Der stolze Pfau .

By Johann Justus Ebeling

Ein Pfau den die Natur, mit schönen Fe- dern schmükt,

Mit einem langen Schweif vor andern

Weis seinen Vorzug wol, er dreht die

Als wolt er seine Pracht der ganzen Welt erzäh-

Er brüstet sich damit und dehnet seinen Schwanz,

Damit ein jeder seh den Strahlenreichen Glanz:

Und alsdenn blizt sein Schweif gleich einen Regen-

Der in der Luft erscheint, mit Farben überzogen.

Der Finger der Natur der ihn also gemahlt,

Das bald ein feurig Gold, daraus ein Saphir

Bald ein schmaragdnes Grün, von seinen Federn

Hat aller Farben Schmuk hier wunderbahr verei-

Nachdem vom Sonnenlicht, dies schön geschwänz-

Das hin und wieder geht, der Strahlen Abglanz

Nachdem verändern sich der Federn bunte Strah-

Die sich bald gelb, meist grün vor unsern Augen

Wahr ist es daß der Schweif am Pfau recht Wun-

Und daß er Schimmerreich und lieblich anzusehn:

Allein er glänzet nur, von aussen an den Flügeln

Die um und um besezt mit lauter Blendungs-Spie-

Und sieht etwa der Pfau die schwarzen Füsse an,

Die garstig anzusehn, die er nicht leiden kan;

So fällt der stolze Sinn, da lernet er erkennen,

Was schönes an ihm ist, sey nur sein Kleid zu nen-

Gewis! ein wahres Bild von Menschen in der

Die durch den leeren Wind des Stolzes aufge-

Die in dem Lauf der Welt mit Gütern sind beglük-

Hingegen aber nicht mit Tugend ausgeschmükket.

Die bilden sich gar viel, auf ihrem blanken Schein,

Auf ihren reichen Schaz, auf ihren Goldklump

Da ihnen Tugend fehlt, und Wiz, Geschiklichkeiten,

So muß der Kleider Schmuk sie in der Welt

Der Pfau ist auch ein Bild von deren Eitelkeit,

Die falscher Dünkel triegt, als wenn ein herrlich

Das in das Auge prahlt, sie könte schöner ma-

Sie brüsten sich damit, darüber kluge lachen.

Sie meinen weil ihr Leib mit schönen Schmuk ver-

So würden sie dadurch der Schönheit Ebenbild;

Sie wollen Stand und Rang, nicht nach Verdienst

Nur nach verbrämten Schmuk erborgter Schön-

Jhr Tokken! lernet doch hie euren albern Sinn,

Komts auf die Kleider an, so tretet unten hin:

Der Pfau das schöne Thier; wird mit den schwarzen

Für euch nach diesem Schlus zuerst hertreten müssen.

So folget ihr erst nach; so seid ihr recht gestellt,

Weil denn ein gleiches Paar, sich gleich und gleich

Jhr Tohren lernet doch euch eurer Torheit schämen,

Und wolt ihr euch recht sehn; so müst ihr Spiegel

Daran ein Todten-Kopf mit schwarzen Staub ge-

So seht ihr was ihr seid, wenn euch das Kleid um-

Beschaut beim äusren Glanz der Schönheit, auch

Womit ist das geschmükt? mit eitler Laster-Schwär-