht von ihm.
Die Lippen rührt' ich; der Pilot
Schrie auf und sank zurück;
Der fromme Siedler betete
Und hob empor den Blick.
Ich ruderte; des Lotsen Sohn –
Noch wandelt' er im Wahn
Des Irrseins – lachte, sah mich stier
Mit wilden Augen an;
Ha, ha! sprach er, nun seh' ich, wie
Der Teufel rudern kann!
Und jetzt in meinem Heimatland
Betret' ich Strandes Höhn;
Der Siedler aus dem Nachen steigt,
Kann kaum noch aufrecht stehn.
Entsünd'ge mich! entsünd'ge mich!
Trat ich den Siedler an.
Der schlug des Kreuzes Reichen erst:
Was bist du für ein Mann?
Da bebte Angst durch mein Gebein,
Angst, fürchterlich und groß;
Was mir begegnet, sagt' ich ihm,
Da ließ die Angst mich los.
Und oft noch kehrt seit jener Zeit
Zurück die Angst, der Schmerz;
Eh' ich das Gräßliche gesagt,
Brennt in mir dieses Herz.
Und wie die finstre schwarze Nacht
Eil' ich landaus, landein;
Und am Gesicht kenn' ich den Mann,
Der meine Mär vernehmen kann;
Er muß mein Hörer sein.
Welch ein Tumult erhebt sich dort?
Die Gäste sind dort all'!
Und, horch! im Garten singt die Braut
Und ihre Mädchen all'!
Und, wieder horch! zum Beten ruft
Der Abendglocke Schall!
O Hochzeitsgast, ich war allein
Auf weiter, weiter See!
So einsam war's, ich fühlte kaum
Des guten Gottes Näh'.
Und süßer, glaub, als Hochzeit ist's,
Kann besser mir gefallen,
Kann ich an guter Leute Hand
Zu Gottes Kirche wallen!
Kann ich zu Gottes Kirche gehn
Zum brünstigen Gebet,
Wo alles, Kind und Mann und Greis,
Wo Jüngling, Mädchen, Ihm zum Preis,
Zu Ihm dem Vater fleht.
Leb wohl, leb wohl, du Hochzeitsgast!
Doch dieses sag' ich dir:
Der betet gut, wer Liebe hegt
Für Vogel, Mensch und Tier!
Der betet gut, wer Liebe hegt
Für alle, groß und klein!
Gott, der uns schuf, der liebt uns all',
Will allen Vater sein.“
Der Seemann mit dem grauen Bart
Und mit dem hellen Blick,
Er geht; und auch der Hochzeitsgast
Kehrt ernst nach Haus zurück.
Er ging, wie ein Betäubter geht,
Als drückten schwer ihn Sorgen;
Ein ernst'rer Mann, ein weis'rer Mann
Erhob er sich am Morgen.