Der tugend ehren-ruhm bey absterben ihrer Freyherrl. excellenz des Hn. von Pufen...
Njm grosser Pufendorff! nicht ungenädig auff
Daß ich bey deiner bahr auch lasse thränen flüssen.
Denn weil die wehmuth mich gantz aus mich selbst gerissen
So kan ich meinem schmertz nicht hemmen seinen lauff.
Ich wünschte daß mein geist recht hoch sich könte schwingen
Und dir ein prächtig lied bey deinem grabe singen.
Doch wird dein sanffter geist der nichts von schnöder pracht
Und wort-geprängen hielt auch einfalt nicht verschmähen;
Hat Artaxerxes doch das hertz nur angesehen
Als in der hand ein knecht ihm wasser hat gebracht.
Drum gläntzt mein reim schon nicht von gold und edelsteinen
So gönne daß ich nur mag mit papier erscheinen.
Ich seh daß Teutschland itzt legt flor und schleyer an
Und die gelehrte schaar empfindet leid und schmertzen
Als der dein todes-fall geht leider so zu hertzen
Daß sie vor traurigkeit sich kaum begreiffen kan.
Sie steht bestürtzt erblaßt mit kläglichen geberden
Weil ihre klugen man trägt nach und nach zur erden.
Was aber sag ich doch? ist Teutschland nur allein
Das dich o theurer mann bejammert und beklaget?
Mich dünckt Europa selbst von dem du viel gesaget
Und seinen staat erzehlt wird meistens traurig seyn;
Denn weil dein hoher ruhm weit in der welt erklungen
So wird von musen auch dein tod ietzt weit besungen.
Diß ist gewiß: daß du sein preiß gewesen bist
Mit dem es dieser zeit so herrlich könte prangen;
In Norden ist durch dich ein solch licht aufgegangen
Das die gelehrte welt zum Pharus nun erkiest.
Ich schweige! was itzund der Brennen land wird sagen
Da deines gleichen es nicht leichtlich wird erfragen.
Zwar ist verwegenheit daß ich mich untersteh
Dein welt geprießnes thun zu rühmen und zu loben
Apelles wolte nicht vom schuster seyn erhoben
Als er sein urtheil schwang von schuhen in die höh.
Drum machs ichs nach der art der Indianer-weisen
Die drücken ihren mund wenn sie was grosses preisen.
Viel länder reisen durch viel sachen sehen an
Von künsten mancher art viel stunden herzuschwätzen
Und fast zu jedem ding ein wunder-wort zu setzen
Scheint zwar daß der was weiß doch offters wenig kan:
Denn wenn es kömmt daß man was kluges her soll schreiben
Da muß ein plauder-held gewiß zu hause bleiben.
Laufft in die alte zeit und schaut was Griechenland
Vor männer zeigen kan die hochberühmt gewesen
Was Aristoteles und Plato euch läst lesen
Was vom Thucydides und Strabo ist bekant:
Diß hat zwar wohl sein lob doch nicht so diesem gleichet
Was unsers seligsten gelehrter kiel erreichet.
Sucht alte Römer auf und nehmt den Livius
So viel von selbigem noch übrig ist geblieben
Der fürsten psalter-buch was Tacitus geschrieben
Von dem der vorwitz stets was gleiches finden muß
So sich auf unsre zeit und unsern staat läst ziehen
Les’t ietzt den Pufendorff! ihr werdet jene fliehen.
Es rühme Gallien den Gramond und Thuan
Den Serre den Mornay und andre kluge geister
Es poche Spanien Saavedra sey der meister
Der nur die könige staats-klugheit lehren kan;
Es lasse Niederland den Meteran auffstehen
Auch selbst dem Grotius wird Pufendorff vorgehen.
Was wunder! da dein geist allhier sich schwang so hoch
Und den verstand und witz kont allenthalben zeigen
Daß drauff die ehre dich hieß ihren thron besteigen?
Denn stand kommt durch verstand; die tugend adelt noch.
Wer mit verstande nur und tugenden kan prangen
Der wird auch mit der zeit so stand als gut erlangen.
Der Gothen tapffrer Carl vertraute dir den staat
Nach diesem musten dich die Brennus-helden haben
Allwo dein kluger sinn und hohen geistes gaben
Sich höchst-verwunderlich der welt gewiesen hat.
Denn diese kan man recht vor grosse fürsten zehlen
Die kluge diener selbst sich wissen zu erwehlen.
Zu Rom kam niemand vor in ehren-tempel ein
Der durch den tempel nicht der tugend war gegangen;
Alsdenn so kont er erst des adels würd erlangen
Sie muste nicht durch geld und list erkauffet seyn;
Denn tugend ist der stamm daraus der adel sprießet
Die quell aus welcher glück und aller wohlstand fließet.
Es zehlt offt mancher zwar viel edler ahnen her
Er bläht sich drüber auff und pocht auff sein geschlechte
Blickt andre finster an als etwa seine knechte
Denckt: ob ein weiser ihm nicht gleich und edel wär?
Wenn aber man von ihm nimt weg des adels nahmen
So ist sein zierrath hin; Er steht gleich wie die lahmen.
