Der vollkommenste Prediger der Tod Bey Beerdigung Hn. C. A. D. zu St. M. M. den ...

By Heinrich Mühlpfort

E Ntweich Ehrwürdiger der Tod will itzt auftreten

Und allen Sterblichen die letzte Predigt thun.

Du hast dein Ambt erfüllt mit Lehren Singen Beten;

Man lasse doch den Leib die müden Knochen ruhn.

Arbeiter in dem Wort Haußhalter derer Güter

So uns in Ewigkeit aus ihren Schätzen weist

Du hast genug versorgt den Hunger der Gemüther

Und mit dem Lebens-Brod die Dürfftigen gespeist.

Du Brunnen Jsraels der quell-reich ist geflossen

Und in viel Bäche sich durch Lehren hat zertheilt:

Du Regen der mit Trost ein mattes Hertz begossen

Und offt verfaultes Fleisch vom Sünden-Brand geheilt:

Die Kirche wird nicht mehr von deiner Stimm erschallen

Dein Donner schläget nicht in Fels der Hertzen ein.

Es wird kein Feur hinfort von deiner Zunge fallen

Die Worte werden nicht mit Blitz gefiedert seyn.

Du bist als wie die Sonn’ in deinem Kreiß gelauffen.

Wie ihrer Fackel Licht bestrahlt die gantze Welt:

So scheinestu ein Stern in der Zuhörer Hauffen

Der Licht und Finsternüß hat deutlich vorgestellt.

Der Sonne

Wie hat dein Glaubens-Stral nicht manchen angebrant?

Denn Priester müssen vor vom Himmel feurig werden

Eh’ die zertheilte Zung entdeckt wer sie gesand

Sah’ Jacob in dem Traum die Boten Gottes steigen

Und auff der Leiter ab zu ihm hernieder gehn

So hat ihm diß Gesicht ja satsam wollen zeigen!

Daß Engel eh sie sich zu lehren unterstehn

Den Nachdruck und Befehl vom Himmel holen müssen

Und vor das grosse Reich der Herrligkeit beschaun:

Denn können sie bey uns sich Wolcken-gleich ergiessen

Und mit dem Perlen-Safft die Unter-Welt bethaun.

Bist du nicht einem Berg

Der stets von oben ab befeuchtet Grund und Thal?

Es kan die Biene nicht so ihren Honig lesen

Als du den Kern der Schrifft durchsucht durch kluge Wahl.

Und kam es wiederumb die Laster zuerschrecken

Erschienstu deinem Volck nicht als ein feurig Löw?

Du ließt kein räudig Schaf in deiner Heerde stecken

Weil die Erfahrung lehrt daß eines schädlich sey.

Ach Laute die so wohl von Gottes Hand gestimmet

Mehr als des Orpheus Klang die Menschen zu sich rieff!

Posaune wenn der Zorn des Höchsten war ergrimmet

Die offt das Volck erweckt wenn es in Sünden schlieff!

Begabter Prediger läst du dich nicht mehr hören?

Ach nein der blasse Tod hat dich schon abgeführt.

Der tritt die Cantzel an und wird erschrecklich lehren

So daß uns Marck und Blut jedwede Sylbe rührt.

Er wird uns Sterbliche sich gar nicht lassen meistern

Wie er sein Predig-Ambt bey uns verwalten muß.

Die Einfalt gilt so viel als Witz bey hohen Geistern

Es geht in jeder Haus sein ausgestreckter Fuß.

Er wird auch nicht darnach ihr sichre Menschen fragen

Ob euch das Ohre jückt und ob es euch ergetzt.

Er wird euch ins Gesicht die dürre Warheit sagen

Wie ihr der Sinnen-Bau auf Eitelkeiten setzt.

Jhr mögt den Eingang lang kurtz und verworren nennen

Süß oder sauer sehn diß gilt ihm alles gleich.

Er wird den Crösus eh als cinen Jrus kennen.

Da hilfft der Tittel nicht er sey arm oder reich.

Was wird der Prediger zu einem Text erwehlen?

In wieviel Stücke theilt er die Erklärung ein?

Jhr moget unterdeß die Viertel-Stunden zehlen

Ob wenn die gantze schlägt er auch wird fertig seyn.

Er sagt ein eintzig Wort und wiederholt es:

Diß schreyt er Stund auf Stund euch Menschen in das Ohr.

Umbfängt euch bleiche Noth was wolt ihr euch entfärben?

Schließt doch die Hertzen auf und öffnet Thür und Thor!

Und dieses wird er euch mit Worten nicht auslegen

Diß hat zum Uberfluß der Priester schon gethan.

Nun muß er mit Gewalt mit Streichen Stäupen Schlägen

Mit Kälte Fluth und Glut den Text euch weisen an.

Er will durchaus bey euch kein Polster-Lehrer heissen

Er achtet eure Gunst und Wolthat nicht ein Haar.

Kein Schluß wie groß er sey wird ihn ins Elend reissen

Er lebt bey Dräuungen gantz ausser der Gefahr.

Er gibt auch keinen Platz den streitenden Begierden

Er nennt die Regungen nur Nebel Rauch und Dunst.

Bald sucht er Larven auß bald höchster Schönheit Zierden

Es fault ein Narren-Kopff bey Schädeln voller Kunst.

Diß Wunder-grosse Wort das wir so scheuen

Das theilt er in drey Stück recht durch zugehen ein.

Jm ersten sagt er uns wie wir von anfangs erben

Das Grab zu welchem wir durch Erb-Schuld kommen seyn.

Jm andern führt er aus wie in dem gantzen Leben

Er unser Fleisch und Blut zu seinen Diensten hat:

Jm dritten daß wir schnell der Er den Abschied geben

Und unser Maden-Sack die Würme machet satt.

Der Inhalt dieser Lehr ist:

Soll euch mein dürrer Arm nicht in die Hölle ziehn.

Wo anders ihr gesinnt den Himmel zuererben

Wo ihr den letzten Tod der Seelen wolt entfliehn.

Vollkommner Prediger! Wer will sich wiedersetzen?

Da steht das Stunden-Glaß die Predig ist schon auß.

Es mag der Endschluß uns betrüben und ergetzen

Die Vorbitt ist darbey:

Da ist kein Punct der Zeit denn weiter zuverlieren

Da drehet sich schon umb das Rad der Ewigkeit.

Glückseelig wer sich läst des Todes Predigt rühren

Der wird in GOttes Hand getröstet und erfreut

Es prangt nun Herr

Da noch als Prediger der Tod sein Ampt bestellt.

Was aber

Nun ihres Hauses Licht und Sonne so verfällt?

Ich kan sie sonst zu nichts als ihrem Schöpffer weisen

Wer sihet bey der Zeit der Priester Wittwen an?

Doch der so alles schützt und Raben pflegt zu speisen

Wird als ein Vater seyn ihr allzeit zugethan.