Der tempel des todes bey beerdi- gung Hn. D. George Gottfr. Schwenden- dörffers ...
Jhr die ihr ohnedem sonst neue kirchen liebet
Laßt euren fuß einmahl mit mir zum tempel gehn
Vielleicht ists was das euch erwünschte warnung giebet
Des tödtes tempel soll vor euren augen stehn.
Sein kirchhoff lieget voll von schlang- und scorpionen
An statt des pflasters findt man schwämm und bilsen-kraut
Der Juncker muß hieher so wohl als bauern frohnen
Die gräber beyder sind von knochen aufferbaut.
Jm mittel dieses hoffs springt eine mord-Fontaine
Das wasser so draus quillt ist saltz- und thränen-bleich
Darneben wacht ein tod und spannet seine säne
Mit dieser überschrifft: Mir gilts auff alle gleich.
Der tempel selbst vor dem es donnert kracht und blitzet
Ist prächtig auffgeführt von schwartzen Marmorstein
Auff dessen ober-dach ein kahl gerippe sitzet
In welches händen schwerdt gifft staub und asche seyn;
Hierdurch krieg pestilentz und theurung anzudeuten
Die zu dem tempel-bau den grösten zoll gebracht
Und jährlich noch so viel von menschen sich erbeuten
Daß deren anzahl uns ein rechtes grauen macht.
Am ecken dieses dachs stehn umgefallne leuchter
Die kertzen sind verlescht und haben einen riß
Zum zeichen daß der todt vor uns nicht viel geneigter
Wann er das lebens-licht verkehrt in finsterniß.
An wänden zeigen sich gestürtzte fürsten-stühle
Verheerte land und leut vermodertes papier
Gleich als ob alles hier zum unter gang verfiele
Und über halß und kopff zu der verwesung führ.
Umb das portal herumb sind räder messer zangen
Beil strick und was noch mehr zum straffgericht gehört
Als wormit öffters pflegt der todt viel auffzufangen
Die er wie sies verdient durch seinen grimm verzehrt.
Das übrige besteht in schauffeln schipp- und spaden
Und was zum hand-dienst sonst der todten-gräber braucht
Wann er die cörper soll ins düstre grab abladen
Eh ihre üble dunst uns ins gesichte raucht.
Ans tempels thüre sieht man stets zwey Parcen spinnen
Die dritte weifft was die gesponnen schleunig auff
Die fäden sind so zart daß auff den fall muß sinnen
Wer an dergleichen seil bindt seinen lebens-lauff.
Alsdann muß man behertzt selbst in den tempel treten
Und sieht wie ban-kunst hier gar keine ordnung hält
Man sey jung oder alt so hilfft kein flehn noch beten
Wann über uns einmahl der todt sein urtheil fällt.
Die pfeiler worauff sich der innre bau gestützet
Davon stellt ieglicher uns eine kranckheit vor.
Am ersten steht ein bild das sich mit blut besprützet
Und statt der stahl-tinctur hebt einen dolch empor;
Diß soll ein vorbild uns der miltz-beschwerung zeigen
Die aus verzweifflung offt an uns den selbst-mord übt;
Da wann wir unsern halß einmahl dem stahl hinbeugen
Uns keine stahl-tinctur das leben wieder giebt.
Am andern pfeiler ruht ein mann auf mohn und rosen
Die kranckheit darzuthun so man die schlaffsucht heist
Von händ und füssen schmeist er um sich die Veutosen
Weil so ein glaß mehr wind als auffkunfft ihm erweist.
Am dritten hängt ein bild das oben ausgedürret
Und an dem unterleib hoch aufgeschwollen ist
So stets nach frischen trunck als eine taube girret
Und zur genesung sich kein Instrument auslist.
Das ist die wassersucht der man den durst schwer stillet
Man zapff auch täglich ihr durch kunst viel wasser ab.
Denn wenn der leib genug mit artzeney gefüllet
Erquickt am meisten doch ein kühl und frisches grab.
Am vierdten hält ein mensch in händen scharffe messer
Und schiebet von sich weg geronnen bockes-blut:
Das ist wer seiten-weh empfindt wird wenig besser
Wann er sein blut nicht selbst mit in den sarg nein thut.
Am fünfften dreht ein bild die augen rumb und schäumet
Die daumen schlägt es ein die zähne knirscht es zu
Und weil kein elend-thier diß böse wesen zäumet
So findt an diesem ort es besser seine ruh.
Am sechsten greifft ein mensch nach einem pusch voll früchte
Und sieht ein pulver an der grossen sympathie;
Zu weisen wie man sich leicht rote ruhr zurichte
Und mit dem Vitriol vergebens sich bemüh.
Am siebenden zeigt sich ein ausgesaugt gerippe
Das nach Hippocratis bekandter larve zielt
Viel lungen hängen ihm an seiner unter-lippe
Allein im leibe selbst es auch nicht eine fühlt.
Das soll die schwindsucht seyn die keine lungen heilen
Es brauch ein solcher sie von thieren wie er will
Er wird am süglichsten in diesen tempel eylen
Und dem verhängniß-schluß in demuth halten still.
Am achten trägt ein kind von silber eine nadel
Sticht sich die blattern auf und braucht den Bezoar
Allein es findt der tod auch hierbey seinen tadel
Und macht so jung als alt durch diese kranckheit starr.
Am neundten zeiget sich ein glaß mit vielen fliegen
Das den der stein sehr plagt von ohngefehr zerbricht
Und ob er sie gleich braucht muß er doch unten liegen
Und sterben sie seyn nun gleich Spanisch oder nicht.
