Der verstoßne liebhaber.
Was vor ein strahl will meine seele fällen
Will sich der tag in düstre nacht verstellen?
Und soll mein sonnenschein
Mir plötzlichen verschlossen seyn?
Will nun der lufft erblastes rasen
In meine schwache segel blasen
Hat alles sich auff meinen fall vereint?
Der himmel ist ja selbst zu stürtzen mich vermeynt
Weil mir mißgunst verleumdung neid
Solch jammer und solch elend zubereit.
Kan iemand wohl ein schlimmer fallbret legen
Die arglist selbst wird nichts verfluchters hegen
Als diß was mir geschehn
Will man ein lebend beyspiel sehn
Wie das was fast am gipffel schwebet
Durch schlechten wind gerührt erbebet
Daß sich ein strenger fall auch sternen zugesellt
Und ein erhöhter berg in tieffe thäler fällt
Daß list auch löwen stürtzen kan
Der sehe mich und meinen kummer an.
Ich leider! bin empfindlicher gerühret
Indem man mir Celindens gunst entführet
Die einig mich vergnügt
Und mir mein gantzes hertz besiegt;
Celinden der mein gantzes leben
Zu steten diensten bleibt ergeben
Ach daß ein falscher wahn und schlechter argwohn sta
Vor der bewehrten treu bey ihr gefunden hat
Der sie so gegen mich verstellt
Daß sie mich straff- und unglücks-würdig hält.
Die wangen wo die reiche anmuth spielte
Wo sich die glut an weissen rosen kühlte
Bestrahlt ein strenger plitz
Der holde mund der schönheit sitz
Läst rauhe donner-worte knallen
Ich höre schon mein urtheil fallen
Florettens wanckelmuth hat höll und tod verdient
Weil er Celinden sich zu lieben hat erkühnt
Ihr zornig auge zeiget frey
Daß diß ihr schluß und steter wille sey.
So spielt die welt so muß die unschuld leiden
Wenn lügen sich in fremde farben kleiden
Wenn haß und neid bemüht
Zu fällen was in zierde blüht
Offt wenn man meynt die frucht zu brechen
Fühlt man die schärffsten dörner stechen
Ach daß der untergang doch allzu nahe steht
Dem so des glückes gunst so plötzlichen erhöht!
Daß den der morgen angelacht
Der abend offt in euserst elend bracht.
Ich sehe nun wer sich zu sehre nahen
Der sonnen will kriegt vor solch unterfahen
Nur schimpff und schaden weg;
Jedoch ein fest-erlangter zweck
Wird weit empfindlicher vermisset
Als wo stracks anfangs eingebüsset
Wer ohne eifer diß in fremden händen sieht
Wornach man iederzeit sich hefftig hat bemüht
Wenn dieses keinen schmertz erregt
Wird billig durch betrug in staub gelegt.
Jedoch gedult die nebel müssen brechen
Verachtung muß man durch verachtung rächen
Die falschheit wird erschreckt
Und unschuld wird entdeckt
Celinde wird Floretto loben
Und seine treue wird erhoben
Wenn aber ihrem geist vor meiner seele graut
So spür ich daß vor stein ich nur auff sand gebaut
Und daß ihr hertz sich spiegeln gleicht
Wo iedes bild sich doch nicht stetig zeigt.