Der unverwelckte Amaranth oder Tausendschön Bey frühzeitigem Erblassen Hn. P. C....
Gjeßt Nimfen eure heisse Zähren
Auff diesen kalten Leichen-Stein.
Der Eltern hoffen und begehren
Jhr Kleinod schleust der Sarch jetzt ein.
Streut Blumen aus denn eure Blume
Die lieblich’ Amarant erblast.
Singt ihr ein Lied zum Ehren-Ruhme
Das Lieb’ und Treu hat abgefast.
Ob schon des Winters kaltes Rasen
Den Gärten ihren Purpur nimmt
Und für der Lüffte strengem blasen
Nichts weiter mehr zum Wachsthum kömmt:
So blüht doch eure Amaranthe
Das wunder-holde Tausendschön
Und wird des Himmels Anverwandte
Dort unter Cherubinen stehn
Die Vor-Welt hat ihr zugeschrieben
Daß ihre Pracht unsterblich sey.
Wenn nichts von Blumen übrig blieben
Krönt ihren Strauch ein ewig May.
Es weichen ihr die bunten Nelcken
Der Tulpen Sammt der Lilgen Schnee.
Wenn diese fangen an zu welcken
Steigt ihre Blume in die Höh.
Es mag ein tieffer Schnee sie decken
Sie blühet unter Frost und Eiß.
Der Hundsstern kan sie nicht erschrecken
Jhr macht des Sommers Gluth nicht heiß.
Egypten hat sie hoch geschätzet
Und von der Blumen Liebligkeit
Den Alten Kronen auffgesetzet
Zum Zeichen der gesunden Zeit.
Sagt Nymfen ob des Lebens Grüne
Und Anmuth von der Seel’gen weicht?
Ob die verschwesterte
Sich nicht den Amaranthen gleicht?
Wir sehen sie zwar hier erblassen
Doch nur zu größrer Herrligkeit:
Denn sie wird dort ein Glantz umbfassen
Der edlen Steinen Kampf anbeut.
Die Augen so jetzund versincken
Verklärt ein Diamanten Licht.
Sie sollen wie die Sterne blincken
Und schauen GOttes Angesicht.
Denckt nicht daß die Gestalt verfallen
Noch daß die Wangen sich gebleicht;
Weil sie mit lebenden Corallen
Die Hand des HErren überzeucht.
Der blasse Mund wird als Rubinen
In angenehmster Röthe stehn.
Die Glieder weisser als Jesminen
Ins Schloß der Ewigkeit eingehn.
Es flicht dem Kronen-reichen Haare
Die Huld der Engel Lorbern ein.
Wie kan denn nun die schwartze Bahre
Der Seeligen Behältnüß seyn?
Nein unser Amaranthe blühet
Weit schöner noch als Tausendschön
Nun Sie ihr Unschulds-Kleid anziehet
Das hell’ als wie der Sterne Höh’n.
Jhr unverweßliches Gepränge
Sticht aller Blumen Schönheit weg
Und ihrer Freuden Läng’ und Menge
Begräntzt der Ewigkeiten Zweck.
Der Gärten Amaranthen kleidet
Die Purpur-braune Liebligkeit.
Die Seel’ge so in Rosen weidet
Bey noch gar frischer Tages-Zeit
Geht jetzt durch des Erlösers Wunden
Bepurpert zu dem Leben ein
Und hat den Bräutigam gefunden
Weil ihrer Andacht Ampel rein.
Ein Heide nennt das Grab voll Schrecken
Ein Hauß der langen Einsamkeit.
Ein Nest wo sich nur Schlangen hecken
Wo nichts als schwartze Dunckelheit.
Wir wissen daß des Lebens Sonne
Der Aufferstehung Morgenröth
In unumbschrenckter Lust und Wonne
Mit uns aus unserm Grabe geht.
Lebt Amaranth durchs Wasser wieder
So bald dasselb’ ihn nur benetzt.
Ach wie viel mehr wird unsre
Die in der Erden Schoß versetzt
Des HErren Geist lebendig machen
Sein mächtig Athem hauchen an!
Daß sie wenn Welt und Himmel krachen
Beschreiten jene Freuden-Bahn.
Folgt schönste Nymfen folgt der Leichen
Und füget diese Grabschrifft bey:
Die Amaranthe so zugleichen
War einem Blumen-vollen May;
Der Mutter inniglich Ergetzen
Deß Vatern Augentrost und Licht;
Sieht man zwar hier in Sand versetzen
Doch raubt sie die Verwesung nicht.