Der Sieg der Gläubigen über die Welt und sich selbst in den Exempel Abrahams.

By Johann Justus Ebeling

Das höchste Wesen will, daß wir ohn

Eigenwillen,

Den Rathschlus seiner Macht ge-

horsamlich erfüllen;

Weil er der Schöpfer ist; so sind

wir unterthan,

Der das von uns verlangt, was jeder soll und kann.

Wer sich aus Eigensin, dem Höchsten wiedersezzet

Mit Frevelhaften Sinn die Heiligkeit verlezzet

Die seiner Majestät von aller Welt gebührt,

Der ehret keinen

Nachdem der Mensch verkehrt, pflegt er sich selbst

zum Gözzen

Aus blinden Hochmuths-Trieb dem Höchsten vor-

zusezzen.

Wenn uns die weise Güt zu unsern Besten lehrt,

So wird der Eigensinn dagegen gleich empört:

Der Mensch will sich allein, nach seiner Lust re-

gieren,

Und das heist schon so viel: Er will sich selbst ver-

führen.

Nachdem der reine Sinn von Satans Gift erfüllt

Und aufgeblasen ist, ist dieses Gözzenbild

In unsre Brust verstekt; die blinde Eigenliebe,

Wie unser Abgott heist, regieret unsre Triebe,

Die Diener die sie braucht bei ihren Regiment,

Dadurch sie uns von

trennt,

Sind unsre Sinnen selbst; die Dinge dieser Erden,

Die streben beiderseits, damit wir Sclaven werden.

So leget sich der Mensch in Knechtschafts-Fesseln ein

Indem er ängstlich sucht ein freier Herr zu sein;

Indem er sich erhebt zum Ebenbild der Götter,

Wird er aus Unverstand der wahren GOttheit

Spötter.

Je höher man den Thron der Eigenliebe baut,

Sich durchs Vergrößrungs-Glas des Selbstbetrugs

beschaut;

Je niedriger wird man, in

Vor dem wir allzumahl Nichts sind und auch Nichts

taugen.

So lang man in sich selbst die Quell des Guten sucht,

Und in der eitlen Welt; so lang ist man verflucht,

Wie jener Feigenbaum, woran zwar Blätter prangen,

Ein äuserlicher Schein doch keine Früchte hangen.

Drum ist dies Eins erst Noth, nach aller Weisen

Rath:

Wer durch die Eigenlieb sich selbst betrogen hat,

Der lerne erst sein Nichts in Demut recht erkennen;

So wird man nimmermehr sich so vergöttern kön-

nen,

Als leider Menschen thun: Man beuge seinen Sin,

Durch

hin,

Der leider! unser Herz zum Heiligthum bewohnet,

Wenn man in Knechtschaftsstand dem Sündendienst

gefrohnet;

So giebt die Kreuzigung des Fleisches an die Hand

Das Mittel, dadurch man den Eigensinn ver-

bannt

Und endlich unterdrükt: dann folgt die Uebergabe,

An unsern wahren Herrn mit allen unsern Haabe

Mit Seel und Leib und Gut, was wir von ihm

erlangt,

Darauf wir sonst getrozt, damit wir sonst geprangt.

Des Glaubens Kraft stärkt die, die bei dem Ueber-

winden

Des Fleisches und der Welt den schweren Kampf-

platz sinden.

Der fromme Abraham, der auf der Kreuzes Bahn,

Von seinen

Kann hier ein Beispiel sein, wie man mit sich muß

kriegen,

Wenn man im Glauben will sich und die Welt be-

siegen.

Der HErr gab ihn Befehl:

terland,

Und folge ungesäumt die Leitung meiner Hand,

Die dir zu deiner Ruh den Wohnplatz da bereitet,

Wohin des Himmels Wink, dich weislich führt und leitet.

Wie hart ist der Befehl, dem weichen Fleisch und Blut,

Das vor den Kummer bang, das klagt und übel thut,

Wenn es dasjenige, was es geliebt muß hassen,

Was ihm vorher vergnügt, muß willig fahren lassen!

