Der verstellte liebhaber.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein kind laß uns fein heimlich lieben

Nicht wie es sonst pflegt zu geschehn;

Wir müssen unsre lust verschieben

So offt es andre leute sehn;

Wir müssen uns ein wenig drücken

Und lernen in die leute schicken.

Wir wollen so zusammen halten

Daß niemand uns verrathen kan;

Wenn du mich fiehst die hände falten

So bet ich deine schönheit an;

Wenn meine arme sich bewegen

So wünsch ich dich herein zu legen.

Schlag’ ich die augen in die höhe

So gehn die seuftzer über sich;

Und wenn ich für mich niedersehe

So grüsset mein gehorsam dich.

Merck wenn ich an die lippen rühre

Daß durch die lufft ich küsse führe.

Wenn ich mit meinen fingern spiele

So drück ich gleichsam deine hand:

Und wenn ich an die stirne fühle

Bedeut es heimlichen verstand

Ja ihre stellung vor den leuten

Muß etwas sonderlichs bedeuten.

Kein mensch soll mercken was ich mache

Und wie es um uns beyde steh’

Ich gehe traurig wenn ich lache

Und lache wenn ich traurig geh’:

Aus mir kan keinem was erhellen

Ich kan mich stellen und verstellen.

Wir beyde reden ohne zungen

Vernehmen uns auch ohngefehr;

Wirstu zu tadeln mich gezwungen

Halt ich es doch für eine ehr;

Du wirst es auch nicht übel nehmen

Wenn ich aus noth dich muß beschämen.

Hörst du mich oder ich dich nennen

Wird keine röth uns abgejagt;

Wir thun als wenn wir uns nicht kennen

Und wissen nicht was jener sagt:

Vexirt man uns so braucht man lügen

Sich mit der warheit zu begnügen.

Nun dieses wollen wir so treiben

Und uns so lieben unvermerckt

Und immer bey dem läugnen bleiben

Biß unser blödigkeit sich stärckt;

Das aber kan so offt geschehen

So offt wir uns alleine sehen.