Der unvergessene Amaranth Bey Christ-Adel. Beerdigung Hn. G. R. v. F. im Majo 16...

By Heinrich Mühlpfort

Als sich der süsse Lentz in holder Anmuth zeigte

Und die belebte Lufft wie Diamanten schien’

Als sich der Himmel selbst zu seiner Erden neigte

Und wolt’ ihr wiederumb den Sommer-Rock anziehne

Hat Flora sich bemüht ihr Garten-Werck zu bauen

Sie rief den Westen-Wind als ihren Liebsten an

Er solte Safft und Krafft auf ieder Lust-Stück thauen

Und durch den linden Hauch beseelen ihren Plan.

Die Sonne stimmte bey mit reichen Gnaden-Blicken

Der Monde sagt ihr nichts als Fruchtbarkeiten zu

Die Lufft die wolte sich nach ihrem Willen schicken

Mit Regen milde seyn den Winden schaffen Ruh.

Drauff hat sie ingesambt die Gratien gebeten

Sie möchten bey der Lust doch nur Gehülffin seyn

Es würden auch hierzu die Feld-Napeen treten

Und Samen bringen mit und Pflantzen sencken ein.

Drauff sind nach ihrem Wunsch die Nymfen alle kommen

Und haben mit Begier den Garten angelegt

Die Flora hat zu erst den Rosen-Stock genommen

Weil sie ihr buntes Kleid damit zu zieren pflegt.

Den Gratien beliebt der Stengel weisser Lilgen

Denn ihre Reinligkeit sucht eben solchen Glantz.

Beynebenst Roßmarin den nicht der Frost kan tilgen

Der unbefleckte Strauch mehrt ihren Ehren-Krantz.

Das andere Nymfen-Volck küst Blumen von dem Orden

Der Buhler wo Narciss die Oberstelle hat

Weil seine Schönheit ist sein Meuchel-Mörder worden

Das weiche Hochzeit-Bett’ ein eitle Grabesstat.

Die hat den Hyacinth der Sonnen-Schatz erkohren

Und jen’ ein’ Anemon’ in ihrer Purpurtracht

Ein andre Clytien so mit dem Tag gebohren

Und mit dem Tage sich auch wieder schlaffen macht.

Hier stieß des Saffrans Gold dort der Jeßminen Seele

Den stärcksten Balsam aus der den Geruch ergetzt

Die Myrrhen schwitzten noch ihr brünstig Liebes-Oele

Nebst welchen nach der Rey Citronen eingesetzt.

Der Garten war nunmehr dem Himmel zu vergleichen

Die Blumen konten da die schönsten Sterne seyn

Als Febus und sein Chor von dem Parnassus weichen

Und stellen sich behend’ in Florens Lust-Haus ein.

Es sey uns auch vergönnt sprach eine Pierinne

Weil der Apollo wil zusetzen unsre Blum

Jhr Nam’ heist

So schätzt der Grieche hoch der Amaranthen Ruhm.

Diß schöne Tausendschön der Musen liebste Pflantze

Sol unvergänglich seyn und ewig lieblich blühen

Es brauchet unser Fürst die Blume selbst zum Krantze.

Drumb ist die Fürsten-Blum auch andern vorzuziehn.

Nimm Flora dieser wahr daß sie kein Wurm beflecke

Daß keine Raupe nicht an ihren Blättern nagt

Daß sie kein kalter Wind noch gifftig Thau erstecke.

Und dencke daß die Zeit von deiner Pflegung sagt.

Bald ist die gantz Rey der Musen weggezogen

Der niedlich’ Amaranth wächst prächtig in die Höh’

Die Sonne lacht ihn’ an vom blauen Himmels-Bogen

Die Hitze brennt ihn nicht noch irgend rauher Schnee

Ein wundernd’ Aug’ erstarrt ob diesen Liebligkeiten

Der Rose Purpur stirbt die Lilgen werden blaß

Nur seine Schönheit lebt und die Vollkommenheiten

Erregen bey dem Heer der Blumen schier den Haß.

Die Chloris weiß ihr Glück nicht sattsam zu erheben

Umb daß ihr Garten war ein Paradiß der Lust

Das diesen Amaranth die Musen selbst gegeben

Dem keine Wechselung der Zeiten sey bewust.

Doch allzuschnelle Freud’ und ungegründtes schliessen

Der Frühling hatte sich dem Sommer kaum genaht

Als von der Hitze Gluth die Blume hingerissen

Der matte Stengel dorrt es welckt das schöne Blat.

Früh’ eh der Tag erwacht eilt Flora ihre Bilder

Und unter diesen nur den Amaranth zu sehn

Der Seuffzer trüber Schall klingt durch die Lust-Gefilder

Und bleich erschrecken lehrt das Unglück sey geschehn.

Die Blumen prangten nicht sie hingen ihre Cronen

Und düstre Traurigkeit lag auff dem trüben Feld

Sie fraget gantz bestürtzt die nechsten Anemonen

Und hört ihr Tausendschön sey aus der Blumen-Welt.

Und Chloris auch zugleich rief sie mit vollem wimmern

Und riß den lichten Rock der Sternen trotzt’ entzwey

Man sah kein einzig Glied wie vor von Schönheit schimmern

Die Wehmuth lehrte schon wer ihr gestorben sey.

Ach rieff sie abermahls welch Unstern der Cometen

Ist auff mein Reich verhetzt hat je ein Ohr gehört

Daß auch der Himmel wil aus Neid die Blumen tödten

Die seine Hoheit doch gebücket stets geehrt.

Wie mir nur einzig lieb mein Amaranth gewesen

Das werthe Tausendschön weiß auch der Musen Schaar

Die Götter sollen selbst auf ieden Blumen lesen

Das nur mein Augen-Trost die werthe Pflantze war.

Jm Aufwachs zarter Jahr’ in so beliebten Tagen

Reist unvermerckte Hitz all unsre Hoffnung ein;

Nur was noch übrig ist muß ich zu Grabe tragen

Doch sol der Name stets bey mir geheiligt seyn.

Auf meine Nymfen auf und windet Trauer-Kräntze

Brecht die Cypressen ab und auch den Eybenbaum

Hegt umb mein Tausendschön die herben Todes-Täntze.

Gebt ungehemmtem Leid nur freyen Platz und Raum.

Es sollen Blumen stets den lieben Ort umschliessen

Und die

Wenn auf den Stengeln früh die Thränen werden fliessen

So weiß man daß es umb den Amaranth geschehn

Den mir hinweggerafft der Hitze dürres Fieber

Pflantzt ihm den Ehren-Preiß ihr Nymfen doch aus Pflicht

Ich setz’ ihm diese Blum je länger und je lieber

Mein letztes Opffer ist das Kraut