Der Sternhimmel.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Freund, in welchen fernen Regionen,

Welchen sterngestickten Himmelszonen,

Schwebst du itzt auf unerspähter Bahn?

Schaust im ungeheuren Weltenraume

Ebentheuer, welche selbst im Traume

Kepler nicht, noch Galiläi sahn.

Musterst du der Allmacht Kriegesheere?

Siehst den drangen Halmwald ihrer Speere?

Horchst dem Sturmwind ihres Riesengangs?

Siehst das Funkeln ihrer Blitzgeschosse,

Hörst das Wiehern ihrer Flammenrosse,

Und die Donner ihres Schlachtgesangs?

Fliegst du mit

Weit und breit umher im Schlangenringe

An dem Finger der Unendlichkeit?

Ruderst du mit

In dem inselvollen Oceane

Uferloser Unermesslichkeit?

Landest itzt am Ufer der

Itzt am Archipelag der

Itzt an

Klimmst empor auf

Rollst hinab auf

An des Horizontes fernsten Rand?

Tauchest dich in

Badest dich in

Schwimmst im silbernen

Steigst empor mit

Schiffst hinab des Milchwegs schroffen Bogen

Bis zum Flammenschleudrer

Staunst du ob

Folgst begeistert seinem Siegeszuge

Durch der Urnacht alte Dämmerung?

Bebst nicht vor

Nicht vor

Nicht vor

Fährst du mit Allvaters Sieges

Siehst

Siehst, wie

Wie vor

Dubhe's goldne Mähnen auseinander stieben,

Und der trotz'ge

Oder flüchtetest du wallfahrtmüde

Zu des

Pflegst auf seinem Söller stolzer Ruh?

Siehst der Welten Labyrinthentänzen

Sonder Stillstand, sonder Ziel und Gränzen

In erhabener Bewundrung zu?

Schwebe, wo du schwebst, in welchen Fernen,

Walle, wo du wallst, auf welchen Sternen —

Weiss ich doch, dein wonnetrunkner Blick

Schauet oft aus jenen Glanzgefilden

Wehmuthdämmernd nach dem blassen milden

Mutterstern, der dich gebar, zurück.

Wo dir sieben und zwanzig Lenze sprossten,

Sieben und zwanzig Winter dich umschlossten,

Sieben und zwanzigmal der Herbst dein Haupt umflog;

Wo in ihrem warmen Mutterschoosse

Für das Gute, Wahre, Schöne, Grosse

Dich die freundliche Natur erzog;

Wo manch gutes Herz sich zu dir fügte,

Manches Freundes Arm sich um dich schmiegte,

Mancher Fühlende sich an dich hing;

Wo

Wo

Und mein Jugendfreund auch dich umfing —

Ja, ich weiss, du schaust mit sanftem Sehnen

Oft hinunter nach dem Stern voll Thränen,

Der dich keimen, blühn und welken sah.

Reifte doch dein Geist in seinen Strahlen,

Wandeln doch in seinen stillen Thalen

Noch Ellwina und Rosalia!