Der unvermuthete verlust Frauen Sabina Menntzelin gebohrner Zö- bin an ihren Hn....

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein freund ich dachte zwar es solten meine zeilen

Vor dißmahl ein begrif von tausend wüntschen seyn;

So aber wird der brief zu lauter donner-keilen

Die feder tauchet sich in blut und thränen ein.

Ich zittre dir ein wort ein hartes wort zu sagen

Ach thränen nehmet doch das amt der zungen an!

Der gantz verborgne GOtt hat an den knauff geschlagen

Und einen schweren riß in all dein heil gethan.

Es liegt der mund erblaßt der deinen zarten wangen

Als dich das licht umfieng die ersten küsse gab;

Die edle mutter ist uns aus den augen gangen

Und deinen besten trost umfaßt ein todten-grab.

Ach unverhoffter fall der uns das blut der seelen

Die grimme thränen-fluth aus hertz und augen prest!

Ich selber finde mich in so verworrnen hölen

So daß der bittre schmertz mich selbst nicht fassen läst.

Ein tod der als ein schlaf die augen überzogen

Nahm den entbundnen geist aus seiner wohnung hin;

Gleich als das licht der welt stieg an die himmels-bogen

Umbgab die lange nacht den neuen Seraphin.

Der menschen letzter feind verlohr hier seinen nahmen

Er sah als wie ein freund und naher bruder aus.

Denn als aus Sions-burg die letzten wincke kamen

Brach er gantz unvermerckt der seelen bauges hauß.

Ein kurtzer augenblick gab sie an dessen seiten

Der seinen nahmen ihr zum letzten seustzer lieh;

Denn den sie nie verließ der muste sie begleiten

Dahin wo heil und trost verzuckert qval und müh.

Die welt vermist an ihr ein muster vieler frauen

Wo alle tugenden sich ihren sitz erkiest;

Denn nichts verstelltes war an ihr durchaus zu schauen

Was sonst der argen welt gewohnter zierath ist.

Der kirchen fehlt ein glied von ungemeiner güte

Ein glied das iederzeit des Höchsten tempel war:

Der arme klagt die hand wir aber ihr gemüthe;

Kurtz: Unser kleinod liegt auff einer todten-baar.

So seufftzt die gantze stadt! drum schweigen meine wörter

Dergleichen lebens-lauff beschämet allen ruhm;

Zudem bewohnt der geist schon die bestirnten örter

Und hat der engel lob zu seinem eigenthum.

Jhr schmertzlicher verlust ist hier zwar zu betrauren

Jedoch der seelen stand nimmt keine thränen an:

Denn ihre seele wohnt in den saphirnen mauern

Wo kein verschlagner feind den frieden stöhren kan.

Drum überlieffern wir mein freund dir alle thränen

Du bists den GOttes hand am allermeisten schlägt:

Denn deine wunde hat nach pflastern sich zu sehnen

Weil man dein schutz-gestirn dir aus den augen trägt.

Allein begreiffe dich und mindre deine klagen

Was dir aus hertze stöst ist eine vater-hand;

Wenn hat der treue GOtt verwundet und geschlagen

Da nicht sein arm zugleich den schaden selbst verband

Ist schon die mutter hin so steht doch der zur seiten

Der vielmahls wunderlich doch niemahls böse führt

Der wird durch seinen geist dich überall begleiten

Biß einst der tugend lohn dein wehrtes haupt beziert.

Wohlan so trockne nun die überschwemmten wangen

Und schau der mutter heyl mit heitern augen an:

Wer in die seeligkeit so still und sanfft gegangen

Mit diesem hat der tod recht als ein freund gethan.