Der unsterbliche Fönix die Seele Bey Beerdigung Hn. G. v. S. entworffen den 10. ...
Wo sich das Morgen-Licht in ersten Rosen weiset
Weit hinter Indien blüht ein geheiligt Wald
Das schöne Wunder-Thier so man den Fönix preiset
Hat hier sein Vaterland und steten Aufenthalt.
Er wohnet hochbeglückt als Nachbar bey den Sternen
Weil ihm verjüngte Krafft ein ewig Leben gibt
Kennt keinen Hunger nicht wird sich vom Trauck entfernen
Indem ihm eintzig nur der Sonnen-Glantz beliebt.
Der Augen glüend Blitz streut gleichsam lichte Funcken
Es spitzt sich als ein Stern der Kamm auf seinem Haupt
Die Beine scheinen wie vom Blut der Schnecken truncken
Die Federn Himmel-blau mit Golde reich belaubt.
Ein güldner Zirckel flicht sich umb deß Halses Gräntzen
Des Rückens stoltze Pracht sticht auch den Purpur hin
Ja was mehr wunderns werth er kan sich seibst ergäntzen
Und wird auß eigner Asch am schönsten wieder blühn.
Der wenn nun tausend Jahr in ihrem Lauff verflossen
Nimmt gleich dem Monden ab an Kräfften und Gestalt
Der Augen hell Crystall starrt als vom Frost geschlossen
Es wanckt der gantze Leib wie Fichten die sehr alt.
Denn denckt er auf sein Grab und wieder neue Wiegen
Er baut ihm selbst die Baar von Zimmet-Stauden auf
Er trägt in solchem Nest bequem und wol zu liegen
Amom und Narden zu und streut viel Kräuter drauff.
Denn rufft er mit Gesang der Sonnen heisse Stralen
Sich und auch seinen Sarch zu stecken in den Brand
Wirfft so sein Alter weg deß Leibes dürre Schalen
Sucht mitten in dem Tod deß Lebens neuen Stand.
Hier müht sich die Natur daß nicht ihr Schatz verderbe
Sie mahnt die Flammen an daß sie nicht schädlich seyn
Daß nicht ihr Trost und Ruhm der edle Vogel sterbe
So geust sie neue Krafft den zarten Gliedern ein.
Die Asche fängt sich an wie lebendig zu rühren
Das Grab weicht der Geburt was vor gestorben lebt.
Es ist nach kurtzer Zeit der Fönix neu zu spüren
Den gleicher Farbe Glantz und Herrligkeit erhebt.
Bild der Unsterbligkeit! Und Abriß unsrer Seele!
So sich dem Fönix gleich in vielen Stücken zeigt
Die ob sie zwar umbringt noch in des Leibes Höle
Doch ihrem Ursprung nach siets zu dem Himmel steigt.
Der Plato wird entzückt wenn er ihr heilig Wesen
Unendlich ewig klug allwissend göttlich nennt.
Man kan den Seneca in seinem Schreiben lesen
Der sie vor einen Gott noch in dem Leib erkennt.
Alleine was ist das für jenem grossen Lichte
Fürm Glantz der Ewigkeit wo sie einst wohnen soll
Der Fönix wendet stets zur Sonnen sein Gesichte:
Sie muß auf Christum sehn so thut sie recht und wol
Er der Gerechtigkeit und auch des Lebens Sonne
Wird seine werthe Braut die er so theur erlöst
Mit Stralen voller Huld mit Blicken höchster Wonn
Entzünden daß sie sich im Tod deß Lebenströst
Und weiß wie sie durch ihn zum Leben neu gebohren
Daß sie dem Fönix gleich durchs Sterben sich verneut
Daß weder Haut noch Bein von unserm Fleisch verlohren
Und daß es nur verwest zu größrer Herrligkeit.
Der Fönix lebt gantz rein holt Balsam aus Jdumen
Sucht Würtz und Kräuter zu ist ohne Raub und List
Erhält sein Leben nur von dem Geruch der Blumen
Indem auß Mässigkeit er weder trinckt noch ißt.
Die Seele hasset auch der Sünden schwartze Flecken
Und will ein gut
Wird für der Laster-Schaar als ihrem Feind erschrecken
Und hält den Uberfluß für seine Straff und Pein.
Der Fönix wenn er matt und krafft los ist an Gliedern
Fleht an umb seinen Tod die Fackel dieser Welt
Weiß daß ihm solcher Brand das Leben kan erwiedern
Daß diß was ihn verzehrt auch gleiches Falls erhällt:
Nichts anders machts die Seel in ihres Kerckers Schrancken
Wo sie der Glieder Last fast zu der Erden drückt.
Wo sie sich stündlich muß mit den Begierden zancken
Und sie bald hier bald dort des Feindes Garn berückt.
Sie wünschet frey zu seyn ihr eintziges Verlangen
Ist vor des Höchsten Thron und Majestät zu stehn
Sie wird mit grosser Lust den blassen Tod empfangen
Der sie vom Leben auß heist in den Himmel gehn.
Dahin ist auch nach Wunsch
So Eckel und Verdruß vom Leben nur empfieng
Denn als der beste Theil der Jahre war verglommen
Und der geschwächte Leib zu seinem Ende gieng:
Hat diß was irrdisch war ihn weiter nicht ergetzet
Er schwang nach Fönix Art sich zu der Sternen Höh:
Hat alle Zuversicht auf seinen GOtt gesetzet
Und mit Gedult bekämpfft der Schmertzen langes Weh.
Mehr weil der Menschen Ziel so gar genau verschrencket
Der Tage schnelle Flucht als wie ein Schatten weicht
So war sein fromm Gemüth und Thun dahin gelencket
Daß Krafft der Tugend er ein ewig Lob erreicht.
Wo diese Rednerin ein Grabmal uns bereitet
Ist vieler Wörter Pracht und Zierath gantz umbsonst:
Der allerschönste Klang der uns zu Grabe leitet
Verbleibt ein gut Gerücht und frommer Menschen Gunst:
Die hochgeschätzte Kunst die offt die Grüffte zieret
Veraltet mit der Zeit und sinckt in ihrer Nacht.
Der wem der Tugend Hand ein Ehren-Mahl auffsühret
Hält niegesuchten Ruhm für seine beste Pracht.
Herr Schmettau lebt noch hier in Kindern und Gemüthern
Sein minster Theil verdirbt und wird der Würme Raub
Und seine Seele schwebt jetzt bey des Himmels Gütern
Indem der murbe Leib wird Asche Koth und Staub.
Doch soll aus dieser Asch auch noch ein Fönix werden
Und in verjüngter Krafft zum Leben aufferstehn
Wir trauen unsern Leib der Mutter-Schoß der Erden
Biß daß ihn Gottes Schluß heist zu Gerüchte gehn.