Der verbrandte Cupido.
Die liebliche Dione
Der schönheit schönste krone
Saß nechst auf ihrem throne
Und rief dem kleinen sohne
Dem nackten flügel-schützen
Dem schützen der mit flitzen
Kan vieler hertz zerschlitzen
Und tieffe wunden ritzen
Und heisse flammen sprützen.
Komm sagte sie geliebter
Jm lieben ausgeübter
Und bitte mir ietzt gäste
Zu meinem nahmens-feste.
Du solt die jungfern laden
Die schwimmenden Najaden
Die grünen Oreaden
Wie auch die Nereinen
Samt ihren lust-Delphinen
Die schnellen feld-Napeen
Und was du mehr stehst gehen
Von meinem frauen-zimmer.
Doch hüte dich du schlimmer
Daß du mir keine hertzest
Noch gantz verwegen schertzest.
Wenn du sie eingeladen
So bitte nicht Menaden
Und bockgefüste Faunen
Die auf den feld-posaunen
Ein garstig lermen blasen.
Denn männer so nur rasen
Die kan ich gar nicht leiden
Bey meiner wollust freuden.
Du must mir schöne knaben
Die blut und geister haben
Zu meinem feste bitten
Sonst ist die lust verschnitten.
Die lieblich können singen
Die hurtig können springen
Die tapffer können ringen
Und bey gestalten dingen
Dem frauen-zimmer bringen
Beliebt’ ergötzligkeiten
Und lust-vollkommenheiten.
Als liebreitz diß gehöret
Umfiel er gantz bethöret
Der mutter perlen-brüste
Die er so sehnlich küste
Daß auch auf seinen lippen
Den hochgeschwollnen klippen
Der purpur blieben kleben
Und den befasten reben
Der silberreichen brüste
Der liebe lust-gerüste.
Drauff ist er ausgeflogen
Elisien durchzogen
Und hat die Venerillen
Die schönen Chilesillen
Die braunen Amarillen
Die weissen Violillen
Und keusche Galateen
Die edlen Astereen
Zu diesem fest geladen
Und seiner mutter gnaden
Dienstfertig angezeiget
Demüthig sich gebeuget
Sie bey der hand geführet
Mit myrthen sie gezieret
In rosen eingeschmieret
Ließ sie zur mutter kommen
Die sie in schooß genommen
Mit nectar sie geträncket
Und mildiglich geschencket.
Drauff kömmt der liebe wächter
Und treibt ein hell gelächter
Für Venus göldnem throne
Und rieff: mein ist die crone!
Seht diese junggesellen
Wie sie sich können stellen
Die sollen heute tantzen
Und ihre füsse pflantzen
In kunstgebognen reihen
Auf blaset die schalmeyen.
Ich nehme diesen becher
Der schweren sorgen brecher
Ich wills der schönsten bringen
Es soll mir noch gelingen.
Auf meiner mutter glücke
Des himmels meisterstücke
Auff meiner mutter leben
Muß dieser becher schweben
In aller hand und munde
Bald leert er zu der stunde
Die umgestürtzte schale
Und spielet auf dem saale.
Weil aber tausend fackeln
An göldnen leuchtern wackeln
Und in den schönen zimmern
Viel hundert ampeln schimmern
Sind die entbrandten funcken
Auf seinen kopff gesuncken.
Bald brennen ihm die haare
Die goldgekräuste waare
Bald schläget in den flammen
Der flügel schwung zusammen
Und Amor wär verbrennet
Wenn nicht herzugerennet
Die Venus und holdinnen
Samt ieden mensch-göttinnen.
Sie salben drauf den knaben
Mit reichen balsams-gaben
Die stärckenden jesminen
Die müssen dazu dienen
Wie auch des ambers seele
Das ros- und liljen-öle
Und was mehr zu erdencken
Von kräfftigen geträncken.
Darnach entsteht ein klagen
Wer ihn zu bett soll tragen
Von jungfern wil nicht eine
Sie sprechen: ja der kleine
Und abgefeimte schelme
Hat unter seinem helme
Noch list und tück verborgen.
Er hat die liebes-sorgen
Uns in das hertz gegossen
Ja unerhörte possen
Gleich denen die geschossen
Uns in die seel gesprenget
Und gut und blut vermenget.
Am besten daß er hencket
Und daß man ihn erträncket
Damit nicht ferner schmertzen
Bestürmen unsre hertzen.
Das frauenzimmer lauffet
Und siht wie diß’ ihn rauffet
Und die mit zangen zwicket
Ein andre fast zerstücket;
Nur über den gantz armen
Trägt eine noch erbarmen.
Damit er friede hätte
So führt sie ihn ins bette.
Als Venus diß gesehen
Was Amor war geschehen
Versprach sie hoch und heilig
Es solte nicht nachtheilig
Den Nymphen seyn und heissen
Sie wolle sich befleissen
Daß bey den wenig tagen
Ein iedes möchte sagen:
Die schönsten von den Nymphen
Die nicht der neid kan schimpfen
Trägt nunmehr krantz und krone
Für ihre treu zu lohne.