Am zehnden hängt ein hund von stecken stühl und kricken
Darneben kan man auch aus Japan Moxa sehn;
Doch wie sich vor den tod auch diese völcker bücken
So ist von Podagra leicht keine cur geschehn.
Den eilfften pfeiler rührt ein schlag von donner-strahlen
Schlag-wassers-flaschen sind lanzetten beygelegt;
Allein wie beyderseits sich besser lassen mahlen
So hat auch vor den schlag noch keines viel erregt.
Am zwölfften steigen auff erhitzte feuer-flammen
Und liegt ein purpur-tuch mit schnee bestreut darbey
Weil fleck und friesel offt im fieber sind beysammen
Und zeigen daß die wuth durch nichts zu dämpffen sey.
Und o! wer wolte doch die pfeiler alle zehlen
An deren ieden sich weit mehre kranckheit findt!
Hier hab ich nur daraus die grösten wollen wehlen
So mir gleich zu gesicht im tempel kommen sind.
Nur zweyerley ist noch das mir die augen raubet
Die grosse schilderey die in der cuppel steht
Und so das andre mir auch darzuthun erlaubet
Des todtes contrefait wenn man zum altar geht.
Die bilder zeigen uns wie den der donner rühret
Und jenen ein wild thier in tausend stücken reist;
Den in die lufft ein knall gesprengter minen führet
Den ein Carcassen-schlag zu stück- und trümmern schmeist.
Den frist die feuers-brunst der stürtzet mit dem pferde
Den überfällt ein thurm der wird durch fluth ersäufft
Der wird erstickt der bricht den halß auff gleicher erde
Und was unzehlich mehr gewaltsamkeit ergreifft.
Allein das todten-bild hält in der hand ein ruder
Und weist auf zweyerley in einem offnen sarg
Mit dieser nebenschrifft: komm zwar o schlaffes-bruder!
Nur mach es in der welt mit menschen nicht zu arg.
Am andern arme führt er eine trauer-kette
Daran ein seiger hängt dem läst er keine ruh
Zu warnen wie uns nichts von seiner sense rette:
Und hiermit schliesset sich der todten-tempel zu.
Jhr aber sterbliche euch führ ich nun zu hertzen
Geht euer fuß so offt ins klag-als freuden-hauß?
Ach! mit dem todte kan wie ihr hier seht nichts schertzen
Er trägt zu Nain auch uns einen jüngling naus.
Jhm gilt ein bauer-filtz so viel als Käyser-cronen
So lieb als David auch die schöne Michal hat
Will doch sein eingriff nicht der Königs-scheitel schonen;
Drum sieh dich doch o mensch in diesem tempel satt.
Bau ihn im hertzen auf hast du nicht geld und kosten
Statt einer hütten ihn zu führen aus dem grund.
Die ewigkeit dient dir zn pfeiler stein und pfosten
O lege bald den stein du seyst noch so gesund.
Denn kan dich nichts hierzu aus dieser schrifft bewegen
So dencke was vor dir der sarg im umfang hegt;
Hat es nicht uns gedeucht GOtt setze den zum seegen
Den man nun unverhofft in unsern tempel trägt?
Ein junger mann der gleich als Aloen geblühet
Und ein so schön gewächs in Eden uns gezeugt
Wird von des todtes trieb zu einem gang bemühet
Der wenn ich ihm nachseh mich mit zur erden beugt.
Ein mann der seinen GOtt vor alle welt geschätzet
Der auch mit willen nicht das zartste kind gekränckt
Wird zur ergötzligkeit davor in staub gesetzet
Und mit zwey hertzen nun in eine grufft gesenckt.
Ein sohn der nebenst GOtt so seine eltern liebte
Daß ich des vaters schmertz nicht zu entwerffen weiß;
Der wann ihn auch allhier der schwerste fall betrübte
Jm trübsals-ofen doch nicht leichtlich säß so heiß.
Ein bruder der also um sein geschwister lebte
Daß seiner tugend bahn für sie ein vorbild war;
Der wann vielleicht einmahl des hauses stütze bebte
Stünd an des vaters statt bey seiner todten-baar.
Ein nächster welcher den wer mehr auch höher hielte
Und den wer gleich mit sich in freundschafft treten ließ
Die untern aber so mit trostes nectar kühlte
Daß ihr bekümmerniß er sein erbarmen hieß.
Ein freund den wer mit ihm vertraulich umgegangen
Mit thränen mehr als ich durch dint entwerffen wird
Dem ehr und redlichkeit so treulich angehangen
Daß er im labyrinth der falschheit nie geirrt.
Ein lehrer vor dem noch die rechts-catheder redet
Auff welcher uns sein mund fleiß und verstand gezeigt.
Ein advocat der vor dem gegner sich entblödet
Weil nur gerechter sach er hülff und hand gereicht.
Kurtz eine lagerstätt und muster wahrer tugend
Den auswerts wer ihn kennt und alles hier beweint;
Ein spiegel altem volck so wohl als reiffer jugend.
Diß alles nun allhier als ein todt bild erscheint.
Wo soll ich also trost vor so viel schmertz hernehmen?
Diß wird ein andrer verß schon besser können thun;
Mir will das hertzeleyd die hand und feder lähmen
Drum laß ich alles auch hier krafft- und trostloß ruhn.
Nur wünsch ich daß nunmehr der seegen zwiefach falle
Auf den der noch allein des hauses nahmen führt
Daß uns sein männlich thun so in die ohren schalle
Wie seiner schwestern ruhm ihr schön geschlechte ziert.
Du aber todter freund nimm hin das liebes-zeichen
So ich zu liefern dir bey deinem bett versprach:
Könnt iemand durch gebet den grossen GOtt erweichen
Es flöhe dir gewiß biß in die wolcken nach.