Der verkleidete Cupido bey Hoch- fürstl. Verlöbniß ihrer Durchl. Eleonoren Erdmu...
Die schöne Marggräfin die ieder also nennet
Die auch die mißgunst selbst bey diesem namen kennet
Saß noch vor jener zeit in ihrem wittwen-flor
Als sie durch frühen tod ihr eh-gemahl verlohr.
Sie lebte noch verwäist und dacht’ es auch zu bleiben:
Nichts konte den verlust aus ihrem hertzen treiben
Sie schloß in einsamkeit die perlen-glieder ein
Und wolte wie ihr fürst ihr abgestorben seyn.
Die atlas-reine brust der purpur ihrer wangen
Der augen lieblichkeit des rothen mundes prangen
Das sternen-gleiche haupt bewundert von der welt
Lag ihrem wunsche nach verwarlost und verstellt
Und solte keine gunst ihr iemals mehr erwecken.
Wie aber konte sie so hellen glantz verstecken?
Ihr lieb-reitz war zu reich ihr tugend-ruff zu groß
Und ihre schönheit wuchs ie mehr sie sich verschloß.
Sie weint und dannoch war nichts schöners anzuschauen
Als der bethränte mund der wehmuths-vollen frauen.
Die ungebärden selbst von trauer ausgestreut
Bewegten mehr an ihr als andrer freundlichkeit.
Kurtz: diese weinende gefiel bey ihrer leichen.
Sie war in ihrer nacht der tulpen zuvergleichen
Die man die
Weit über allen schmuck gepflegter tulpen blüht.
O was erhub sich da vor unerhörtes sehnen!
Was hertzen seuffzeten bey dieser wittwen thränen!
Gantz Deutschland klagte sich; Doch wer von liebe sprach
Vermehrte sich und ihr des kummers ungemach.
Nur ein geruch davon schien ihr ein rechtes leiden:
Der schluß bestand darauff die liebe zu vermeiden
Und allen lockungen auff ewig zu entflieh’n
Zog sie zur sicherheit zum Brennus nach Berlin.
Wer hätte sie allhier auch nicht befreyt geschätzet?
Allein welch hertz entrinnt dem Venus nachgesetzet?
Die Göttin die vorlängst in eyfersucht entbrandt
Weil sie der Fürstin ruhm so wohl gegründet fand
Rafft itzund wider sie verstand und witz zusammen
Und sann voll ungedult auff unverhoffte flammen.
Sie wuste daß zu uns wie sie es auch vernahm
Der Sachsen junger held der fürstin wegen kam:
Und wie er iederzeit sie allen vorgezogen
Sie ihm auch ihrer seits vor andern war gewogen;
Da dachte Venus nun bey der zusammenkunfft
Diß was nur freundschafft hieß durch listige vernunfft
Verwechselt in ein band der liebe zu verstricken
Und diß entwehnte hertz auffs neue zu berücken.
Sie rieff den liebes-gott urplötzlich an den thron
Und sprach mit einem ernst: mein sehr geliebter fohn
Du weist was ich und du an der Eleonoren
Der schönen Marggräfin für eine braut verlohren.
Man sieht daß schon die welt sie über mich erkenn’
Ihr frauen-zimmer gilt wie meine Gratien.
Johann George selbst muß sich in zweiffel grämen
Und sind wir dann zu schwach uns seiner anzunehmen?
Wie? Ist es nicht genug daß sie der Venus gleich?
Daß sie mein antlitz trägt begehrt sie auch mein reich?
Will sie gar über mich mit ihrer freyheit siegen?
O nein sie oder ich muß heut darnieder liegen.
Dieweil ihr öffentlich nicht beyzukommen ist
So gelte dann mit recht betriegerey und list.
Geh’ lege schnell von dir die silber-weissen flügel;
Und nimm verdeckt zu seyn vor meinen zauber-spiegel
Die ähnligkeit und tracht von ihrem printzen an
Für den man ohne dem dich leicht erkennen kan.
Du weist daß sie ihn offt auff ihren armen träget
Daß sie zu ihrem trost ihn offt zu küssen pfleget.
