Der Wind .
Gott! wir können in den Winden
Deine grosse Herrlichkeit,
Deine Macht und Weisheit finden;
Ohne allen Wiederstreit,
Bist du in den starken Brausen,
Und auch in den sanften Sausen
Unsichtbahr doch anzusehn,
Weil sie auch von dir entstehn.
Winde sind ein Strom von Düften,
Eine stark bewegte Flut,
Die in fortgetriebnen Lüften
Durch der Sonnen heisse Glut,
Aus den Meeren aufgezogen
Ausgedehnet, fort bewogen,
Die kein Auge siehet an,
Aber doch empfinden kan.
Wenn die Luft ganz kalt erfroren
Und sich drauf zusammen zieht,
Wird der Winde Braus gebohren,
Der im Hauchen weiter flieht:
Wenn die Dünste aufwerts steigen,
Und sich durch die Schwere neigen,
So stoßt wieder Duft auf Duft,
Und macht Wind in dikker Luft.
Wenn des Himmels blauer Bogen,
Mit der Wolken Dunst-Gewand,
Wie mit schwarzen Flor umzogen,
Und mit Schleiern überspannt:
Alsdenn werffen sie die Blikke
Von dem Sonnenlicht zurükke,
Da die Luft denn wird verdünnt,
Und macht dehnend wieder Wind.
Wenn der Sonnen Feuerstrahlen
Durch gewebte Lüfte gehn
Dunst auf Dunst zu vielen mahlen
Dichte an einander drehn;
Oder aus einander treiben,
Eines an das andre reiben:
So entsteht ein starker Flus,
Daraus Wind entspringen muß.
Diese und noch andre Quellen
Sind im Reiche der Natur,
Woraus Winde gleichsam schwellen,
Deren ganz verborgne Spur
Kein Verstand noch kan ergründen,
Und der Wiz wird schwerlich finden,
Wie der Weg des Windes geht,
Der durch alle Kreise weht.
In der Klüfte dunklen Bäuchen
Ist uns vieles noch verdekt,
Und wer weis in welchen Schläuchen,
Sein verborgner Hauch verstekt.
Was wir aber davon wissen,
Wird uns klärlich zeugen müssen,
Daß der grosse Zebaoth,
Sei auch aller Winde GOtt.
Was die Heiden albern träumen,
Von den Wind-Gott Aeolus,
Wie er ihre Wuth könn zäumen
Wie er ihren starken Gus
Nach Gefallen könn regieren,
Kan uns auf die Schlüsse führen,
Daß ihr blindes Aug gesehn,
Wind müß auch von
O! du Wesen aller Wesen!
Geist der Geister! Deine Ehr,
Die an allen ist zu lesen,
Was der Himmel, Erde, Meer
In den Grenzen eingeschlossen,
Die aus deiner Macht geflossen;
Deine Ehre spürt man auch
In der Winde kühlen Hauch.
Als ein Dampf aus deinen Nasen,
Ist des Windes hauchend Wehn,
Und sein unsichtbahres Blasen,
Mit Bewundrung anzusehn.
Er zeugt HErr! von deiner Stärke
Wenn man nur zum Augenmerke
Seines Hauches Wirkung nimmt,
Wenn er durch den Luftkreis schwimmt.
Menschen! die das nicht erwegen,
Sehen auf der Lüfte Bahn,
Wenn die Winde sich erregen,
Darin nichts besonders an.
Ja! sie denken daß die Erde,
Nur dadurch bestürmet werde:
Und beklagen sich dabei,
Daß der Wind uns schädlich sei.
Man beschwert sich wenn sein Stürmen,
Durch den Luftkreis tobend dringt
Und von denen Häusern, Thürmen,
Ziegel auf die Erde bringt:
Ja! man will so gar in Winden,
Nichts was sie uns nüzzen finden,
Und man murret, wenn er braust
Und uns etwas hart ansaußt.
Heist das nicht den Schöpfer schmähen,
Der doch alles woll gemacht
Und der Winde kräuselnd Wehen,
Weislich für uns ausgedacht?
Man berechne nur die Gaben,
Die wir durch den Windbraus haben,
Da wir ohne Luft und Wind,
Nichts auf Erden nüzze sind.
Da GOtt durch ein weises Walten'
Alles das, was Odem hegt,
Auf dem Erdkreis will erhalten,
So muß er die Luft bewegt
Dünste in dem Umlauf stellen,
Daß sie kräuseln, weben, schwellen:
Würde dieses nicht geschehn,
Müsten wir gar bald vergehn.
Wär kein Wind in denen Lüften,
Bliebe alle Feuchtigkeit
Dampf und Qualm so aus den Grüften
Aufwerts geht, ja allezeit
Unbeweglich; und im Wallen
Würd es immer dahin fallen,
Durch die Schwere unterdrükt,
Wo es vorher aufgerükt.
Und so müsten die da leben
In dem ungesunden Rauch,
Jhren Geist gar bald aufgeben;
Weil der Lüfte weiter Schlauch,
Aus den Pfulen vieles sauget,
Das da stinkt und gar nichts tauget,
Vor die Brust; weil der Gestank
Machet unsern Körper krank.
Frische Luft ernährt die Lungen,
Als ein Balsam reicher Güt,
Und wenn die in uns gedrungen,
Wird ermuntert das Geblüt:
Wenn wir vielen Dunst einschnauben,
So ist leichtlich auch zu glauben,
Daß der Körper wird verzehrt,
Wenn ihn böse Luft beschwert.
Dieses würde stets geschehen
An den Oertern, in der Stadt,
Wo stets Dampf, wo stille Seen,
Wo man einen Kirchhof hat;
Weil da böse Ausdünstungen,
Häuffig sich zur Höh geschwungen
Die dem Körper allemahl
Würden wie ein Gift zur Qual.
Lernet hier den Vortheil kennen,
Warum
Diese Dünste zu zertrennen
Durch die mitgetheilte Kraft;
Und durch ein erfrischtes Blasen,
Giesset er in unsre Nasen
Lebens-Odem welcher rein,
Von den faulen Dünsten, ein.
Wenn kein starker Wind vorhanden,
Fiele das was Regen bringt,
Dahin wo der Dunst entstanden,
Der sich in die Höhe schwingt:
Und so würde zu den Meeren
Aller Regen wiederkehren;
Weil aus Meeren, Flüssen, Sen,
Regenwolken aufwerts gehn.