Der verstoßne liebhaber.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Was vor ein strahl will meine seele fällen

Will sich der tag in düstre nacht verstellen?

Und soll mein sonnenschein

Mir plötzlichen verschlossen seyn?

Will nun der lufft erblastes rasen

In meine schwache segel blasen

Hat alles sich auff meinen fall vereint?

Der himmel ist ja selbst zu stürtzen mich vermeynt

Weil mir mißgunst verleumdung neid

Solch jammer und solch elend zubereit.

Kan iemand wohl ein schlimmer fallbret legen

Die arglist selbst wird nichts verfluchters hegen

Als diß was mir geschehn

Will man ein lebend beyspiel sehn

Wie das was fast am gipffel schwebet

Durch schlechten wind gerührt erbebet

Daß sich ein strenger fall auch sternen zugesellt

Und ein erhöhter berg in tieffe thäler fällt

Daß list auch löwen stürtzen kan

Der sehe mich und meinen kummer an.

Ich leider! bin empfindlicher gerühret

Indem man mir Celindens gunst entführet

Die einig mich vergnügt

Und mir mein gantzes hertz besiegt;

Celinden der mein gantzes leben

Zu steten diensten bleibt ergeben

Ach daß ein falscher wahn und schlechter argwohn sta

Vor der bewehrten treu bey ihr gefunden hat

Der sie so gegen mich verstellt

Daß sie mich straff- und unglücks-würdig hält.

Die wangen wo die reiche anmuth spielte

Wo sich die glut an weissen rosen kühlte

Bestrahlt ein strenger plitz

Der holde mund der schönheit sitz

Läst rauhe donner-worte knallen

Ich höre schon mein urtheil fallen

Florettens wanckelmuth hat höll und tod verdient

Weil er Celinden sich zu lieben hat erkühnt

Ihr zornig auge zeiget frey

Daß diß ihr schluß und steter wille sey.

So spielt die welt so muß die unschuld leiden

Wenn lügen sich in fremde farben kleiden

Wenn haß und neid bemüht

Zu fällen was in zierde blüht

Offt wenn man meynt die frucht zu brechen

Fühlt man die schärffsten dörner stechen

Ach daß der untergang doch allzu nahe steht

Dem so des glückes gunst so plötzlichen erhöht!

Daß den der morgen angelacht

Der abend offt in euserst elend bracht.

Ich sehe nun wer sich zu sehre nahen

Der sonnen will kriegt vor solch unterfahen

Nur schimpff und schaden weg;

Jedoch ein fest-erlangter zweck

Wird weit empfindlicher vermisset

Als wo stracks anfangs eingebüsset

Wer ohne eifer diß in fremden händen sieht

Wornach man iederzeit sich hefftig hat bemüht

Wenn dieses keinen schmertz erregt

Wird billig durch betrug in staub gelegt.

Jedoch gedult die nebel müssen brechen

Verachtung muß man durch verachtung rächen

Die falschheit wird erschreckt

Und unschuld wird entdeckt

Celinde wird Floretto loben

Und seine treue wird erhoben

Wenn aber ihrem geist vor meiner seele graut

So spür ich daß vor stein ich nur auff sand gebaut

Und daß ihr hertz sich spiegeln gleicht

Wo iedes bild sich doch nicht stetig zeigt.