Der thörigte Hochmuth.

By Johann Justus Ebeling

Der Mensch, der arme Mensch der Staub und Asche ist,

Und seine Nichtigkeit an sich, an

Der Wurm, der Madensak ist

Daß er nichts als nur Wind haucht

Der ungestüme Stolz wird billig

Der seine Nichtigkeit zu einer Gottheit macht,

Er ist den Vögeln gleich, die in dem Pfüzen leben,

Und mit verwegnen Flug sich in die Höhe heben.

So bald ein solches Thier, aus seinem Schlamme

Wird es doch wiederum in seinem Koth gebeugt,

Indem es sich erhebt, mit schwingenden Gefieder,

Fällt es nur tieffer drauf in seine Pfüze wieder:

So gehts dem Stolzen auch mit seiner Einbildung,

Sein aufgeblasner Schwung macht keine Aen-

Von seinem Element, er bleibt was er gewesen,

Und läst der klugen Welt, nur seine Thorheit le-

Die allgemeine Quell, woraus der Hochmut fleust,

Woraus der Laster Schaum der uns beschmizt, sich

Ist unsre Eigenlieb, die uns mit Wind aufschwel-

Und vor der Einbildung Vergrößrungs-Spiegel

Ein Mensche der ihr folgt, und ihrer Stimme hört,

Wird durch dem Selbstbetrug in blinden Wahn be-

Er sieht sich darum an, daß er will gros erscheinen,

Und darum sind wir gros, weil wir es albern mei-

Der Eigenliebe Brut, der Stolz der uns erhebt,

Zeigt sich auf manche Art, nachdem der Mensche

In Glük und Ungelük. Wenn er im Glükke grünet,

Will er ein Abgott seyn, dem alle Welt bedienet.

Lebt er im Gegentheil durchs Schiksal in dem

So schmeichelt ihn der Wahn, des Herzens blinder

Er müste herrlich seyn, wenn in der Welt die Eh-

Jedweden nach Verdienst, nur ausgetheilet wäre.

Das Gute was er hat, ist es gleich nur sehr klein,

Muß doch viel grösser noch, als bei dem andern

Und die Geschiklichkeit, die Vollenkommenheiten,

Die können gegen das, was er hat nichts bedeuten.

Ist mit den Hochmuths-Sinn der Unverstand ver-

So brüstet sich ein Mensch nach stolzer Pfauen

Er siehet sich nur an, er pocht auf seine Gaben,

Und denkt daß keine mehr, die solche gleichfals ha-

Er ist allein nur gros, und einen klugen Mann,

Sieht er mit seinem Aug, als einen Thoren an.

Er suchet dessen Glanz und Ansehn zu verdunkeln,

Warum? denn seine Sonn, soll nur alleine fun-

Ein eingebildter Thor, ein albern Gernegros,

Giebt seinen Hochmuths-Sinn in seinen Reden

Er prahlet stets von sich, und seinen Heldenthaten,

Was andre ja gethan, ist allmahl schlecht gera-

Er gönnet keinem Ehr, dieweil er albern glaubt,

Der Ruhm, das Lob, die Ehr, die würde ihm ge-

Die Fremden zugetheilt. Er sucht ihr Thun zu ta-

Damit er sein Verdienst könn desto höher adeln.

Er glaubet daß er könn, durch tadelndes Bemühn,

Den andren ihren Ruhm, mit seiner Zung entziehn,

Und was er klein gemacht, das müste ihn vergrös-

Des andern Flekkenmahl, das müste ihn verbes-

Der seinen eitlen Stolz auf diese Art verräth,

Und unverschämter Weiß sein eignes Thun erhöht,

Will sich vor aller Welt, ansehnlich, herrlich ma-

Und macht, daß alle Welt muß seinen Stolz be-

Wer noch ein Quentlein Wiz, bei seinem Hochmut

Und was sich schikt, bedenkt, was ungereimt erwegt,

Prahlt in den Worten nicht, läst aber seine Höhen,

Die in dem Herzen sind, an seiner Stirne sehen.

Er sieht mit Sprödigkeit, recht schnöde iederman,

Und andrer Werth, wie nichts bei seiner Hoheit an;

Er rede was er woll er zeigt ein hönisch Wesen

In allen seinen Thun, und daraus ist zu lesen,

Daß ihm ein eitler Dunst, die Schedel angefüllt,

Und aufgeblasner Stolz das Augenlicht verhüllt.