Wenn nun sie einst vergnügt von einem feste fährt
So folge du ihr nach und zeige deinen werth.
Laß wenn sie dich für ihn wird in die arme schliessen
Den unvermerckten gifft ihr in die adern fliessen.
Vertilge wie du kanst durch neu erregte glut
Des todten fürstens bild der uns noch schaden thut.
Ich will darauff im traum den geist zugleich entzünden
Und die gedancken auch an unsern helden binden.
So daß wenn sie erwacht sie ihn zwar unmuths voll
Doch was sie immer thut vor augen finden soll.
Den printzen werd’ indeß ich auffzuhalten wissen.
Cupido höchst erfreut der fürstin mund zu küssen
Ob gleich der stärckste gott ward innerlich erregt
Und hatte kaum daheim die flügel abgelegt
Als er schon mit dem printz der knabe mit dem knaben
Art wesen auch das haar fand überein zu haben.
Er kleidete sich nur und eilte nach dem saal
Wo eben seinem gast ein reiches freuden-mahl
Wie er zu thun gewohnt der grosse Brennus machte
Und wo auch unbesorgt die fürstin schertz’t und lachte.
Es lieff der falsche printz indem der rechte schlieff
(diß war der Venus trug) als wenn er müßig lieff;
Doch hatte man so bald nicht dieses fest verlassen
Als man ihn an dem rock sah’ seine mutter fassen.
Erst küst er ihr die hand und deckte so den fund;
Sie die sich nichts versah’ druckt ihn auch an den mund.
Sie nahm ihn auff die schooß nachdem sie heimgekommen
Eh’ aber er von ihr den abschied noch genommen
Bracht der vermeynte sohn mit süsser schmeicheley
Das schlau-versteckte feur im letzten kuße bey.
Hilff himmel wie erschrack die fürstin nach dem spiele!
Als sie wie sie denn zart von adern und gefühle
So fort den fremden trieb in ihrer brust gespührt
Der seit der ersten eh’ nicht deren hertz berührt.
Sie dachte bey sich selbst: Gewogen seyn und lieben
Ist ja ein unterscheid; wo bin ich dann geblieben?
Die regung die mich stört kommt nicht von freundschafft her;
Es ist ein liebes-zug und meiner traur zu schwer.
Hab ich mich wo verseh’n? Hab ich mich wo vergessen?
Und dachte nicht an den der auff dem schooß gesessen.
Hingegen Venus list die alles diß gethan
Und nun diß schwere werck gantz auszuführen sann
Ließ einen tieffen schlaff in vollen streit und wallen
Auff dieser fürstin brust und ihre sorgen fallen.
Sie wieß ihr in dem traum so angenehm man mag
Wie ihr verliebter fürst zu ihren füssen lag;
Wie er vielmehr verlangt dem todten nachzusterben
Als nicht an seiner statt ihr hertze zu erwerben.
Er bat und ob sie gleich ihm wenig hoffnung gab
Ließ er dennoch im traum nicht von dem bitten ab
Biß Venus endlich selbst sie völlig zu versühnen
In unsrer Churfürstin gestalt und glantz erschienen:
Die liebes-göttin kommt sprach Venus alsobald
In deiner freundin pracht und herrlichen gestalt;
Theils daß ich nicht gewust was höhers anzulegen
Theils auch durch ihren mund dich leichter zu bewegen.
Gib den verwirrten geist o Fürstin doch zur ruh
Und schreibe diesen zug ja nicht den menschen zu.
Du must was du empfindst nur in den sternen lesen
Und der auff deiner schooß ist nicht dein sohn gewesen.
Weil du mit deiner traur so lange widerstrebt
Hat dir Cupido selbst verkleidt diß netz gewebt.
Wem endlich wilst du noch die besten jahre sparen?
Erwartest du zurück die in das grab gefahren?
Die todten kümmern sich um unsre treue nicht
Lenck auff die lebenden dein himmlisches gesicht.
Es hat ein grosser Fürst mit ruhm um dich geworben
Und der ersetzt zu wohl was dir ist abgestorben.
