Der verkleidete Cupido bey Hoch- fürstl. Verlöbniß ihrer Durchl. Eleonoren Erdmu...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Die schöne Marggräfin die ieder also nennet

Die auch die mißgunst selbst bey diesem namen kennet

Saß noch vor jener zeit in ihrem wittwen-flor

Als sie durch frühen tod ihr eh-gemahl verlohr.

Sie lebte noch verwäist und dacht’ es auch zu bleiben:

Nichts konte den verlust aus ihrem hertzen treiben

Sie schloß in einsamkeit die perlen-glieder ein

Und wolte wie ihr fürst ihr abgestorben seyn.

Die atlas-reine brust der purpur ihrer wangen

Der augen lieblichkeit des rothen mundes prangen

Das sternen-gleiche haupt bewundert von der welt

Lag ihrem wunsche nach verwarlost und verstellt

Und solte keine gunst ihr iemals mehr erwecken.

Wie aber konte sie so hellen glantz verstecken?

Ihr lieb-reitz war zu reich ihr tugend-ruff zu groß

Und ihre schönheit wuchs ie mehr sie sich verschloß.

Sie weint und dannoch war nichts schöners anzuschauen

Als der bethränte mund der wehmuths-vollen frauen.

Die ungebärden selbst von trauer ausgestreut

Bewegten mehr an ihr als andrer freundlichkeit.

Kurtz: diese weinende gefiel bey ihrer leichen.

Sie war in ihrer nacht der tulpen zuvergleichen

Die man die

Weit über allen schmuck gepflegter tulpen blüht.

O was erhub sich da vor unerhörtes sehnen!

Was hertzen seuffzeten bey dieser wittwen thränen!

Gantz Deutschland klagte sich; Doch wer von liebe sprach

Vermehrte sich und ihr des kummers ungemach.

Nur ein geruch davon schien ihr ein rechtes leiden:

Der schluß bestand darauff die liebe zu vermeiden

Und allen lockungen auff ewig zu entflieh’n

Zog sie zur sicherheit zum Brennus nach Berlin.

Wer hätte sie allhier auch nicht befreyt geschätzet?

Allein welch hertz entrinnt dem Venus nachgesetzet?

Die Göttin die vorlängst in eyfersucht entbrandt

Weil sie der Fürstin ruhm so wohl gegründet fand

Rafft itzund wider sie verstand und witz zusammen

Und sann voll ungedult auff unverhoffte flammen.

Sie wuste daß zu uns wie sie es auch vernahm

Der Sachsen junger held der fürstin wegen kam:

Und wie er iederzeit sie allen vorgezogen

Sie ihm auch ihrer seits vor andern war gewogen;

Da dachte Venus nun bey der zusammenkunfft

Diß was nur freundschafft hieß durch listige vernunfft

Verwechselt in ein band der liebe zu verstricken

Und diß entwehnte hertz auffs neue zu berücken.

Sie rieff den liebes-gott urplötzlich an den thron

Und sprach mit einem ernst: mein sehr geliebter fohn

Du weist was ich und du an der Eleonoren

Der schönen Marggräfin für eine braut verlohren.

Man sieht daß schon die welt sie über mich erkenn’

Ihr frauen-zimmer gilt wie meine Gratien.

Johann George selbst muß sich in zweiffel grämen

Und sind wir dann zu schwach uns seiner anzunehmen?

Wie? Ist es nicht genug daß sie der Venus gleich?

Daß sie mein antlitz trägt begehrt sie auch mein reich?

Will sie gar über mich mit ihrer freyheit siegen?

O nein sie oder ich muß heut darnieder liegen.

Dieweil ihr öffentlich nicht beyzukommen ist

So gelte dann mit recht betriegerey und list.

Geh’ lege schnell von dir die silber-weissen flügel;

Und nimm verdeckt zu seyn vor meinen zauber-spiegel

Die ähnligkeit und tracht von ihrem printzen an

Für den man ohne dem dich leicht erkennen kan.

Du weist daß sie ihn offt auff ihren armen träget

Daß sie zu ihrem trost ihn offt zu küssen pfleget.

