Der tugend ehren-ruhm bey absterben ihrer Freyherrl. excellenz des Hn. von Pufen...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Njm grosser Pufendorff! nicht ungenädig auff

Daß ich bey deiner bahr auch lasse thränen flüssen.

Denn weil die wehmuth mich gantz aus mich selbst gerissen

So kan ich meinem schmertz nicht hemmen seinen lauff.

Ich wünschte daß mein geist recht hoch sich könte schwingen

Und dir ein prächtig lied bey deinem grabe singen.

Doch wird dein sanffter geist der nichts von schnöder pracht

Und wort-geprängen hielt auch einfalt nicht verschmähen;

Hat Artaxerxes doch das hertz nur angesehen

Als in der hand ein knecht ihm wasser hat gebracht.

Drum gläntzt mein reim schon nicht von gold und edelsteinen

So gönne daß ich nur mag mit papier erscheinen.

Ich seh daß Teutschland itzt legt flor und schleyer an

Und die gelehrte schaar empfindet leid und schmertzen

Als der dein todes-fall geht leider so zu hertzen

Daß sie vor traurigkeit sich kaum begreiffen kan.

Sie steht bestürtzt erblaßt mit kläglichen geberden

Weil ihre klugen man trägt nach und nach zur erden.

Was aber sag ich doch? ist Teutschland nur allein

Das dich o theurer mann bejammert und beklaget?

Mich dünckt Europa selbst von dem du viel gesaget

Und seinen staat erzehlt wird meistens traurig seyn;

Denn weil dein hoher ruhm weit in der welt erklungen

So wird von musen auch dein tod ietzt weit besungen.

Diß ist gewiß: daß du sein preiß gewesen bist

Mit dem es dieser zeit so herrlich könte prangen;

In Norden ist durch dich ein solch licht aufgegangen

Das die gelehrte welt zum Pharus nun erkiest.

Ich schweige! was itzund der Brennen land wird sagen

Da deines gleichen es nicht leichtlich wird erfragen.

Zwar ist verwegenheit daß ich mich untersteh

Dein welt geprießnes thun zu rühmen und zu loben

Apelles wolte nicht vom schuster seyn erhoben

Als er sein urtheil schwang von schuhen in die höh.

Drum machs ichs nach der art der Indianer-weisen

Die drücken ihren mund wenn sie was grosses preisen.

Viel länder reisen durch viel sachen sehen an

Von künsten mancher art viel stunden herzuschwätzen

Und fast zu jedem ding ein wunder-wort zu setzen

Scheint zwar daß der was weiß doch offters wenig kan:

Denn wenn es kömmt daß man was kluges her soll schreiben

Da muß ein plauder-held gewiß zu hause bleiben.

Laufft in die alte zeit und schaut was Griechenland

Vor männer zeigen kan die hochberühmt gewesen

Was Aristoteles und Plato euch läst lesen

Was vom Thucydides und Strabo ist bekant:

Diß hat zwar wohl sein lob doch nicht so diesem gleichet

Was unsers seligsten gelehrter kiel erreichet.

Sucht alte Römer auf und nehmt den Livius

So viel von selbigem noch übrig ist geblieben

Der fürsten psalter-buch was Tacitus geschrieben

Von dem der vorwitz stets was gleiches finden muß

So sich auf unsre zeit und unsern staat läst ziehen

Les’t ietzt den Pufendorff! ihr werdet jene fliehen.

Es rühme Gallien den Gramond und Thuan

Den Serre den Mornay und andre kluge geister

Es poche Spanien Saavedra sey der meister

Der nur die könige staats-klugheit lehren kan;

Es lasse Niederland den Meteran auffstehen

Auch selbst dem Grotius wird Pufendorff vorgehen.

Was wunder! da dein geist allhier sich schwang so hoch

Und den verstand und witz kont allenthalben zeigen

Daß drauff die ehre dich hieß ihren thron besteigen?

Denn stand kommt durch verstand; die tugend adelt noch.

Wer mit verstande nur und tugenden kan prangen

Der wird auch mit der zeit so stand als gut erlangen.

Der Gothen tapffrer Carl vertraute dir den staat

Nach diesem musten dich die Brennus-helden haben

Allwo dein kluger sinn und hohen geistes gaben

Sich höchst-verwunderlich der welt gewiesen hat.

Denn diese kan man recht vor grosse fürsten zehlen

Die kluge diener selbst sich wissen zu erwehlen.

Zu Rom kam niemand vor in ehren-tempel ein

Der durch den tempel nicht der tugend war gegangen;

Alsdenn so kont er erst des adels würd erlangen

Sie muste nicht durch geld und list erkauffet seyn;

Denn tugend ist der stamm daraus der adel sprießet

Die quell aus welcher glück und aller wohlstand fließet.

Es zehlt offt mancher zwar viel edler ahnen her

Er bläht sich drüber auff und pocht auff sein geschlechte

Blickt andre finster an als etwa seine knechte

Denckt: ob ein weiser ihm nicht gleich und edel wär?

Wenn aber man von ihm nimt weg des adels nahmen

So ist sein zierrath hin; Er steht gleich wie die lahmen.