O! welch ein harter Kampf! von seiner Freund-

schaft ziehn

Die Lieb und Treu verknüpft, das heist, sich selbst

entfliehn;

In andre Länder gehn, ein Fremdling da zu werden,

Das ist ein ofner Weg, zu mancherlei Beschwer-

den.

Der fromme GOttesmann, ward hin und her ge-

lenkt,

Wie eine Waageschal, die auf und nieder schwenkt,

Und keinen Ausschlag giebt, die hin und her gezo-

gen,

So lang die eine nicht, die andre überwogen:

Es lenkte der Befehl des Höchsten seinen Sin,

Der Glaube stellt ihm vor, den herrligsten Gewinn

Die Zweiffel der Natur, die sezten sich dargegen

Und suchten seinen Grund mit Macht zu wiederle-

gen.

Des Glaubens feste Kraft die siegte endlich doch,

Und zwang den scheuchen Sinn in des Gehorsams

Joch,

Er folgete den Wink auf

Er brach das Band entzwei womit die Welt uns

bindet.

Standhafter Abraham, du grosser Glaubensheld!

Wer dein Exempel sich zum Muster vorgestellt;

Der spürt des Himmels Huld, der lernt sich selbst

bekriegen,

Den allergrößten Feind, der in uns ist, besiegen.

So ging der GOttesmann von seiner Freundschaft

aus,

So lies er hinter sich, sein väterliches Haus,

Er reisete getrost, der Vorsicht treu Geleite,

Ward auf der Pilgrimschaft, ihm allemahl zur Seite.

Der HErr der Sonn und Schild, der dekket und

beschirmmt,

Wenn auf die Seinen wo, ein Unglücks Wetter

stürmmt,

War seines Lieblings Schuz, ein Beistand im Ge-

fahren,

Er ließ ihn wunderbahr, durchs Engel-Heer be-

wahren.

Wie, wenn ein Wandersmann, durch rauhe Wege

geht,

Der Himmel trübe ist, der Nordwind brausend

weht,

Und Sturm und Regen bringt; so wird er sehr ge-

drükket,

Hingegen wiederum, durch warmen Schein erquik-

ket,

Wenn sich der Sonnenglanz, wenn sich ein sanfter

West,

Dem müden Pilgrim sehn, vergnügt empfinden läst:

So ging es Abraham, der nach den Leidens-Stun-

den,

Daß

hoft, gefunden.

Der Herr der wieß ihn oft, daß er allmächtig sei,

Das er ein

heit, Treu;

Daß er dieselbigen bekrön mit Lust und Seegen,

Die in Gehorsam sich, in seine Armen legen.

Er sah die Wundergüt, des Glaubens Gnadenlohn,

In seinen Jsaac, in dem verheißnen Sohn;

Er sahe dran bestärkt, wie auf den Kreuzes Pfade,

Die rechte Laufbahn sei, zur Himmels Huld und

Gnade;

Er sah im Glauben dran, den Grund der Seeligkeit,

Das frohe Morgenroth der hellen Gnadenzeit:

Und dieses lehrte ihm, wie aus des Himmels Fügen,

Wenns gleich uns harte scheint, erwachse das Ver-

gnügen.

Jedoch die Welt bleibt Welt, und nur die E-

wigkeit,

Bringt uns zum wahren Ziel der Vollkommenheit

Hie sieht ein Gläubiger, wenn er kaum überwun-

den,

Und Sonnentage zählt, bald wieder Trauerstunden.

Ein Kampf ist kaum vorbei, so ist der andre nah,

Wenn hier die Schranken zu, so sind sie offen da

Und fordern wiederum, daß wir durch stetes Rin-

gen,

Jm Glauben und Gedult, es immer höher bringen.

Dies zeigt auch Abraham in seinen Lebenslauf,

Die Weisheit gab ihm stets noch größre Proben auf

Den ihr ergebner Sinn noch immer mehr zu läutern,

Des Glaubens Helden-Muth durch Kämpfen zu

erweitern.

