Der unvergessene Amaranth Bey Christ-Adel. Beerdigung Hn. G. R. v. F. im Majo 16...
Als sich der süsse Lentz in holder Anmuth zeigte
Und die belebte Lufft wie Diamanten schien’
Als sich der Himmel selbst zu seiner Erden neigte
Und wolt’ ihr wiederumb den Sommer-Rock anziehne
Hat Flora sich bemüht ihr Garten-Werck zu bauen
Sie rief den Westen-Wind als ihren Liebsten an
Er solte Safft und Krafft auf ieder Lust-Stück thauen
Und durch den linden Hauch beseelen ihren Plan.
Die Sonne stimmte bey mit reichen Gnaden-Blicken
Der Monde sagt ihr nichts als Fruchtbarkeiten zu
Die Lufft die wolte sich nach ihrem Willen schicken
Mit Regen milde seyn den Winden schaffen Ruh.
Drauff hat sie ingesambt die Gratien gebeten
Sie möchten bey der Lust doch nur Gehülffin seyn
Es würden auch hierzu die Feld-Napeen treten
Und Samen bringen mit und Pflantzen sencken ein.
Drauff sind nach ihrem Wunsch die Nymfen alle kommen
Und haben mit Begier den Garten angelegt
Die Flora hat zu erst den Rosen-Stock genommen
Weil sie ihr buntes Kleid damit zu zieren pflegt.
Den Gratien beliebt der Stengel weisser Lilgen
Denn ihre Reinligkeit sucht eben solchen Glantz.
Beynebenst Roßmarin den nicht der Frost kan tilgen
Der unbefleckte Strauch mehrt ihren Ehren-Krantz.
Das andere Nymfen-Volck küst Blumen von dem Orden
Der Buhler wo Narciss die Oberstelle hat
Weil seine Schönheit ist sein Meuchel-Mörder worden
Das weiche Hochzeit-Bett’ ein eitle Grabesstat.
Die hat den Hyacinth der Sonnen-Schatz erkohren
Und jen’ ein’ Anemon’ in ihrer Purpurtracht
Ein andre Clytien so mit dem Tag gebohren
Und mit dem Tage sich auch wieder schlaffen macht.
Hier stieß des Saffrans Gold dort der Jeßminen Seele
Den stärcksten Balsam aus der den Geruch ergetzt
Die Myrrhen schwitzten noch ihr brünstig Liebes-Oele
Nebst welchen nach der Rey Citronen eingesetzt.
Der Garten war nunmehr dem Himmel zu vergleichen
Die Blumen konten da die schönsten Sterne seyn
Als Febus und sein Chor von dem Parnassus weichen
Und stellen sich behend’ in Florens Lust-Haus ein.
Es sey uns auch vergönnt sprach eine Pierinne
Weil der Apollo wil zusetzen unsre Blum
Jhr Nam’ heist
So schätzt der Grieche hoch der Amaranthen Ruhm.
Diß schöne Tausendschön der Musen liebste Pflantze
Sol unvergänglich seyn und ewig lieblich blühen
Es brauchet unser Fürst die Blume selbst zum Krantze.
Drumb ist die Fürsten-Blum auch andern vorzuziehn.
Nimm Flora dieser wahr daß sie kein Wurm beflecke
Daß keine Raupe nicht an ihren Blättern nagt
Daß sie kein kalter Wind noch gifftig Thau erstecke.
Und dencke daß die Zeit von deiner Pflegung sagt.
Bald ist die gantz Rey der Musen weggezogen
Der niedlich’ Amaranth wächst prächtig in die Höh’
Die Sonne lacht ihn’ an vom blauen Himmels-Bogen
Die Hitze brennt ihn nicht noch irgend rauher Schnee
Ein wundernd’ Aug’ erstarrt ob diesen Liebligkeiten
Der Rose Purpur stirbt die Lilgen werden blaß
Nur seine Schönheit lebt und die Vollkommenheiten
Erregen bey dem Heer der Blumen schier den Haß.
Die Chloris weiß ihr Glück nicht sattsam zu erheben
Umb daß ihr Garten war ein Paradiß der Lust
Das diesen Amaranth die Musen selbst gegeben
Dem keine Wechselung der Zeiten sey bewust.
Doch allzuschnelle Freud’ und ungegründtes schliessen
Der Frühling hatte sich dem Sommer kaum genaht
Als von der Hitze Gluth die Blume hingerissen
Der matte Stengel dorrt es welckt das schöne Blat.
Früh’ eh der Tag erwacht eilt Flora ihre Bilder
Und unter diesen nur den Amaranth zu sehn
Der Seuffzer trüber Schall klingt durch die Lust-Gefilder
Und bleich erschrecken lehrt das Unglück sey geschehn.
Die Blumen prangten nicht sie hingen ihre Cronen
Und düstre Traurigkeit lag auff dem trüben Feld
Sie fraget gantz bestürtzt die nechsten Anemonen
Und hört ihr Tausendschön sey aus der Blumen-Welt.
Und Chloris auch zugleich rief sie mit vollem wimmern
Und riß den lichten Rock der Sternen trotzt’ entzwey
Man sah kein einzig Glied wie vor von Schönheit schimmern
Die Wehmuth lehrte schon wer ihr gestorben sey.
Ach rieff sie abermahls welch Unstern der Cometen
Ist auff mein Reich verhetzt hat je ein Ohr gehört
Daß auch der Himmel wil aus Neid die Blumen tödten
Die seine Hoheit doch gebücket stets geehrt.
Wie mir nur einzig lieb mein Amaranth gewesen
Das werthe Tausendschön weiß auch der Musen Schaar
Die Götter sollen selbst auf ieden Blumen lesen
Das nur mein Augen-Trost die werthe Pflantze war.
Jm Aufwachs zarter Jahr’ in so beliebten Tagen
Reist unvermerckte Hitz all unsre Hoffnung ein;
Nur was noch übrig ist muß ich zu Grabe tragen
Doch sol der Name stets bey mir geheiligt seyn.
Auf meine Nymfen auf und windet Trauer-Kräntze
Brecht die Cypressen ab und auch den Eybenbaum
Hegt umb mein Tausendschön die herben Todes-Täntze.
Gebt ungehemmtem Leid nur freyen Platz und Raum.
Es sollen Blumen stets den lieben Ort umschliessen
Und die
Wenn auf den Stengeln früh die Thränen werden fliessen
So weiß man daß es umb den Amaranth geschehn
Den mir hinweggerafft der Hitze dürres Fieber
Pflantzt ihm den Ehren-Preiß ihr Nymfen doch aus Pflicht
Ich setz’ ihm diese Blum je länger und je lieber
Mein letztes Opffer ist das Kraut