Ein andrer der da gros, und dem der Schmeichler

Bis an das Fixgestirn der Himmels-Bühn erhoben,

Dünkt sich nunmehr gewis, bei dem erlognen Schein,

Er müste andrer Art, als andre Menschen seyn,

Er glaubet daß er zwar, als wie ein Mensch ge-

Doch auf der Erde schon, zum Engel auserkohren.

Der dritte dem Gebuhrt in hohen Stand versezt,

Meint daß der Ahnen Schild dadurch auch würd

Wenn er die Niedrigen, als seines gleichen achte,

Und Menschen das sie sind, als Menschen nur be-

Was ihm das Glük gegönnt, und die Gebuhrt ge-

Wird von ihm nicht erwegt, und als ein Glük be-

Er meint das sey ein Gut, das er durch sich erlan-

Ob er gleich in der That mit einem Glanze pran-

Der nur erborget ist, und seiner Anherrn Ruhm,

Macht er aus stolzen Sinn zu seinem Eigenthum.

Was durch das Herz erlangt der Heldenmütgen Ah-

Sieht er aus Hochmuth an, als seine Ehrenfah-

Wer viele Thaler zählt, die ihm das Glük be-

Wird durch die Einbildung gar öfters auch be-

Daß er drum besser sey, als andre dem das fehlet,

Was ihm nicht nuzbar ist, womit der Geiz sich

Er brüstet sich damit, und glaubet daß das Geld,

Der wahre Adel sey in dieser Unterwelt,

Wenn er von andern hört, der reich an Tugend

So ist sein Werth ihm Nichts, wenn ihm kein

Es ist ein schlechter Mensch, wenn er auch noch so

Warum? er hat kein Geld, ist dürftig, Arm und

Das blinzende Metal, die Gold und Silbermi-

Die müssen ihm allein, zu einem Ansehn dienen,

Dieweil er solche hat, damit stolziret er;

So viele Kasten voll, so viel gilt auch die Ehr,

Die einer haben kan, und der ist eingebildet,

Wer nicht also wie er, mit Schäzen übergüldet.

Und jener bildet sich auf seinen Schmuk was ein,

Er glaubet daß er könn vor andern herrlich seyn,

Wenn er den Taugenicht in schöne Kleider hüllet,

Und seinen leeren Kopf mit Hochmuts-Winde fül-

Ein köstliches Gewand, das nett am Leibe sizt,

Mit Golde ausgebrämmt, und das von Perlen

Vergnüget seinen Sinn; so bald er auf den Gassen,

Die Narheit durch das Kleid so prahlend schim-

Träumt ihm er sey nun gros, obgleich die Niedrig-

Jhm als der Schatten folgt, bei seinem güldnen

Er brüstet sich damit, und denket nicht darneben,

Daß Kleider, Geld und Gut noch keinen Vorzug

Die Tugend nur allein, und deren innrer Werth,

Verdient den Vorzug nur, wie die Vernunft uns

Die Nullen gelten nicht, wenn wir davor nicht Zahlen,

Mit ihrer Gültigkeit, in gleicher Reihe mahlen;

Jhr Tohren! merket dies, und dämpft das stolze

Das alles was ihr habt, ist nur erborgtes Gut.

Ein jeder wer er ist, ist darnach nur zu schäzzen,

Was ihm vor andern kan, im wahren Vorzug

Die Tugend, der Verstand und die Geschiklichkeit,

Die machen uns nur gros, ohn allen Wiederstreit,

Und wer dieselbe hat, der hat des Höchsten Gaben,

Die wir doch nicht zum Stolz, von ihm empfangen

Bedenket euer Nichts und nehmt den Spruch in acht:

Der Schöpfer hat uns hier ja alle gleich gemacht,

Der Schein der uns hier folgt, in unvollkomnen

Wird uns in jener Welt gar keinen Vorzug geben.

Jhr die ihr euch aus Stolz, mit leeren Wind auf-

Bedenkt, wie es dem Frosch dort beym Aesopus

Er paustet, macht sich gros, es plazzet seine Lunge;

Wie gings dem Jcarus

Und da der heisse Brand der Flügel-Wachs zer-

Sich in dem tieffen Meer mit Schimpf und Spot-

So gehts dem Stolzen auch, die durch das Stei-

Und vor der Welt zum Spot als Glükkes-Krüppel

Der Hochmut kommt zum Fall, das sagt die heil-

Und die Erfahrung lehrt, daß solches gnug eintrift,

Wer wie ein Lucifer im Hochmut sich versteiget,

Wird in die tieffe Höll wie er verdient, gebeuget.