Der Winter.

By Johann Justus Ebeling

Der Sonnen welzend Wunderfeur, das durch den Thierkreis siedend rennt,

Entfernet sich dem Erdenball, wenn es

Des

In seinem Kreislauf ferner muß, den nassen

Da breitet sich die Dunkelheit, am hellen Firma-

Der Wolken nasser Schlauch zerbirst, der Win-

Erkältet die beschwärzte Luft, und nach dem stür-

Läst sich im Reiche der Natur, der kalte

Der Zeiten Lichtsmonarch welzt sich nach Süden im-

Verstekket seinen heissen Glanz, und lässet den ge-

Mit seinem Nebel gleichen Dunst, mit seinem aus-

Den kalten Frost ganz ungestöhrt, in alle Erden

Jhr Völker merket nun: es kommt, die trübe Zeit

Es schwebet schon der Schaum der Luft, der Schnee

Es welzet sich sein flokkigt Heer, und webet gleich-

Die in dem Herbst gekeimmte Saat, in weissen

Drum eilet nach den Hütten zu, erwärmet euch

Und bratet, kochet, eßt und trinkt, was euch der

Seht durch der Fenster klares Glas, wenn euch

Was die geschwärtzte Spher der Luft, aus ihren

Die mit dem Schnee bedekte Welt, ist bei dem Frost

In ihrer weissen Silber-Tracht, als in der grünen

Auch da sie in der Kält erstarrt, giebt euch so manch

In der erstorbenen Natur, ein Feur zum regen

Bewundert erst des Schöpfers

Und durch die angeflammte Glut, die wunderbare

Den Frost aus euren Zimmern jagt, das, wenn

Auch bei der kalten Winterszeit, in Häusern fro-

Bedenkt die

Darin ein merkend Auge gleich der ewgen Vor-

Die Felder sind damit verdekt, als wenn die Saa-

Bei des erstarrten Winters Frost sich gleichsam

Das kalte Bette wärmet sie; da liegen sie in Si-

Und sind vor dem erbooßten Zug der grausen Win-

O! ewig weiser

Du seist zu ieder Jahres-Zeit, ein weises und all-

Du ordnest bei der Wechselung der Zeiten, alles

Wie jeder auch der sehen wil, im Winter deutlich

Du öfnest den gefüllten Vorn, es ist mit Regen,

Das durch die Sonn gedorrte Land, mit neuen

O! Mensch du albernes Geschöpf, das Aberwiz

Oft bei dem weisen Regiment des Schöpfers doch

Du klagst des Winters Wittrung an, und grä-

Als wolte dich der HErr der Welt, nach der ge-

Verbanne die Trübsinnigkeit, und denke bei ver-

Auf das, was du genossen hast in vorgen Som-

So wirst du alsobald ersehn, daß diese trüben Win-

Dir eine neue Frühlings-Lust in aufgekeimmten

Die Lust die wird zur Last, wenn nicht in einer un-

Sich nach dem hellen Sonnenschein, ein schwarzer

Es kan des Zukkers Süßigkeit, uns nie so süß

Als wenn ein herb und bittres Saur uns wird den

Es thut der Kälte Ungemach dem Körper zwar em-

Allein es wird dadurch doch rein, die mit den Dunst

Es läst dir die beschneite Welt zwar kein erquiklich

Jedoch es kan ein weisses Kleid auch wol den Er-

Du klagest albern Mensch, es sei in rauh und trü-

Den Augen keine grüne Lust auf Feld und Anger

Es sei im Reiche der Natur, Wald, Bäume, Laub

Der Gärten schönes Paradieß sei durch den Schnee

Ich sage es sei Einbildung, der Bäume kahl ent-

Vergnügt nicht minder unser Aug, durch seinem

Und der mit Schnee beflokte Busch kann durch ein

Wenn man darauf die Blikke wirft, des schwarzen

Wie lieblich strahlt es ins Gesicht, wenn ein hell-

Von den gefrornen Reif und Schnee die breiten

Wenn sich in einer hellen Fern auf denen hocherhab-

Durch einen starken Gegenschein so mannigfaltge

Da dünket dem entzükten Aug, es sähe auf der

Ein glänzendes verneutes Reich der sich verwandel-

