Der tempel des todes bey beerdi- gung Hn. D. George Gottfr. Schwenden- dörffers ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Jhr die ihr ohnedem sonst neue kirchen liebet

Laßt euren fuß einmahl mit mir zum tempel gehn

Vielleicht ists was das euch erwünschte warnung giebet

Des tödtes tempel soll vor euren augen stehn.

Sein kirchhoff lieget voll von schlang- und scorpionen

An statt des pflasters findt man schwämm und bilsen-kraut

Der Juncker muß hieher so wohl als bauern frohnen

Die gräber beyder sind von knochen aufferbaut.

Jm mittel dieses hoffs springt eine mord-Fontaine

Das wasser so draus quillt ist saltz- und thränen-bleich

Darneben wacht ein tod und spannet seine säne

Mit dieser überschrifft: Mir gilts auff alle gleich.

Der tempel selbst vor dem es donnert kracht und blitzet

Ist prächtig auffgeführt von schwartzen Marmorstein

Auff dessen ober-dach ein kahl gerippe sitzet

In welches händen schwerdt gifft staub und asche seyn;

Hierdurch krieg pestilentz und theurung anzudeuten

Die zu dem tempel-bau den grösten zoll gebracht

Und jährlich noch so viel von menschen sich erbeuten

Daß deren anzahl uns ein rechtes grauen macht.

Am ecken dieses dachs stehn umgefallne leuchter

Die kertzen sind verlescht und haben einen riß

Zum zeichen daß der todt vor uns nicht viel geneigter

Wann er das lebens-licht verkehrt in finsterniß.

An wänden zeigen sich gestürtzte fürsten-stühle

Verheerte land und leut vermodertes papier

Gleich als ob alles hier zum unter gang verfiele

Und über halß und kopff zu der verwesung führ.

Umb das portal herumb sind räder messer zangen

Beil strick und was noch mehr zum straffgericht gehört

Als wormit öffters pflegt der todt viel auffzufangen

Die er wie sies verdient durch seinen grimm verzehrt.

Das übrige besteht in schauffeln schipp- und spaden

Und was zum hand-dienst sonst der todten-gräber braucht

Wann er die cörper soll ins düstre grab abladen

Eh ihre üble dunst uns ins gesichte raucht.

Ans tempels thüre sieht man stets zwey Parcen spinnen

Die dritte weifft was die gesponnen schleunig auff

Die fäden sind so zart daß auff den fall muß sinnen

Wer an dergleichen seil bindt seinen lebens-lauff.

Alsdann muß man behertzt selbst in den tempel treten

Und sieht wie ban-kunst hier gar keine ordnung hält

Man sey jung oder alt so hilfft kein flehn noch beten

Wann über uns einmahl der todt sein urtheil fällt.

Die pfeiler worauff sich der innre bau gestützet

Davon stellt ieglicher uns eine kranckheit vor.

Am ersten steht ein bild das sich mit blut besprützet

Und statt der stahl-tinctur hebt einen dolch empor;

Diß soll ein vorbild uns der miltz-beschwerung zeigen

Die aus verzweifflung offt an uns den selbst-mord übt;

Da wann wir unsern halß einmahl dem stahl hinbeugen

Uns keine stahl-tinctur das leben wieder giebt.

Am andern pfeiler ruht ein mann auf mohn und rosen

Die kranckheit darzuthun so man die schlaffsucht heist

Von händ und füssen schmeist er um sich die Veutosen

Weil so ein glaß mehr wind als auffkunfft ihm erweist.

Am dritten hängt ein bild das oben ausgedürret

Und an dem unterleib hoch aufgeschwollen ist

So stets nach frischen trunck als eine taube girret

Und zur genesung sich kein Instrument auslist.

Das ist die wassersucht der man den durst schwer stillet

Man zapff auch täglich ihr durch kunst viel wasser ab.

Denn wenn der leib genug mit artzeney gefüllet

Erquickt am meisten doch ein kühl und frisches grab.

Am vierdten hält ein mensch in händen scharffe messer

Und schiebet von sich weg geronnen bockes-blut:

Das ist wer seiten-weh empfindt wird wenig besser

Wann er sein blut nicht selbst mit in den sarg nein thut.

Am fünfften dreht ein bild die augen rumb und schäumet

Die daumen schlägt es ein die zähne knirscht es zu

Und weil kein elend-thier diß böse wesen zäumet

So findt an diesem ort es besser seine ruh.

Am sechsten greifft ein mensch nach einem pusch voll früchte

Und sieht ein pulver an der grossen sympathie;

Zu weisen wie man sich leicht rote ruhr zurichte

Und mit dem Vitriol vergebens sich bemüh.

Am siebenden zeigt sich ein ausgesaugt gerippe

Das nach Hippocratis bekandter larve zielt

Viel lungen hängen ihm an seiner unter-lippe

Allein im leibe selbst es auch nicht eine fühlt.

Das soll die schwindsucht seyn die keine lungen heilen

Es brauch ein solcher sie von thieren wie er will

Er wird am süglichsten in diesen tempel eylen

Und dem verhängniß-schluß in demuth halten still.

Am achten trägt ein kind von silber eine nadel

Sticht sich die blattern auf und braucht den Bezoar

Allein es findt der tod auch hierbey seinen tadel

Und macht so jung als alt durch diese kranckheit starr.

Am neundten zeiget sich ein glaß mit vielen fliegen

Das den der stein sehr plagt von ohngefehr zerbricht

Und ob er sie gleich braucht muß er doch unten liegen

Und sterben sie seyn nun gleich Spanisch oder nicht.

