Der wett-streit der sinnen an dem Sinner- und Guldischen Hochzeit- Feste beygele...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Es stellte Venus nechst den grossen Reichs-tag an

Und ließ nun nach der hand der liebe streitigkeiten

Und was noch sonsten mehr darauf wird abgethan

Durch den versuchten sohn zu frohem schluße leiten;

Indem erschienen auch die sinnen insgesamt

Die waren unter sich in einen streit gerathen

So daß sie weil es doch der Venus hohes amt

Sie allerseits hierin umb einen ausspruch baten.

Nun hatte Venus längst mit schmertzen angemerckt

Daß zwist und eyffersucht bey ihren Cammer-Damen

Die man die sinne nennt sich nach und nach gestärckt

So daß sie ietzo gar zu freyer klage kamen.

Als ihnen Venus nun zu reden urlaub gab

Da baten sie alsbald sie möchte sich erklären

Und wie es bräuchlich ist bey ihren richter-stab

Und bey der liebe glut bezeugen und beschweren:

Welch sinn von allen ihr am angenehmsten sey

Und am geschicktesten mög in der liebe dienen.

Denn ob ihr würcken schon nicht eben einerley

So wüntschten sie dennoch in ihrer gunst zu sterben.

Erst führte das Gesicht sein edles fürrecht an

Und ließ die augen selbst mit nachdruck für sich sprechen:

Wie daß ihr glantz allein die lieb entzünden kan

Jhr heisser strahl so gar muß durch die selen brechen

Und daß sie wie man meint die schlauen führer seyn

Dadurch wir allgemach im lieben uns versteigen:

Ob schenckten ferner sie der Venus gantz allein

Die menschen insgemein als sclaven und leibeigen:

Ob würde nur durch sie ein schönes kind bekandt:

Als wären sie allein die werber in der liebe

Und daß auch endlich ja nicht stahl und Diamant

Für ihrem feuer hart und unbeweglich bliebe.

Die ohren brachen drauff in vollem eyffer aus

Und suchten das gehör wie folget zu vertreten:

Nachdem wir Venus uns erst gleichsam zum voraus

Ein gnädiges gehör von dero huld erbeten;

So stellen treulich diß zu deren urtheil dar

Ob augen allezeit so viel verrichten können

Und ob es gegentheils vielmehr nicht sonnen-klar

Daß man uns beyde muß der liebe führer nennen.

Man höret allererst von dem was nach der zeit

Zu sehen ist erlaubt und endlich auch zu lieben.

Durch uns ergründet man die gröste heimlichkeit

Diß was den augen noch verborgen ist geblieben

Was eine Dame ziert und recht vollkommen macht

Wie wenig offtermahls der schönheit sey zu trauen

Und wie wer eine frau für liebenswürdig acht

Muß nach dem hertzen mehr als nach den wangen schauen

Drauff wolte der geruch auch nicht der letzte seyn

Und weil die nase nun sein ausgestecktes zeichen

So brach sie alsobald mit diesen worten ein:

Sind Jungfern wie man sagt den rosen zu vergleichen

Geht auch ihr Athem noch Zibeth und Ambra vor

Kan Alexanderns schweiß Thalestrens hertze rauben

Und heben meinen ruhm die Götter selbst empor

So muß die liebe mir auch einen rang erlauben.

Denn ferner ist bekandt daß weiber insgemein

Der männer liebstes theil nach ihrer nase schätzen.

Ha! wandten alsbald hier die stoltzen lippen ein:

Jhr schwestern seyd gewiß uns noch weit nachzusetzen;

Die nase gleichet sich mit unsern purpur nicht

Die ohren müssen uns den schönsten platz enträumen

Und wenn die dunckle nacht der augen strahlen bricht

Kan unser muscheln-paar den besten Nectar schäumen.

Hier herrschet der geschmack und ein gehäuffter kuß

Verzuckert wie ihr wißt angst traurigkeit und schmertzen.

Wir sind mit einem wort der wollust überfluß

Der liebe tummel-platz der eingang zu dem hertzen.

Nach diesem trat zuletzt das fühlen auch herfür

Das war dem ansehn nach der schönste sinn von allen

Und fieng entrüstet an: Jhr könnet ohne mir

Jhr sinnen insgesamt den menschen nicht gefallen.

Ein wort verbindet nichts ein blick ist ohne krafft

Wenn meine gottheit nicht durch marck und adern dringet

Wenn die begier durch mich nicht lauter wunder schafft

Und nur ein griff von mir die härtsten hertzen zwinget.

Die lieb ist ohne mir ein blosses gauckel-spiel

Ich sage noch weit mehr der hoffnung falsche schrancken

Der jugend selbst-betrug ein rennen ohne ziel

Die geißel der vernunfft die folter der gedancken.

Kein thau der süssen lust kein kuß triefft auf den mund

Der nicht von mir zuvor den ursprung hat genommen;

Die liebe giebet sich durch mich alleine kund

Durch mich wird allererst ihr schönstes werck vollkommen.

Da nun der fürzug mir mit allem recht gebührt

Die andern aber noch aus frevel mich verhöhnen

Als würde fleisch und blut durch sie weit mehr gerührt

Und müst ich meine krafft von ihnen nur entlehnen;

Als bitte gantz verpflicht es wolle Venus nun

Den sinnen allerseits selbst maaß und gräntze setzen

Und öffentlich der welt hiermit zu wissen thun

Wer in der liebe sey am mächtigsten zu schätzen.

Was hatte Venus nun vor einen rath erdacht?

Ich höre sprach sie gleich ihr mächtigen göttinnen

Daß euch der übermuth hat in den harnisch bracht

Und lauter neid und haß aus euren worten rinnen.

Da nun von allen mir nicht eine mißgefällt

Und manchen dienst von euch noch wüntsche zu erleben

Als hab ich folgentlich es dismahl fest gestellt;

Ich will in eurem streit euch einen Paris geben.

Es hat mein heisser brand ein junges hertz erregt

Der edle Sinner folgt anietzo meinem triebe.

Durch den wird euer streit am besten beygelegt.

Drumb machet euch bereit und dienet seiner liebe.

Stellt euch so gut ihr könt für seinen augen dar

Ich weiß er wird alsdenn in wort und wercken zeigen

Welch sinn von fünffen wohl am meisten wunderbar

Und meinen götter-thrvn sey würdig zu ersteigen.

Der neue Paris saß indessen gantz vergnügt

Bey der erwehlten braut als gleich ihn zu bedienen

Eh lieb und regung noch ihn gantz und gar besiegt

Die sinnen in der eil doch unvermerckt erschienen.

Die göttin des gesichts nahm gleich die augen ein:

Ein jeder sinn bewieß ietzt seine gröste stärcke:

Sie wolten insgesamt bey ihm die nechsten seyn

Und thaten wie es schien fast lauter wunder-wercke.

Man sagt weil liebe doch nur nacht und schatten liebt

Und wahre neigung so wie gold und edel-steine

Jm finstern meistentheils sich zu erkennen giebt

Da selbst der Venus-stern nicht wohl am tage scheine

Daß er noch diese nacht der sinne neuen streit

Zu schlichten fest gestellt. Nun morgen könt ihr fragen

Jhr gäste die ihr ietzt annoch in zweiffel seyd

Welch sinn von allen hat den preiß davon getragen.