Viel andre macht der Mars durch blutvergiessen groß;

Doch wo nicht sind gepaart die feder und der degen

Vor denen welt und volck sich muß zu füssen legen

So steht der held nur halb und ohne degen bloß.

Denn diß ist nicht genug den hut mit federn zieren

Viel schöner wer sie weiß auch in der hand zu führen.

Wie aber? soll nicht der so gut als jener seyn

Der seinen adelstand durch tugend hat erworben

Als der der ihn geerbt von ahnen die gestorben?

Man schätzt von höherm werth den neusten edelstein.

Nach art und eigenschafft der sterblichen im leben

Sind diß die edelsten die nach dem höchsten streben.

Zwar hat wohl immerzu kunst und geschickligkeit

Das unglück daß zu ihr sich gern der neid gesellet

Der ihren ehren-ruhm verkleinert und vergället;

Doch böser menschen thun besteht nur kurtze zeit

Sie müssen insgemein selbst schlechten nachklang haben:

Denn offt wird nahm und ruhm mit ihrer haut begraben.

Ob schon die sonne selbst das auge dieser welt

Die uns viel gutes thut und alles lebend machet

Von völckern wilder art verflucht wird und verlachet

Auch von dem himmel offt mit wolcken gantz verstellt

Bleibt sie doch sonn und kan ihr nichts den ruhm entziehen

Ob fledermäuse gleich und eulen selbe fliehen.

Drum wer will etwas seyn der zeige sich der welt

Und thu wie du gethan gelehret und geschrieben;

So wird man gleichfals auch ihn ehren loben lieben

Es ist ja nicht genug daß man nur urtheil fällt.

Dort konte Momus zwar viel tadeln und verlachen

Doch aber selber nicht was schlechtes besser machen.

Du stellst mein Pufendorff ein herrlich muster dar!

Dein unermüdter fleiß und feurige begierde

Hat sich der welt gezeigt in recht vollkommner zierde

Und wiese daß an dir was mehr als edles war.

Staats-rechts- und weißheit-lehr beschreibung der geschichte

Und sitten-kunst spielt ietzt von dir mit neuem lichte.

Ach ungemeiner geist! ach schmertzlicher verlust!

Soll denn dein edler kiel schon feyer-abend machen

Und uns nicht ferner mehr beschreiben kluge sachen?

Vergebens! denn der schluß des Höchsten spricht: du must!

Es achtet nicht der tod natur- und völcker-rechte

Er raubt ohn unterscheid die herren wie die knechte.

Gott theilt zwar iedes ding nach maaß und zahlen ein;

Doch unser vorwitz hat noch nicht gewiß ergründet

Warum manch mensch sein end im staffel-jahre findet

Und neun und sieben ihm gefährlich sollen seyn?

Daß neun und viertzig meist und drey und sechzig jahre

Die klugen mehrentheils gebracht zur todten-bahre.

Betrübte derer hertz in blut und thränen schwimmt

Daß euer ehgemahl und vater ist erblasset;

Hemmt eure traurigkeit wo ihr euch selbst nicht hasset!

Wohl dem! der aus der welt so rühmlich abschied nimt

Und vor dis jammerthal den himmel kan ererben;

Es bleibet doch dabey: wir müssen alle sterben.

Was ist das leben doch? nichts als gebrechlich glaß;

Ein nebel wie diß wort wird umgekehrt gelesen

Der unvermerckt verraucht als wär er nie gewesen;

Ein meer voll angst und leid; ein leicht verdorrend graß;

Ein schau-platz den der mensch mit thränen muß beschreiten

Und die abtretende auch thränende begleiten.

Drum stellt das klagen ein was geist und leben schwächt

Und doch nicht mächtig ist die leichen auffzuwecken!

Es lebt der seligste nun sonder qual und schrecken

Und hört von engeln ietzt ein göttlich völcker-recht:

Er sitzt nunmehr bey GOtt in diamantnen zimmern

Wo pracht und herrligkeit wird sonder ende schimmern.

Was weint ihr? weinet nicht! wischt eure wangen ab!

Gott der die wunden schlägt der wird sie auch verbinden

Und wider euren schmertz ein heilsam pflaster finden.

Er bleibt der wittwen trost der waysen schutz und stab.

Gönnt nur dem seligsten daß er vorangegangen

Er wird euch einst im reich der herrligkeit empfangen.

Nun schlaff mein Pufendorff! schlaff biß an grossen tag.

Ach wie viel angst und noth wirst du doch noch verschlaffen

Kein donnrend feld-geschrey kein schwirren grauser waffen

Ist mächtig daß es dir die ruhe stören mag.

Man klagt daß deine hand den frieden nicht beschreibet;

Du aber lebst bey GOtt wo ewig friede bleibet.

Betrübte stehet auf! last uns von hinnen gehn!

Die sonne sinckt zur ruh kommt aber morgen wieder.

Legt buch und ehren-schild itzt bey dem grabe nieder!

Des ruhmes güldne fahn soll bey den sternen stehn;

Und glaubt: so lange noch die welt wird bücher schreiben

Wird Pufendorffes lob und nahm unsterblich bleiben.