Der Gärten grünes Lustgefild zeigt sich zu unsrer

Anstat der vorgen bunten Pracht, in einem hellen

Die Andacht wird dadurch erwekt und stimmet dem

Der auf so mannigfaltge Art der Menschen Herz

Sie preißt den grossen HErrn der Welt, der wenn

Feld, Wälder, Bäume, Busch und Strauch mit

Sie flößet uns bei diesem Blik die nüzlichen Ge-

So wird dereinsten wenn du todt, dein Schlafge-

Wenn deine schnelle Lebenszeit, wie Sommer, Lenz,

So wirst du in ein weisses Tuch, wie die erstorb-

Jhr Menschen die ihr annoch lebt im Frühling eu-

Dies lehrt der Erden Angesicht, das in dem Win-

So könnet ihr ein Sinnbild sehn, das euch den

Wenn drin der weisse Silberglanz von den beschnei-

So dient der Lüfte Schaum uns auch beim kalt

Zu unsres Herzens regen Lust, wenn man das re-

Zur Winters Zeit beschaut, da wir, von Sorgen

Und aus der dik und düstren Luft, dasselbe schwe-

Der dikken Flokken sanfter Fall, macht unser frei-

Wenn sich der weisse Schimmer drengt, und spie-

Da sehen wir mit regen Blik, wie

Und eine süsse Lust der Welt, wenn sie erstarrt, im

Ein neuer Vorwurf rührt den Geist, so bald das

Die sich an denen Dächern drehn; Das Eis das

Wenn drauf ein matt gebrochner Strahl der weit

Scheint eine Silberblum zu seyn, womit der Dä-

Der Geist denkt dabei freudig nach: Mein

Ist dieses angefrorne Naß, mit seinen blauen Sil-

Wie wunderbahr, wie schön, muß nicht zum hol-

Durch Trieb der bildenden Natur ein tröpfelnd

Dies wird das gierge Auge auch, am Fenstern die

Da sieht man mit vergnügter Lust, des Morgens

Die starren Scheiben ausgeziert, mit Bildern gleich-

Worin so mancherlei Figur ohn einen Finger einge-

Dies künstlich Schattenwerk zerfliest, das wie ein

Wenn des erhizten Ofens Glut, die Kälte aus den

Und wenn der Sonnenblik drauf fält, da wir an

Wie bald das Blendwerk eitler Lust, könn, wenn

Der funkelnde Kristal das Eis der eine rege Flut

Schenkt uns auch eine Winterlust, weil drob

Wie angenehm scheint es uns nicht, wenn auf den

Wird eine glatte Spiegel-Fläch, aus dikken Was-

Und fällt ein heller Strahl des Lichts, in diese brei-

Mein GOtt! wie wunderbahr ist denn der Son-

Da siehet ein erstauntes Aug aus den gefrornen

Der Sonnen maiestätisch Bild in herrlichsten Ge-

Da deucht uns das des Geistes Aug ein kleines

Von dem der aller Sonnen Sonn, der in der tief

In unsichtbarer Majestät als König aller Welt re-

Und der durch seine Allmachts-Hand die dichten

Die muntre Jugend deren Feur die strengste Kälte

Die sucht ein schauderndes Gespiel, so bald das Eis

Sie kommt und will zum Zeitvertreieb, mit einem

Auf einer glatten Rennebahn mit schnellen Schritt-

Sie stellen sich in einer Reih, sie glitschen von be-

Gleich einem schnellen Pfeil vorbei, und rennen un-

Sie schweben mit beängster Lust, bis sie durch über-

Sich und den andern ebenfals den Sturtz zum jähen

Das glitschend schwärmende Gedräng der Läuffer

Darin des Abgrunds Kluft verstekt, mit frohen

Wo sie ein schneller Stoß bedreut, da sie mit stol-

Aus ihrem Gleichgewicht gerükt, auf einmahl sich

Der andre glitschet hinten aus, daß ihm des Kop-

Und wird von einem Schadenfroh mit falschen Mie-

Doch eh derselbe sichs versieht; so ist er mit den

Auf dieser schlüpfrig glatten Bahn, da er meint,

Dies ist ein Beispiel das uns lehrt, wie leicht die

Auf einer schlüpfrig glatten Bahn in der verfürisch

