Der transparente Mondschein.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Sey mir gegrüsst, sanftdämmernde Landschaft, im

täuschenden Zwielicht!

Siehe, wie rollet der Mond über den Bergen

daher.

Glänzende Wolken verschleyern des Wandelnden

freundliches Antlitz,

Siehe, sie wallen hinweg, glänzender wandelt

er hin.

Rings erschimmern die Häupter der Berge, die

Wipfel des Waldes,

Silberne Strahlen durchsprühn flitternd das säu-

Schau, es glänzet der Bach, und jegliche zitternde

Welle

Spiegelt dein leuchtendes Bild, freundliche Lu-

Komm, Geliebte, mit mir in die traulich dämmernde

Gegend,

Hier durch die thauige Flur, dort durch das

grasichte Ried,

Hier an den blumigen Rand des kalmusduftenden

Sees,

Dort in den dämmernden Hayn, drinnen die

Nachtigal schlägt.

Horch, wie sie schlägt! Wie dämmerts im Hayn!

Hellsilberne Tropfen

Regnen die Wipfel herab. Kühl ists und schau-

Inniger, meine Geliebte, umflicht mich, noch inniger,

enger.

Schaurig und kühl ist der Hayn, einsam und

schaurig die Nacht — —

Bey den Schatten des Hayns, bey des Waldes hei-

Bey den Gestalten, die blass wanken im ra-

Bey den Schauern der Nacht, bey jenem rollenden

Monde,

Welcher dein Antlitz bestrahlt, welcher dein

Auge verklärt —

Wie ich dich liebe, Geliebte, so liebte dich keiner,

so liebet

Keiner in Ewigkeit dich, ewiglich lieb ich

dich so.

Bey den Düften des Hayns, bey dem Ambraathem

der Matten,

Bey den Stimmen, die rings flüstern im säuseln-

Bey den Gewalten der Nacht, bey jenem rollenden

Monde,

Der in der Thräne glänzt, die in den Wimpern

dir bebt — —

Liebe, liebe auch mich, wie ich dich liebe, Ge-

Herzlich und schmerzlich und wahr liebe, Ge-

Inniger, Traute, umflicht mich, noch brünstiger,

inniger, enger!

Beben Entzückungen nicht rings durch das Herz

der Natur?

Zittern nicht funkelnde Thränen auf Gräsern und

Blättern und Blumen,

Strömt nicht edenischer Glanz, magische Hel-

Weinet nicht lächelnd der Mond? erschauert nicht

liebend die Landschaft? —

— — Ach, die Landschaft erblasst! Ach, es er-

Ausgestorben ist alles, und alles erloschen und

öde — —

Ewig im Innersten nur glänzet und glühet es

mir.