Sie gab ihm den Befehl:

Der Jsaac der dir des Alters Weh versüßt,

Die Stüzze worauf du des Stammes Hof-

nung gründest,

Der Sara einzig Kind, dran du dein Bild- nis findest,

Der soll mein Opfer sein; auf, auf und ge- he hin

Und schlachte mir ihm da, mit GOtt ergeb- nen Sin,

Wo ich es haben will: wenn du mich GOtt wilst nennen,

So solt du deinen Sohn zum Opfer mir verbrennen.

Ach! welch ein Donnerwort! das eines Vaters

Herz,

Gleich einen Keil durchfährt, entflammt mit heis-

sen Schmerz

So bald es dieses hört. Es reget sich die Liebe

Die die Natur gepflanzt, durch die verborgne Triebe,

Wenn man dasjenige, was man geschäzt verliert;

So gros die Freude ist, die im Genus verspürt:

So gros ist auch der Schmerz, das Leiden trüber

Seelen

Die sich ob den Verlust geschätzter Güter quälen

Das Herz des Abrahams war nicht von Stahl und

Stein,

Es war ein fleischern Herz, wie alle Herzen sein,

Wenn man dies nur bedenkt, der Liebe Zug erweget,

Der ihm von der Natur, als Vater eingepräget,

So war ihm der Befehl ein rechter Donnerschlag,

Der ihm das Herz durchbohrt, und seinen Muth

zerbrach.

Er liebte Jsaac als seinen Leibes Erben,

Sein eignes Fleisch und Blut, das solte durch ihn

sterben.

Das war ein harter Schlus, jedoch er kam von

Gott

Dem allerhöchsten Herrn, den König Zebaoth

Der aller Vater ist, der wenn er uns betrübet,

Und uns verwundend schlägt, am allermeisten liebet.

Sah er mit Zärtligkeit den Sohn der Hofnung an;

So wallete das Blut, darinn die Liebe rann:

Wenn er des Geistes Aug auf

lenkte

Daran sein ganzes Herz in treuer Liebe hängte;

So war das höchste Gut, das was ihm nur ver-

gnügt:

Der Glaube zeigt ihm das; und dadurch ward be-

siegt

Die Reizung der Natur. Der Kampf der ward vol-

lendet,

Er schenkte

verpfändet.

Der Schlus ward fest gesezt:

stes Gut

Das ist mehr Liebe werth, als dies mein Fleisch und

Blut,

Er band den Jsaac, des Allerhöchsten Willen,

Mit gläubiger Gedult in allen zu erfüllen.

O! Menschen sehet hier in dem Exempel an,

Was eine starke Kraft des Helden-Glaubens kann:

Lernt hier an Abraham, wie man mit sich muß

kämpfen

Die Triebe der Natur; obs gleich sehr hart scheint,

dämpfen.

Die Liebe ist ein Feur das alles übertrift;

Wer

Schrift

Als

Der Eigenliebe Macht, der Neigung starkes Re-

gen:

Des Glaubens grosse Kraft besiegt doch Fleisch und

Welt:

Wer durch dies Mittel siegt, der ist ein wahrer

Held.

Wer über andre herrscht, den Lüsten unterlieget,

Der andre leiten will, und sich doch selbst betrieget,

Der scheinet zwar sehr gros, der ganzen Welt zu

sein,

Und ist doch in der That in

Wer klüglich handeln will, und denkt sich zu ver-

grössern,

Der muß sein böses Herz vor allen Dingen bessern.

Wer das gewinnen will, was uns die Ewigkeit,

Als einen Siegeslohn der Herrligkeit anbeut;

Der nehme dies in acht:

kennen,

Und suche stets dein Herz, von dieser Welt zu trennen,

Geh von dir selbsten aus, und leiste deine Pflicht

In wahrer Glaubenskraft; so wie der Höch- ste spricht:

So muß dein Eigensinn, besieget unterlie- gen,

Und wenn dies erst geschieht; so kanst du herrlich siegen.

Sieh auf des Heilands Kreuz, drük es dir gläubig ein,

Durch dessen Kraft kanst du dein Ueberwin- der sein.