Und wie nichts desto weniger das eitle Herz ein Lust-

Das man am Ausgang erst erkennt, und als ein

Beglükt ist der der glatten Bahn, bei flüchtiger Ge-

Und seinen festen Stand behält, wenn er sich schwe-

Doch ist vielmehr beglükt der Mensch, der sich

Das auch so schnell der Lebenslauf, als dessen Lauf

Auf dem beeißten Fluß fort rennt. Die Winter-

Wenn man das helle Eis beschaut, darin des Schöp-

Die aufgethürmmten Wellen sieht, die in der auf-

Dem grauen Marmor ähnlich seyn; gleich einem

Das zu des Schöpfers Preis sich zeigt, und in des

Zu einer GOttheit ewgen Ruhm, so manche Eh-

Als schroffe Schollen sich erhöhn. Wer diese star-

Mit Andacht zur Betrachtung wählt, der sieht der

O! Mensch sieh dieses Schauspiel an, und denke

Aus tröpfelnden Gedräng des Meers, das harte Eis

Besieh darin die strenge Macht, wenn die gezakten

Mit einer stürmerischen Wuth in aufgethauten

Erkenne wenn der Sonnenbrand, das was sich

Zuletzt wie einen dünnen Schaum, durch seiner

Wie auch ein scheinend Nichts der Welt, gleich ei-

Muß wenn die Lebens Sonne kommt, mit seiner

Vergnüge dich in warmer Ruh, an seiner weisen

Wenn diese Erd in Frost erstarrt, mit weissen Dün-

Die Kälte ist es die uns ia, so wie die Wärme

Und vor dem ungeheuren Schwarm des Ungezief-

Der Frost zerstreut ihr fressend Heer, befreit uns

Womit uns ihr geschärfter Zahn, bei der vermehr-

Der kalte Nord zersteubt den Schmuz von den ver-

Die um der Bäume Zweig und Ast, zu ihres

Sie schliest uns zwar in Häuser ein; sie macht uns

Von den erhitzten Sonnenbrand, und einer lauen

Sie schenket in der stillen Rast den Menschen man-

Womit die Bürger in der Stadt, der Landman

Den eine dunkle Zeit erwekt. Auf last uns durch

Womit die Städte sind versperrt, und ihre Win-

Der Frost hemmt das Gewerbe nicht, ein jeder kan

Wenn die erhitzten Ofen glühn, sich in bequemer

Es pfeift und heult der rauhe Nord, der Himmel

Und hält dadurch den Bürger oft in seiner Werkstat

Der wenn die Sonne feurig brennt, mit träger

Und von des Sommers Lust gereitzt, zu einem Sauf-

Und dadurch den Beruf versäumt, der ihm zu sei-

Muß Nahrung, Speise, Trank und Kleid und

Der rauhe Winter hält ihm ab, und macht daß er

Und was sein Ruf ihm anbefiehlt, in seinem Win-

Er sitzet in der lauen Lust, da er sein Tagewerk

Wenn durch der Hände regen Trieb, das Blut be-

Des trüben Winters Dunkelheit vertreibet bald

Und eine stille Abendruh, die lindert oft die saure

In welcher er mit Sorgen schwitzt. Er sucht ein

Vor eine lange Abendzeit, und geht wie sich es

Zu einem Freund, zum Nachbahr hin; wo nicht

Erzählen sich zum Zeitvertreib, was sie gehört von

Und was der Zeitungsschreiber denkt, der aller

Und was in Cabineten stekt, in seinem ofnen Blat

Dadurch verstreicht die schnelle Zeit, die späte Nacht

Der Frost nimmt endlich überhand, des Ofens

Treibt jeden zu den Federn hin, wo sie sich zu der

Und durch ein warmes Bettgewand die Glieder vor

Ein jeder schläft in warmer Ruh, bis ihm die frü-

Zuerst an

Der Lampen Schein schenkt ihm das Licht, bis daß

Mit ihrem güldnen Tages-Licht, durch düstren Ne-

So folgt ein Tag, den andern nach, und Woch

Bis sich die Sonne höher welzt, an der gewölbten

Des Winters Unlust geht vorbei, und kaum hat

Ist schon der Frühling wieder da, der Kälte rauher

Das Landvolk kreucht gleichfals zur Ruh, geneußt