Wenn nun sie einst vergnügt von einem feste fährt

So folge du ihr nach und zeige deinen werth.

Laß wenn sie dich für ihn wird in die arme schliessen

Den unvermerckten gifft ihr in die adern fliessen.

Vertilge wie du kanst durch neu erregte glut

Des todten fürstens bild der uns noch schaden thut.

Ich will darauff im traum den geist zugleich entzünden

Und die gedancken auch an unsern helden binden.

So daß wenn sie erwacht sie ihn zwar unmuths voll

Doch was sie immer thut vor augen finden soll.

Den printzen werd’ indeß ich auffzuhalten wissen.

Cupido höchst erfreut der fürstin mund zu küssen

Ob gleich der stärckste gott ward innerlich erregt

Und hatte kaum daheim die flügel abgelegt

Als er schon mit dem printz der knabe mit dem knaben

Art wesen auch das haar fand überein zu haben.

Er kleidete sich nur und eilte nach dem saal

Wo eben seinem gast ein reiches freuden-mahl

Wie er zu thun gewohnt der grosse Brennus machte

Und wo auch unbesorgt die fürstin schertz’t und lachte.

Es lieff der falsche printz indem der rechte schlieff

(diß war der Venus trug) als wenn er müßig lieff;

Doch hatte man so bald nicht dieses fest verlassen

Als man ihn an dem rock sah’ seine mutter fassen.

Erst küst er ihr die hand und deckte so den fund;

Sie die sich nichts versah’ druckt ihn auch an den mund.

Sie nahm ihn auff die schooß nachdem sie heimgekommen

Eh’ aber er von ihr den abschied noch genommen

Bracht der vermeynte sohn mit süsser schmeicheley

Das schlau-versteckte feur im letzten kuße bey.

Hilff himmel wie erschrack die fürstin nach dem spiele!

Als sie wie sie denn zart von adern und gefühle

So fort den fremden trieb in ihrer brust gespührt

Der seit der ersten eh’ nicht deren hertz berührt.

Sie dachte bey sich selbst: Gewogen seyn und lieben

Ist ja ein unterscheid; wo bin ich dann geblieben?

Die regung die mich stört kommt nicht von freundschafft her;

Es ist ein liebes-zug und meiner traur zu schwer.

Hab ich mich wo verseh’n? Hab ich mich wo vergessen?

Und dachte nicht an den der auff dem schooß gesessen.

Hingegen Venus list die alles diß gethan

Und nun diß schwere werck gantz auszuführen sann

Ließ einen tieffen schlaff in vollen streit und wallen

Auff dieser fürstin brust und ihre sorgen fallen.

Sie wieß ihr in dem traum so angenehm man mag

Wie ihr verliebter fürst zu ihren füssen lag;

Wie er vielmehr verlangt dem todten nachzusterben

Als nicht an seiner statt ihr hertze zu erwerben.

Er bat und ob sie gleich ihm wenig hoffnung gab

Ließ er dennoch im traum nicht von dem bitten ab

Biß Venus endlich selbst sie völlig zu versühnen

In unsrer Churfürstin gestalt und glantz erschienen:

Die liebes-göttin kommt sprach Venus alsobald

In deiner freundin pracht und herrlichen gestalt;

Theils daß ich nicht gewust was höhers anzulegen

Theils auch durch ihren mund dich leichter zu bewegen.

Gib den verwirrten geist o Fürstin doch zur ruh

Und schreibe diesen zug ja nicht den menschen zu.

Du must was du empfindst nur in den sternen lesen

Und der auff deiner schooß ist nicht dein sohn gewesen.

Weil du mit deiner traur so lange widerstrebt

Hat dir Cupido selbst verkleidt diß netz gewebt.

Wem endlich wilst du noch die besten jahre sparen?

Erwartest du zurück die in das grab gefahren?

Die todten kümmern sich um unsre treue nicht

Lenck auff die lebenden dein himmlisches gesicht.

Es hat ein grosser Fürst mit ruhm um dich geworben

Und der ersetzt zu wohl was dir ist abgestorben.

