Der wett-streit der sinnen an dem Sinner- und Guldischen Hochzeit- Feste beygele...
Es stellte Venus nechst den grossen Reichs-tag an
Und ließ nun nach der hand der liebe streitigkeiten
Und was noch sonsten mehr darauf wird abgethan
Durch den versuchten sohn zu frohem schluße leiten;
Indem erschienen auch die sinnen insgesamt
Die waren unter sich in einen streit gerathen
So daß sie weil es doch der Venus hohes amt
Sie allerseits hierin umb einen ausspruch baten.
Nun hatte Venus längst mit schmertzen angemerckt
Daß zwist und eyffersucht bey ihren Cammer-Damen
Die man die sinne nennt sich nach und nach gestärckt
So daß sie ietzo gar zu freyer klage kamen.
Als ihnen Venus nun zu reden urlaub gab
Da baten sie alsbald sie möchte sich erklären
Und wie es bräuchlich ist bey ihren richter-stab
Und bey der liebe glut bezeugen und beschweren:
Welch sinn von allen ihr am angenehmsten sey
Und am geschicktesten mög in der liebe dienen.
Denn ob ihr würcken schon nicht eben einerley
So wüntschten sie dennoch in ihrer gunst zu sterben.
Erst führte das Gesicht sein edles fürrecht an
Und ließ die augen selbst mit nachdruck für sich sprechen:
Wie daß ihr glantz allein die lieb entzünden kan
Jhr heisser strahl so gar muß durch die selen brechen
Und daß sie wie man meint die schlauen führer seyn
Dadurch wir allgemach im lieben uns versteigen:
Ob schenckten ferner sie der Venus gantz allein
Die menschen insgemein als sclaven und leibeigen:
Ob würde nur durch sie ein schönes kind bekandt:
Als wären sie allein die werber in der liebe
Und daß auch endlich ja nicht stahl und Diamant
Für ihrem feuer hart und unbeweglich bliebe.
Die ohren brachen drauff in vollem eyffer aus
Und suchten das gehör wie folget zu vertreten:
Nachdem wir Venus uns erst gleichsam zum voraus
Ein gnädiges gehör von dero huld erbeten;
So stellen treulich diß zu deren urtheil dar
Ob augen allezeit so viel verrichten können
Und ob es gegentheils vielmehr nicht sonnen-klar
Daß man uns beyde muß der liebe führer nennen.
Man höret allererst von dem was nach der zeit
Zu sehen ist erlaubt und endlich auch zu lieben.
Durch uns ergründet man die gröste heimlichkeit
Diß was den augen noch verborgen ist geblieben
Was eine Dame ziert und recht vollkommen macht
Wie wenig offtermahls der schönheit sey zu trauen
Und wie wer eine frau für liebenswürdig acht
Muß nach dem hertzen mehr als nach den wangen schauen
Drauff wolte der geruch auch nicht der letzte seyn
Und weil die nase nun sein ausgestecktes zeichen
So brach sie alsobald mit diesen worten ein:
Sind Jungfern wie man sagt den rosen zu vergleichen
Geht auch ihr Athem noch Zibeth und Ambra vor
Kan Alexanderns schweiß Thalestrens hertze rauben
Und heben meinen ruhm die Götter selbst empor
So muß die liebe mir auch einen rang erlauben.
Denn ferner ist bekandt daß weiber insgemein
Der männer liebstes theil nach ihrer nase schätzen.
Ha! wandten alsbald hier die stoltzen lippen ein:
Jhr schwestern seyd gewiß uns noch weit nachzusetzen;
Die nase gleichet sich mit unsern purpur nicht
Die ohren müssen uns den schönsten platz enträumen
Und wenn die dunckle nacht der augen strahlen bricht
Kan unser muscheln-paar den besten Nectar schäumen.
Hier herrschet der geschmack und ein gehäuffter kuß
Verzuckert wie ihr wißt angst traurigkeit und schmertzen.
Wir sind mit einem wort der wollust überfluß
Der liebe tummel-platz der eingang zu dem hertzen.
Nach diesem trat zuletzt das fühlen auch herfür
Das war dem ansehn nach der schönste sinn von allen
Und fieng entrüstet an: Jhr könnet ohne mir
Jhr sinnen insgesamt den menschen nicht gefallen.
Ein wort verbindet nichts ein blick ist ohne krafft
Wenn meine gottheit nicht durch marck und adern dringet
Wenn die begier durch mich nicht lauter wunder schafft
Und nur ein griff von mir die härtsten hertzen zwinget.
Die lieb ist ohne mir ein blosses gauckel-spiel
Ich sage noch weit mehr der hoffnung falsche schrancken
Der jugend selbst-betrug ein rennen ohne ziel
Die geißel der vernunfft die folter der gedancken.
Kein thau der süssen lust kein kuß triefft auf den mund
Der nicht von mir zuvor den ursprung hat genommen;
Die liebe giebet sich durch mich alleine kund
Durch mich wird allererst ihr schönstes werck vollkommen.
Da nun der fürzug mir mit allem recht gebührt
Die andern aber noch aus frevel mich verhöhnen
Als würde fleisch und blut durch sie weit mehr gerührt
Und müst ich meine krafft von ihnen nur entlehnen;
Als bitte gantz verpflicht es wolle Venus nun
Den sinnen allerseits selbst maaß und gräntze setzen
Und öffentlich der welt hiermit zu wissen thun
Wer in der liebe sey am mächtigsten zu schätzen.
Was hatte Venus nun vor einen rath erdacht?
Ich höre sprach sie gleich ihr mächtigen göttinnen
Daß euch der übermuth hat in den harnisch bracht
Und lauter neid und haß aus euren worten rinnen.
Da nun von allen mir nicht eine mißgefällt
Und manchen dienst von euch noch wüntsche zu erleben
Als hab ich folgentlich es dismahl fest gestellt;
Ich will in eurem streit euch einen Paris geben.
Es hat mein heisser brand ein junges hertz erregt
Der edle Sinner folgt anietzo meinem triebe.
Durch den wird euer streit am besten beygelegt.
Drumb machet euch bereit und dienet seiner liebe.
Stellt euch so gut ihr könt für seinen augen dar
Ich weiß er wird alsdenn in wort und wercken zeigen
Welch sinn von fünffen wohl am meisten wunderbar
Und meinen götter-thrvn sey würdig zu ersteigen.
Der neue Paris saß indessen gantz vergnügt
Bey der erwehlten braut als gleich ihn zu bedienen
Eh lieb und regung noch ihn gantz und gar besiegt
Die sinnen in der eil doch unvermerckt erschienen.
Die göttin des gesichts nahm gleich die augen ein:
Ein jeder sinn bewieß ietzt seine gröste stärcke:
Sie wolten insgesamt bey ihm die nechsten seyn
Und thaten wie es schien fast lauter wunder-wercke.
Man sagt weil liebe doch nur nacht und schatten liebt
Und wahre neigung so wie gold und edel-steine
Jm finstern meistentheils sich zu erkennen giebt
Da selbst der Venus-stern nicht wohl am tage scheine
Daß er noch diese nacht der sinne neuen streit
Zu schlichten fest gestellt. Nun morgen könt ihr fragen
Jhr gäste die ihr ietzt annoch in zweiffel seyd
Welch sinn von allen hat den preiß davon getragen.