Der verwandelte Amor

By Gottlieb Konrad Pfeffel

Written 1783-01-01 - 1783-01-01

Berauscht vom Wein des Großpapa

Schoß Amor einst im Scherz

Den Pfeil nach ihm, und siehe da,

Er traf ihn just ins Herz.

Da wurde Zevs von Liebe krank,

Fuhr auf die Unterwelt

Und machte manchen losen Schwank,

Den uns Ovid erzehlt.

Und als er wieder zu sich kam,

Kehrt er in sein Quartier

Und sprach zum Amor voller Schaam:

Den Streich bezahlst du mir.

Sein Zepter rührt ihn an, und husch

Sträubt sich sein blondes Haar

In einen hohen Federbusch,

Der noch geringelt war.

Er ringt die Arme; diese ziehn

In Flügel sich zurück

Von Gold und Lazur und Carmin,

Wie buntes Güldenstück.

Er wollte schreyn; stumm war der Hauch,

Der seinem Mund entgieng.

Er wollte fliehn; sank auf den Bauch

Und war ein Schmetterling.

Das arme Kind! Sein Bogen liegt

Erschlafft in träger Ruh

Und er, stets wollustathmend, fliegt

Den Blumenbeeten zu.

Itzt küßt er Nelke, Rose, Mohn

Und Veilchen und Jesmin,

Und küßt sie kaum, so schwärmt er schon

Auf andre Blumen hin.

Des kleinen Sünders Jammerstand

Erbarmt den Großpapa.

Auf einen Wink von seiner Hand

Stund Amor wieder da.

Nur ließ er, was von einem Gott

Wohl nicht das klügste war,

Ihm zum Gedächtniß und zum Spott

Der Flügel buntes Paar.

Seit dem führt Amor blos zum Scherz

Sein zackichtes Geschoß;

Er heftet heut sich an ein Herz

Und läßt es morgen los.

O wohl uns, daß der Freundschaft Band

Nicht in sein Reich gehört!

Nein, Minna, selbst durch Parzenhand

Wird unsers nicht zerstört.