Der unsterbliche Fönix die Seele Bey Beerdigung Hn. G. v. S. entworffen den 10. ...

By Heinrich Mühlpfort

Wo sich das Morgen-Licht in ersten Rosen weiset

Weit hinter Indien blüht ein geheiligt Wald

Das schöne Wunder-Thier so man den Fönix preiset

Hat hier sein Vaterland und steten Aufenthalt.

Er wohnet hochbeglückt als Nachbar bey den Sternen

Weil ihm verjüngte Krafft ein ewig Leben gibt

Kennt keinen Hunger nicht wird sich vom Trauck entfernen

Indem ihm eintzig nur der Sonnen-Glantz beliebt.

Der Augen glüend Blitz streut gleichsam lichte Funcken

Es spitzt sich als ein Stern der Kamm auf seinem Haupt

Die Beine scheinen wie vom Blut der Schnecken truncken

Die Federn Himmel-blau mit Golde reich belaubt.

Ein güldner Zirckel flicht sich umb deß Halses Gräntzen

Des Rückens stoltze Pracht sticht auch den Purpur hin

Ja was mehr wunderns werth er kan sich seibst ergäntzen

Und wird auß eigner Asch am schönsten wieder blühn.

Der wenn nun tausend Jahr in ihrem Lauff verflossen

Nimmt gleich dem Monden ab an Kräfften und Gestalt

Der Augen hell Crystall starrt als vom Frost geschlossen

Es wanckt der gantze Leib wie Fichten die sehr alt.

Denn denckt er auf sein Grab und wieder neue Wiegen

Er baut ihm selbst die Baar von Zimmet-Stauden auf

Er trägt in solchem Nest bequem und wol zu liegen

Amom und Narden zu und streut viel Kräuter drauff.

Denn rufft er mit Gesang der Sonnen heisse Stralen

Sich und auch seinen Sarch zu stecken in den Brand

Wirfft so sein Alter weg deß Leibes dürre Schalen

Sucht mitten in dem Tod deß Lebens neuen Stand.

Hier müht sich die Natur daß nicht ihr Schatz verderbe

Sie mahnt die Flammen an daß sie nicht schädlich seyn

Daß nicht ihr Trost und Ruhm der edle Vogel sterbe

So geust sie neue Krafft den zarten Gliedern ein.

Die Asche fängt sich an wie lebendig zu rühren

Das Grab weicht der Geburt was vor gestorben lebt.

Es ist nach kurtzer Zeit der Fönix neu zu spüren

Den gleicher Farbe Glantz und Herrligkeit erhebt.

Bild der Unsterbligkeit! Und Abriß unsrer Seele!

So sich dem Fönix gleich in vielen Stücken zeigt

Die ob sie zwar umbringt noch in des Leibes Höle

Doch ihrem Ursprung nach siets zu dem Himmel steigt.

Der Plato wird entzückt wenn er ihr heilig Wesen

Unendlich ewig klug allwissend göttlich nennt.

Man kan den Seneca in seinem Schreiben lesen

Der sie vor einen Gott noch in dem Leib erkennt.

Alleine was ist das für jenem grossen Lichte

Fürm Glantz der Ewigkeit wo sie einst wohnen soll

Der Fönix wendet stets zur Sonnen sein Gesichte:

Sie muß auf Christum sehn so thut sie recht und wol

Er der Gerechtigkeit und auch des Lebens Sonne

Wird seine werthe Braut die er so theur erlöst

Mit Stralen voller Huld mit Blicken höchster Wonn

Entzünden daß sie sich im Tod deß Lebenströst

Und weiß wie sie durch ihn zum Leben neu gebohren

Daß sie dem Fönix gleich durchs Sterben sich verneut

Daß weder Haut noch Bein von unserm Fleisch verlohren

Und daß es nur verwest zu größrer Herrligkeit.

Der Fönix lebt gantz rein holt Balsam aus Jdumen

Sucht Würtz und Kräuter zu ist ohne Raub und List

Erhält sein Leben nur von dem Geruch der Blumen

Indem auß Mässigkeit er weder trinckt noch ißt.

Die Seele hasset auch der Sünden schwartze Flecken

Und will ein gut

Wird für der Laster-Schaar als ihrem Feind erschrecken

Und hält den Uberfluß für seine Straff und Pein.

Der Fönix wenn er matt und krafft los ist an Gliedern

Fleht an umb seinen Tod die Fackel dieser Welt

Weiß daß ihm solcher Brand das Leben kan erwiedern

Daß diß was ihn verzehrt auch gleiches Falls erhällt:

Nichts anders machts die Seel in ihres Kerckers Schrancken

Wo sie der Glieder Last fast zu der Erden drückt.

Wo sie sich stündlich muß mit den Begierden zancken

Und sie bald hier bald dort des Feindes Garn berückt.

Sie wünschet frey zu seyn ihr eintziges Verlangen

Ist vor des Höchsten Thron und Majestät zu stehn

Sie wird mit grosser Lust den blassen Tod empfangen

Der sie vom Leben auß heist in den Himmel gehn.

Dahin ist auch nach Wunsch

So Eckel und Verdruß vom Leben nur empfieng

Denn als der beste Theil der Jahre war verglommen

Und der geschwächte Leib zu seinem Ende gieng:

Hat diß was irrdisch war ihn weiter nicht ergetzet

Er schwang nach Fönix Art sich zu der Sternen Höh:

Hat alle Zuversicht auf seinen GOtt gesetzet

Und mit Gedult bekämpfft der Schmertzen langes Weh.

Mehr weil der Menschen Ziel so gar genau verschrencket

Der Tage schnelle Flucht als wie ein Schatten weicht

So war sein fromm Gemüth und Thun dahin gelencket

Daß Krafft der Tugend er ein ewig Lob erreicht.

Wo diese Rednerin ein Grabmal uns bereitet

Ist vieler Wörter Pracht und Zierath gantz umbsonst:

Der allerschönste Klang der uns zu Grabe leitet

Verbleibt ein gut Gerücht und frommer Menschen Gunst:

Die hochgeschätzte Kunst die offt die Grüffte zieret

Veraltet mit der Zeit und sinckt in ihrer Nacht.

Der wem der Tugend Hand ein Ehren-Mahl auffsühret

Hält niegesuchten Ruhm für seine beste Pracht.

Herr Schmettau lebt noch hier in Kindern und Gemüthern

Sein minster Theil verdirbt und wird der Würme Raub

Und seine Seele schwebt jetzt bey des Himmels Gütern

Indem der murbe Leib wird Asche Koth und Staub.

Doch soll aus dieser Asch auch noch ein Fönix werden

Und in verjüngter Krafft zum Leben aufferstehn

Wir trauen unsern Leib der Mutter-Schoß der Erden

Biß daß ihn Gottes Schluß heist zu Gerüchte gehn.