Er ist in dich verliebt er giebt dir hertz und Chur
Die weißheit die ihn führt hält deiner tugend spuhr.
Und damit seine gunst nie wisse zu erkalten
Will ich ihm deinen werth stets vor die augen halten;
Dein anmuth wird erst schön und gleichet dem granat
Der wenn er erstlich reiff recht süsse körner hat.
Schienst du ihm wie du warst so schön bey deinem leide
Was wirst du künfftig seyn bey der verjüngten freude?
Was man von andern wünscht ist schon von dir bekandt;
Wie glücklich dient dazu dein erster ehestand.
Dein Fürst darff nichts vorher auff gute hoffnung wagen;
Er sieht was du vermagst wie du dich wirst betragen.
Dein eheliche treu erkennt er durch dein leid;
Die erben die du hast stehn für die fruchtbarkeit.
Sein land wird sich für dir als einer göttin neigen
Wenn du ihm engel wirst an deinen kindern zeigen.
Sein land hat insgemein mit seiner nachbarschafft
Gar rühmlich mit der Marck vereinigt seine krafft.
Nun wird es Brandenburg auch darinn können gleichen
Daß es gar keinem darff mit seiner Fürstin weichen.
Charlottens aug’ und deins sind wunder dieser welt
In welchen die natur sich zweyfach vorgestellt.
Ihr beyde solt den glantz auch eurer häuser stützen
Und deren einigkeit als hülffs-göttinnen schützen.
Durch dich verbinden sie sich heute noch einmahl;
So billige den schluß und folge dieser wahl.
Der himmel hat dich selbst zu diesem dienst ersehen
Du ehrest ihn zu sehr ihm noch zu widerstehen.
Die Venus die verschwand; und gleich auff frischer that
Kam unsre Churfürstin und gab denselben rath.
Die Fürstin nun erwacht als diß gesicht verschwunden
Erstarrt und wuste nicht wen sie bey sich gefunden.
Ob es die Churfürstin ob es die Venus war;
Das aber glaubte sie von diesem wunder-paar:
Daß Venus in der welt von uns geehrt zu werden
Sich dieser Fürstin gleich bemühte zu geberden.
Sie dachte wenn mein hertz gleich keiner Venus glaubt
So fühl ich doch genug was mir ist abgeraubt.
Was meine freundin selbst die Venus unsrer zeiten
Mir mehr als die im traum itzt suchet abzustreiten;
Von allen die sich noch seit meiner traur gezeigt
Hat keiner mich bißher als dieser held gebeugt.
Ich schlage mich wohl stets mit widrigen gedancken;
Doch überwiegt er schon und zwinget mich zu wancken.
Indeß warb auch der Held nach seinem eiffer fort:
Und Brennus weiser spruch redt ihm zuletzt das wort.
Weil er aus allem kont des himmels schickung mercken
Wolt er so schwer es hielt diß werck nunmehr bestärcken.
Er als des hauses haupt der Fürstin bester freund
Von dem sie längst gewiß daß er es wohl gemeynt
Fand auch vor andern raum mit nachdruck zu beginnen
Und für den werthen gast diß kleinod zu gewinnen.
Er wieß wie sonder noth sie länger mit sich rang.
Als aber ingesamt man in dieselbe drang
Sah sie in ihrem geist mit einem jammer-blicke
Noch eins auff ihre leich’ und todten-grufft zurücke;
Muß ich gleich sagte sie ihr heiligen gebein
Wie ihr es selbsten seht nun eines andern seyn
So schwehr ich daß ich doch euch nie will gantz versencken
Mein hertze geb ich weg euch bleibt das angedencken.
Sie gab darauff ihr ja und das erweichte blut
Begleitete diß wort mit einer thränen-flut.
Sie weint als würd ihr Printz ihr noch einmahl entrissen
Nun sie von seiner eh’ zur andern schreiten müssen.
D treue! doch nun dir Johann George treu!
Glückselig junger Held du siehst daß sie es sey!
Es werden dir nun bald die vielvergoßne zähren
Wenn sie dein arm umfängt auch so viel lust gebähren.