Der unverhoffte Trost.

By Barthold Heinrich Brockes

Von vielen Sorgen überhäuft, von trüber Schwermuht

recht gedrücket,

Trat ich, bey dunkler Abendzeit, vor meines Hauses offne

Thür,

Sah eine Zeitlang vor mir nieder, mich nagt’, fast über die

Gebühr,

Ein schwarzer Schmerz, ein dunkler Gram, der meinen

ganzen Geist bestricket;

Kaum aber schlug ich ungefehr

Die trüben Augen in die Höhe, so fiel das helle Sternen-

Heer,

Und, vom entwölkten Firmament, voll Dunkelheit, vermischt

mit Licht,

Das ehrenwürdige Spectakel, auf einmahl schnell mir ins

Gesicht.

Ich fuhr, als wie von einem Strahl und Anblick unverhoffter

Flammen

Gerührt und gleichsam ganz durchdrungen, auf einmahl

schnell in mir zusammen.

Sogleich verschwand, als wie ein Blitz, des trüben Kummers

finstre Nacht;

Es ward in meiner Seelen helle, des dunklen Himmels lichte

Pracht

Zertrennte schnell des Unmuhts Duft, als wie ein Licht die

Finsternissen.

Ich ward aus meiner Schwermuht Tiefe recht mit Gewalt

herausgerissen,

Und in der Ruhe Port geführt. Noch eh ich mich worauf

besann,

Fing sich, in meinem finstern Wesen, ein gleichsam neues

Wesen an.

Wie konnt’ auch dieses anders seyn? Des Schöpfers

allergrößten Werke,

Die hellen Zeugen Seiner Liebe, die Proben Seiner weisen

Stärke,

Entdeckten GOttes Gegenwart. Bey solchem wunderbaren

Licht

Bestund das Heer des dunklen Grams, die Menge schwarzer

Sorgen nicht;

Sie schwunden wie die leichten Schatten, durch die der

Strahl der Sonne bricht.

Mich tröstete, belebte, stärkte auf Seine

Vertrauen,

Auf Seine

bald zu schauen,

Und auf die göttliche

sicht.