Der verbrandte Cupido.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Die liebliche Dione

Der schönheit schönste krone

Saß nechst auf ihrem throne

Und rief dem kleinen sohne

Dem nackten flügel-schützen

Dem schützen der mit flitzen

Kan vieler hertz zerschlitzen

Und tieffe wunden ritzen

Und heisse flammen sprützen.

Komm sagte sie geliebter

Jm lieben ausgeübter

Und bitte mir ietzt gäste

Zu meinem nahmens-feste.

Du solt die jungfern laden

Die schwimmenden Najaden

Die grünen Oreaden

Wie auch die Nereinen

Samt ihren lust-Delphinen

Die schnellen feld-Napeen

Und was du mehr stehst gehen

Von meinem frauen-zimmer.

Doch hüte dich du schlimmer

Daß du mir keine hertzest

Noch gantz verwegen schertzest.

Wenn du sie eingeladen

So bitte nicht Menaden

Und bockgefüste Faunen

Die auf den feld-posaunen

Ein garstig lermen blasen.

Denn männer so nur rasen

Die kan ich gar nicht leiden

Bey meiner wollust freuden.

Du must mir schöne knaben

Die blut und geister haben

Zu meinem feste bitten

Sonst ist die lust verschnitten.

Die lieblich können singen

Die hurtig können springen

Die tapffer können ringen

Und bey gestalten dingen

Dem frauen-zimmer bringen

Beliebt’ ergötzligkeiten

Und lust-vollkommenheiten.

Als liebreitz diß gehöret

Umfiel er gantz bethöret

Der mutter perlen-brüste

Die er so sehnlich küste

Daß auch auf seinen lippen

Den hochgeschwollnen klippen

Der purpur blieben kleben

Und den befasten reben

Der silberreichen brüste

Der liebe lust-gerüste.

Drauff ist er ausgeflogen

Elisien durchzogen

Und hat die Venerillen

Die schönen Chilesillen

Die braunen Amarillen

Die weissen Violillen

Und keusche Galateen

Die edlen Astereen

Zu diesem fest geladen

Und seiner mutter gnaden

Dienstfertig angezeiget

Demüthig sich gebeuget

Sie bey der hand geführet

Mit myrthen sie gezieret

In rosen eingeschmieret

Ließ sie zur mutter kommen

Die sie in schooß genommen

Mit nectar sie geträncket

Und mildiglich geschencket.

Drauff kömmt der liebe wächter

Und treibt ein hell gelächter

Für Venus göldnem throne

Und rieff: mein ist die crone!

Seht diese junggesellen

Wie sie sich können stellen

Die sollen heute tantzen

Und ihre füsse pflantzen

In kunstgebognen reihen

Auf blaset die schalmeyen.

Ich nehme diesen becher

Der schweren sorgen brecher

Ich wills der schönsten bringen

Es soll mir noch gelingen.

Auf meiner mutter glücke

Des himmels meisterstücke

Auff meiner mutter leben

Muß dieser becher schweben

In aller hand und munde

Bald leert er zu der stunde

Die umgestürtzte schale

Und spielet auf dem saale.

Weil aber tausend fackeln

An göldnen leuchtern wackeln

Und in den schönen zimmern

Viel hundert ampeln schimmern

Sind die entbrandten funcken

Auf seinen kopff gesuncken.

Bald brennen ihm die haare

Die goldgekräuste waare

Bald schläget in den flammen

Der flügel schwung zusammen

Und Amor wär verbrennet

Wenn nicht herzugerennet

Die Venus und holdinnen

Samt ieden mensch-göttinnen.

Sie salben drauf den knaben

Mit reichen balsams-gaben

Die stärckenden jesminen

Die müssen dazu dienen

Wie auch des ambers seele

Das ros- und liljen-öle

Und was mehr zu erdencken

Von kräfftigen geträncken.

Darnach entsteht ein klagen

Wer ihn zu bett soll tragen

Von jungfern wil nicht eine

Sie sprechen: ja der kleine

Und abgefeimte schelme

Hat unter seinem helme

Noch list und tück verborgen.

Er hat die liebes-sorgen

Uns in das hertz gegossen

Ja unerhörte possen

Gleich denen die geschossen

Uns in die seel gesprenget

Und gut und blut vermenget.

Am besten daß er hencket

Und daß man ihn erträncket

Damit nicht ferner schmertzen

Bestürmen unsre hertzen.

Das frauenzimmer lauffet

Und siht wie diß’ ihn rauffet

Und die mit zangen zwicket

Ein andre fast zerstücket;

Nur über den gantz armen

Trägt eine noch erbarmen.

Damit er friede hätte

So führt sie ihn ins bette.

Als Venus diß gesehen

Was Amor war geschehen

Versprach sie hoch und heilig

Es solte nicht nachtheilig

Den Nymphen seyn und heissen

Sie wolle sich befleissen

Daß bey den wenig tagen

Ein iedes möchte sagen:

Die schönsten von den Nymphen

Die nicht der neid kan schimpfen

Trägt nunmehr krantz und krone

Für ihre treu zu lohne.