Bei einer süß und warmen Lust die eingescheurte

Es siehet wie das Feld beschneit, drum leget es die

Und strekket nach der sauren Last, nun desto länger

Es scheinet ihm die rauhe Luft, wodurch der wil-

Der Wollenreich beflokte Schnee, der sich vor sei-

Der hart gefrorne Duft, gleichsam den vortheil-

Es solle nach der sauren Last in seiner Hütten stille

Der Landman folgt dem guten Rath, und schliest

Und schlachtet was gemästet ab, er räuchert Gänse,

Das ihm den Kohl befetten sol, an die dazu be-

Bewahrt durch einem warmen Dampf mit Sorg-

Der ihn im Sommer nähren muß. Er öfnet das

Worin sein fetter Reichthum liegt; Er drischt sein

Mit seinem Hausgesinde aus, und sucht bei freudi-

Des Akkerbaues saure Müh sich in dem Winter zu

Er findet die vergnügte Lust, wenn des beeißten

Bei einer ganz verdikten Luft ausbreitet einen Ne-

In seiner Hütte die erwärmt; und wenn der Him-

So sucht er seinen braunen Kohl, den noch kein

Er findt denselben ganz bereift, und von dem Schnee

Und merkt wie ihn der Reif versüßt, wenn er ge-

Und ist er drob erfreut im

Wie gütig unser Schöpfer sey, der uns auch kan

Mit einem grünen Gartenkraut. Sieht er daß nun

Und daß der Schnee noch nicht zerschmelzt, der Pfü-

So spannt er seine Pferde an, und schleppt auf de-

Das Holtz noch ferner hurtig zu, in die vom Frost

Die Kälte macht die Finger steif, wenn er es aus

Doch wenn er in der starren Hand ein sehr empfind-

So strekt er seine Arme aus, womit er seine Schul-

Wie einer der sich büssend peitscht, bis er sich wie-

Er zieht nach seiner Wohnung zu, da er das Holz

Und als der höchsten Macht Geschenk zu dem noch

Er hat sein Tagewerk vollbracht, und leget seine

Und strekket, wenn er hat gespeist, die etwas schon

Bei einem heissen Ofen aus; Er siehet in der schwü-

Wie sein Gesinde dreht und spinnt, mit innigen

Er sucht durch munteres Geschwäz den langen A-

Und weiß auf unterschiedne Art der sauren Arbeit

So gehet unvermerkt die Zeit des Winters, auf dem

Und

Brodt, Trank und zu der Wärme Holz; ach!

Daß unsers Vaters Vorsehung, zu aller Zeit sei gut

Ach! möchte alle Welt gestehn, daß der, der Frost

Der Zeiten Ordnung woll bestimmt, dem Menschen

So würde man zu jeder Zeit, des ewgen Schöp-

Und auch für dem geschenkten Frost, ein dankbares

O! HErr der du in der Natur, der Zeiten Aendrung weißlich lenkst, Und auch zur rauhen Winterszeit uns Holz zum Feur, zur Wärme schenkst;

Der du mit Schnee das Feld bedekst, und durch dein wunderbares Walten,

Kanst in der Erde starren Schoos der Saa- ten frischen Keim erhalten!

Wir preisen deine Gütigkeit, die uns mit Pelz und Federn dekt,

Wenn sich der Kälte strenger Grim durch Luft und Erd und Wasser strekt:

Wir ehren deine Majestät auf deren Wink die Winde rasen,

Und von dem kalten Norderpol, den dick ge- frornen Dunst wegblasen.

Ach! laß uns zu der Winters Zeit, auch un- srer Jahre Bildnis sehn,

Bedenken wie es, wenn wir alt, auch wird mit denen Menschen gehn.

Es scheint im Reiche der Natur im Win- ter alles wie erstorben:

So geht es denen Menschen auch, die ein beschneites Haupt erworben;

Die rege Lebenskraft verschwind, das Feuer geht im Körper aus,

Alsdenn eilt man zur stillen Ruh, in ein von Brettern festes Haus.

O! woll dem der mit Zuversicht darinnen sich getrost verstekker,

Daß ihm wenn Welt und Zeit vergeht, die Sonn des Lebens wieder wekket.