Der verstellte liebhaber.
Mein kind laß uns fein heimlich lieben
Nicht wie es sonst pflegt zu geschehn;
Wir müssen unsre lust verschieben
So offt es andre leute sehn;
Wir müssen uns ein wenig drücken
Und lernen in die leute schicken.
Wir wollen so zusammen halten
Daß niemand uns verrathen kan;
Wenn du mich fiehst die hände falten
So bet ich deine schönheit an;
Wenn meine arme sich bewegen
So wünsch ich dich herein zu legen.
Schlag’ ich die augen in die höhe
So gehn die seuftzer über sich;
Und wenn ich für mich niedersehe
So grüsset mein gehorsam dich.
Merck wenn ich an die lippen rühre
Daß durch die lufft ich küsse führe.
Wenn ich mit meinen fingern spiele
So drück ich gleichsam deine hand:
Und wenn ich an die stirne fühle
Bedeut es heimlichen verstand
Ja ihre stellung vor den leuten
Muß etwas sonderlichs bedeuten.
Kein mensch soll mercken was ich mache
Und wie es um uns beyde steh’
Ich gehe traurig wenn ich lache
Und lache wenn ich traurig geh’:
Aus mir kan keinem was erhellen
Ich kan mich stellen und verstellen.
Wir beyde reden ohne zungen
Vernehmen uns auch ohngefehr;
Wirstu zu tadeln mich gezwungen
Halt ich es doch für eine ehr;
Du wirst es auch nicht übel nehmen
Wenn ich aus noth dich muß beschämen.
Hörst du mich oder ich dich nennen
Wird keine röth uns abgejagt;
Wir thun als wenn wir uns nicht kennen
Und wissen nicht was jener sagt:
Vexirt man uns so braucht man lügen
Sich mit der warheit zu begnügen.
Nun dieses wollen wir so treiben
Und uns so lieben unvermerckt
Und immer bey dem läugnen bleiben
Biß unser blödigkeit sich stärckt;
Das aber kan so offt geschehen
So offt wir uns alleine sehen.