Viel andre macht der Mars durch blutvergiessen groß;
Doch wo nicht sind gepaart die feder und der degen
Vor denen welt und volck sich muß zu füssen legen
So steht der held nur halb und ohne degen bloß.
Denn diß ist nicht genug den hut mit federn zieren
Viel schöner wer sie weiß auch in der hand zu führen.
Wie aber? soll nicht der so gut als jener seyn
Der seinen adelstand durch tugend hat erworben
Als der der ihn geerbt von ahnen die gestorben?
Man schätzt von höherm werth den neusten edelstein.
Nach art und eigenschafft der sterblichen im leben
Sind diß die edelsten die nach dem höchsten streben.
Zwar hat wohl immerzu kunst und geschickligkeit
Das unglück daß zu ihr sich gern der neid gesellet
Der ihren ehren-ruhm verkleinert und vergället;
Doch böser menschen thun besteht nur kurtze zeit
Sie müssen insgemein selbst schlechten nachklang haben:
Denn offt wird nahm und ruhm mit ihrer haut begraben.
Ob schon die sonne selbst das auge dieser welt
Die uns viel gutes thut und alles lebend machet
Von völckern wilder art verflucht wird und verlachet
Auch von dem himmel offt mit wolcken gantz verstellt
Bleibt sie doch sonn und kan ihr nichts den ruhm entziehen
Ob fledermäuse gleich und eulen selbe fliehen.
Drum wer will etwas seyn der zeige sich der welt
Und thu wie du gethan gelehret und geschrieben;
So wird man gleichfals auch ihn ehren loben lieben
Es ist ja nicht genug daß man nur urtheil fällt.
Dort konte Momus zwar viel tadeln und verlachen
Doch aber selber nicht was schlechtes besser machen.
Du stellst mein Pufendorff ein herrlich muster dar!
Dein unermüdter fleiß und feurige begierde
Hat sich der welt gezeigt in recht vollkommner zierde
Und wiese daß an dir was mehr als edles war.
Staats-rechts- und weißheit-lehr beschreibung der geschichte
Und sitten-kunst spielt ietzt von dir mit neuem lichte.
Ach ungemeiner geist! ach schmertzlicher verlust!
Soll denn dein edler kiel schon feyer-abend machen
Und uns nicht ferner mehr beschreiben kluge sachen?
Vergebens! denn der schluß des Höchsten spricht: du must!
Es achtet nicht der tod natur- und völcker-rechte
Er raubt ohn unterscheid die herren wie die knechte.
Gott theilt zwar iedes ding nach maaß und zahlen ein;
Doch unser vorwitz hat noch nicht gewiß ergründet
Warum manch mensch sein end im staffel-jahre findet
Und neun und sieben ihm gefährlich sollen seyn?
Daß neun und viertzig meist und drey und sechzig jahre
Die klugen mehrentheils gebracht zur todten-bahre.
Betrübte derer hertz in blut und thränen schwimmt
Daß euer ehgemahl und vater ist erblasset;
Hemmt eure traurigkeit wo ihr euch selbst nicht hasset!
Wohl dem! der aus der welt so rühmlich abschied nimt
Und vor dis jammerthal den himmel kan ererben;
Es bleibet doch dabey: wir müssen alle sterben.
Was ist das leben doch? nichts als gebrechlich glaß;
Ein nebel wie diß wort wird umgekehrt gelesen
Der unvermerckt verraucht als wär er nie gewesen;
Ein meer voll angst und leid; ein leicht verdorrend graß;
Ein schau-platz den der mensch mit thränen muß beschreiten
Und die abtretende auch thränende begleiten.
Drum stellt das klagen ein was geist und leben schwächt
Und doch nicht mächtig ist die leichen auffzuwecken!
Es lebt der seligste nun sonder qual und schrecken
Und hört von engeln ietzt ein göttlich völcker-recht:
Er sitzt nunmehr bey GOtt in diamantnen zimmern
Wo pracht und herrligkeit wird sonder ende schimmern.
Was weint ihr? weinet nicht! wischt eure wangen ab!
Gott der die wunden schlägt der wird sie auch verbinden
Und wider euren schmertz ein heilsam pflaster finden.
Er bleibt der wittwen trost der waysen schutz und stab.
Gönnt nur dem seligsten daß er vorangegangen
Er wird euch einst im reich der herrligkeit empfangen.
Nun schlaff mein Pufendorff! schlaff biß an grossen tag.
Ach wie viel angst und noth wirst du doch noch verschlaffen
Kein donnrend feld-geschrey kein schwirren grauser waffen
Ist mächtig daß es dir die ruhe stören mag.
Man klagt daß deine hand den frieden nicht beschreibet;
Du aber lebst bey GOtt wo ewig friede bleibet.
Betrübte stehet auf! last uns von hinnen gehn!
Die sonne sinckt zur ruh kommt aber morgen wieder.
Legt buch und ehren-schild itzt bey dem grabe nieder!
Des ruhmes güldne fahn soll bey den sternen stehn;
Und glaubt: so lange noch die welt wird bücher schreiben
Wird Pufendorffes lob und nahm unsterblich bleiben.