Am zehnden hängt ein hund von stecken stühl und kricken

Darneben kan man auch aus Japan Moxa sehn;

Doch wie sich vor den tod auch diese völcker bücken

So ist von Podagra leicht keine cur geschehn.

Den eilfften pfeiler rührt ein schlag von donner-strahlen

Schlag-wassers-flaschen sind lanzetten beygelegt;

Allein wie beyderseits sich besser lassen mahlen

So hat auch vor den schlag noch keines viel erregt.

Am zwölfften steigen auff erhitzte feuer-flammen

Und liegt ein purpur-tuch mit schnee bestreut darbey

Weil fleck und friesel offt im fieber sind beysammen

Und zeigen daß die wuth durch nichts zu dämpffen sey.

Und o! wer wolte doch die pfeiler alle zehlen

An deren ieden sich weit mehre kranckheit findt!

Hier hab ich nur daraus die grösten wollen wehlen

So mir gleich zu gesicht im tempel kommen sind.

Nur zweyerley ist noch das mir die augen raubet

Die grosse schilderey die in der cuppel steht

Und so das andre mir auch darzuthun erlaubet

Des todtes contrefait wenn man zum altar geht.

Die bilder zeigen uns wie den der donner rühret

Und jenen ein wild thier in tausend stücken reist;

Den in die lufft ein knall gesprengter minen führet

Den ein Carcassen-schlag zu stück- und trümmern schmeist.

Den frist die feuers-brunst der stürtzet mit dem pferde

Den überfällt ein thurm der wird durch fluth ersäufft

Der wird erstickt der bricht den halß auff gleicher erde

Und was unzehlich mehr gewaltsamkeit ergreifft.

Allein das todten-bild hält in der hand ein ruder

Und weist auf zweyerley in einem offnen sarg

Mit dieser nebenschrifft: komm zwar o schlaffes-bruder!

Nur mach es in der welt mit menschen nicht zu arg.

Am andern arme führt er eine trauer-kette

Daran ein seiger hängt dem läst er keine ruh

Zu warnen wie uns nichts von seiner sense rette:

Und hiermit schliesset sich der todten-tempel zu.

Jhr aber sterbliche euch führ ich nun zu hertzen

Geht euer fuß so offt ins klag-als freuden-hauß?

Ach! mit dem todte kan wie ihr hier seht nichts schertzen

Er trägt zu Nain auch uns einen jüngling naus.

Jhm gilt ein bauer-filtz so viel als Käyser-cronen

So lieb als David auch die schöne Michal hat

Will doch sein eingriff nicht der Königs-scheitel schonen;

Drum sieh dich doch o mensch in diesem tempel satt.

Bau ihn im hertzen auf hast du nicht geld und kosten

Statt einer hütten ihn zu führen aus dem grund.

Die ewigkeit dient dir zn pfeiler stein und pfosten

O lege bald den stein du seyst noch so gesund.

Denn kan dich nichts hierzu aus dieser schrifft bewegen

So dencke was vor dir der sarg im umfang hegt;

Hat es nicht uns gedeucht GOtt setze den zum seegen

Den man nun unverhofft in unsern tempel trägt?

Ein junger mann der gleich als Aloen geblühet

Und ein so schön gewächs in Eden uns gezeugt

Wird von des todtes trieb zu einem gang bemühet

Der wenn ich ihm nachseh mich mit zur erden beugt.

Ein mann der seinen GOtt vor alle welt geschätzet

Der auch mit willen nicht das zartste kind gekränckt

Wird zur ergötzligkeit davor in staub gesetzet

Und mit zwey hertzen nun in eine grufft gesenckt.

Ein sohn der nebenst GOtt so seine eltern liebte

Daß ich des vaters schmertz nicht zu entwerffen weiß;

Der wann ihn auch allhier der schwerste fall betrübte

Jm trübsals-ofen doch nicht leichtlich säß so heiß.

Ein bruder der also um sein geschwister lebte

Daß seiner tugend bahn für sie ein vorbild war;

Der wann vielleicht einmahl des hauses stütze bebte

Stünd an des vaters statt bey seiner todten-baar.

Ein nächster welcher den wer mehr auch höher hielte

Und den wer gleich mit sich in freundschafft treten ließ

Die untern aber so mit trostes nectar kühlte

Daß ihr bekümmerniß er sein erbarmen hieß.

Ein freund den wer mit ihm vertraulich umgegangen

Mit thränen mehr als ich durch dint entwerffen wird

Dem ehr und redlichkeit so treulich angehangen

Daß er im labyrinth der falschheit nie geirrt.

Ein lehrer vor dem noch die rechts-catheder redet

Auff welcher uns sein mund fleiß und verstand gezeigt.

Ein advocat der vor dem gegner sich entblödet

Weil nur gerechter sach er hülff und hand gereicht.

Kurtz eine lagerstätt und muster wahrer tugend

Den auswerts wer ihn kennt und alles hier beweint;

Ein spiegel altem volck so wohl als reiffer jugend.

Diß alles nun allhier als ein todt bild erscheint.

Wo soll ich also trost vor so viel schmertz hernehmen?

Diß wird ein andrer verß schon besser können thun;

Mir will das hertzeleyd die hand und feder lähmen

Drum laß ich alles auch hier krafft- und trostloß ruhn.

Nur wünsch ich daß nunmehr der seegen zwiefach falle

Auf den der noch allein des hauses nahmen führt

Daß uns sein männlich thun so in die ohren schalle

Wie seiner schwestern ruhm ihr schön geschlechte ziert.

Du aber todter freund nimm hin das liebes-zeichen

So ich zu liefern dir bey deinem bett versprach:

Könnt iemand durch gebet den grossen GOtt erweichen

Es flöhe dir gewiß biß in die wolcken nach.