Er ist in dich verliebt er giebt dir hertz und Chur

Die weißheit die ihn führt hält deiner tugend spuhr.

Und damit seine gunst nie wisse zu erkalten

Will ich ihm deinen werth stets vor die augen halten;

Dein anmuth wird erst schön und gleichet dem granat

Der wenn er erstlich reiff recht süsse körner hat.

Schienst du ihm wie du warst so schön bey deinem leide

Was wirst du künfftig seyn bey der verjüngten freude?

Was man von andern wünscht ist schon von dir bekandt;

Wie glücklich dient dazu dein erster ehestand.

Dein Fürst darff nichts vorher auff gute hoffnung wagen;

Er sieht was du vermagst wie du dich wirst betragen.

Dein eheliche treu erkennt er durch dein leid;

Die erben die du hast stehn für die fruchtbarkeit.

Sein land wird sich für dir als einer göttin neigen

Wenn du ihm engel wirst an deinen kindern zeigen.

Sein land hat insgemein mit seiner nachbarschafft

Gar rühmlich mit der Marck vereinigt seine krafft.

Nun wird es Brandenburg auch darinn können gleichen

Daß es gar keinem darff mit seiner Fürstin weichen.

Charlottens aug’ und deins sind wunder dieser welt

In welchen die natur sich zweyfach vorgestellt.

Ihr beyde solt den glantz auch eurer häuser stützen

Und deren einigkeit als hülffs-göttinnen schützen.

Durch dich verbinden sie sich heute noch einmahl;

So billige den schluß und folge dieser wahl.

Der himmel hat dich selbst zu diesem dienst ersehen

Du ehrest ihn zu sehr ihm noch zu widerstehen.

Die Venus die verschwand; und gleich auff frischer that

Kam unsre Churfürstin und gab denselben rath.

Die Fürstin nun erwacht als diß gesicht verschwunden

Erstarrt und wuste nicht wen sie bey sich gefunden.

Ob es die Churfürstin ob es die Venus war;

Das aber glaubte sie von diesem wunder-paar:

Daß Venus in der welt von uns geehrt zu werden

Sich dieser Fürstin gleich bemühte zu geberden.

Sie dachte wenn mein hertz gleich keiner Venus glaubt

So fühl ich doch genug was mir ist abgeraubt.

Was meine freundin selbst die Venus unsrer zeiten

Mir mehr als die im traum itzt suchet abzustreiten;

Von allen die sich noch seit meiner traur gezeigt

Hat keiner mich bißher als dieser held gebeugt.

Ich schlage mich wohl stets mit widrigen gedancken;

Doch überwiegt er schon und zwinget mich zu wancken.

Indeß warb auch der Held nach seinem eiffer fort:

Und Brennus weiser spruch redt ihm zuletzt das wort.

Weil er aus allem kont des himmels schickung mercken

Wolt er so schwer es hielt diß werck nunmehr bestärcken.

Er als des hauses haupt der Fürstin bester freund

Von dem sie längst gewiß daß er es wohl gemeynt

Fand auch vor andern raum mit nachdruck zu beginnen

Und für den werthen gast diß kleinod zu gewinnen.

Er wieß wie sonder noth sie länger mit sich rang.

Als aber ingesamt man in dieselbe drang

Sah sie in ihrem geist mit einem jammer-blicke

Noch eins auff ihre leich’ und todten-grufft zurücke;

Muß ich gleich sagte sie ihr heiligen gebein

Wie ihr es selbsten seht nun eines andern seyn

So schwehr ich daß ich doch euch nie will gantz versencken

Mein hertze geb ich weg euch bleibt das angedencken.

Sie gab darauff ihr ja und das erweichte blut

Begleitete diß wort mit einer thränen-flut.

Sie weint als würd ihr Printz ihr noch einmahl entrissen

Nun sie von seiner eh’ zur andern schreiten müssen.

D treue! doch nun dir Johann George treu!

Glückselig junger Held du siehst daß sie es sey!

Es werden dir nun bald die vielvergoßne zähren

Wenn sie dein arm umfängt auch so viel lust gebähren.