Der wunderbahre Bienenstatt.

By Johann Justus Ebeling

Auf mein Herz zu GOttes Preise

Der allmächtig, gütig, weise!

Und besinge nun den Staat

Den das Heer der Bienen hat,

Weil aus dieser Thiere Werken,

Ueberzeugend zu bestärken,

Daß der Schöpfer aller Welt,

Sie zum Wunder dargestelt.

Siehet man auf die Anstalten,

Auf das klügliche Verhalten,

Wie sie ihren Staat formirn,

Jhrer Zellen Bau aufführn:

So muß man mit Lust gestehen,

Daß er weislich ausersehen,

Und daß jedes Fach und Schicht

Schön und künstlich eingericht.

Sehen wir die Nationen,

Die vereint zusammen wohnen,

Nach dem Staatsgesetzen an,

So sind alle unterthan

Einem König der sie führet,

Der in jedem Stok regieret,

Unbekand Gesetze giebt,

Die das Bienen Volk ausübt.

Diese kleinen Kreaturen

Zeigen uns viel klare Spuren

Daß der Schöpfer sie gemacht,

Und recht weislich ausgedacht

Zu dem Zwek den man ersiehet,

Wenn man in Betrachtung ziehet,

Wie der Bienen grosse Scharn,

Honig machen, Wachs ersparn.

Es sind unterschiedne Arten,

Einge die der Arbeit warten,

Die mit Rüsseln sich zu nährn,

Und mit Stacheln sich zu wehrn

Wunderbahrlich sind versehen;

An den Füssen drauf sie gehen,

Hängen Häckgen welche klein,

Und wie krumme Siecheln seyn.

Andre die wir Hummeln heissen,

Sich der Arbeit nicht befleissen,

Sind, nach unsern Augenschein

Dunkler Farbe, Männelein,

Die nur das Geschlecht vermehren,

Wie uns die einstimmig lehren,

Die der Bienen Staat, Bau, Flucht,

Jm Naturreich untersucht.

Weil die Hummeln nicht ausfliegen

Sondern meist zu Hause liegen,

Ist es auch warscheinlich klar,

Daß derselben müßge Schaar,

Sonst dem Bienen Staate nüze,

Weil sie im verborgnen Size,

Wo der König

Als Aufwärter sind bestellt.

Diese Hummeln sind gelitten,

So lang Schwärme auszubrüten:

Aber zu des Herbstes Zeit,

Werden sie verjagt, zerstreut;

Weil sie nur den Honig saugen,

Und zur Winterszeit nichts taugen;

Stossen sie aus ihrem Haus,

Meistentheils dieselben aus.

Diese Hummeln, diese Bienen,

Die den Königen bedienen

Die formiren einen Staat

Der viel tausend Glieder hat

Wohnen in der Körbe Schichten,

Die sie sich von Wachs aufrichten

Oder wo etwan ein Raum,

In der Felsklufft, hohlen Baum.

Wenn die Landschafft wird zu enge

Bei der jungen grossen Menge:

So muß sich davon ein Theil,

Ohngesäumet in der Eil,

Anders wieder niederlassen

Wie die den Befehl abfassen,

Die als Alte drin regiern,

Und den Herschafts-Scepter führn.

Alsdenn wird ein grosser Lermen,

Und sie fangen an zu schwärmen,

Fliegen wenn ihr König rufft,

Sumsend in die weite Lufft;

Flattern darin hin und wieder,

Endlich sezen sie sich nieder

Bis sie sich auf ihrer Flucht,

Einen Wohnplaz ausgesucht.

Wenn der Korb ist zu bereitet,

Werden sie dahin geleitet,

Durch ein klingendes Gethön,

Welches sie bewegt zum gehn:

Da sie ihren Siz einnehmen,

Welchen sie hernach bequemen

Und zur Wohnung auferbaun,

Wie wir mit Verwundrung schaun.

Alsdenn pflegen die Partheien,

Sich im Felde zu zerstreuen

Diese sammlen Bauwachs ein,

Von den Wiesen Blümelein,

Welche jene ausarbeiten

Und als Kleister zu bereiten

Bauen Häuser, Wände, Thürn,

Die die andren denn polirn.

Wunderbahrlich sind die Werke,

Wenn man sich zum Augenmerke,

Dieser Bienen Baukunst nimmt,

Da ein jedes gnau bestimmt,

Als wenn sie der Winkel Grössen,

Nach dem Cirkel abgemessen;

Als wenn jede Zell und Schicht

Nach dem Maasstab aufgericht.

Wunderbarlich, wenn wir sehen

Wie sie ihren Kleister drehen,

Mit dem Kiefern

Dehnen, schneiden, beugen glat:

Da, wenn diese müde worden,

Kommen von dem Bienen-Orden,

Andre die das Werk vollführn,

Und was grob gemacht, ausziern.

Diese die da glätten, reiben,

Ungesäumt die Arbeit treiben,

Können nicht nach Speiß ausgehn,

Darum müssen andre sehn,

Wie sie Nahrung denen bringen,

Die bei saurer Arbeit ringen:

Und dieselben sorgen auch,

Wie sie füllen ihren Bauch.

Wunderbar ist das Beginnen,

Wenn den süssen Nährerinnen,

Von den andern wird gesagt,

Daß sie jezt der Hunger plagt:

Alsdenn pflegen sie zu neigen

Jhren Rüssel, anzuzeigen

Daß sie von der Arbeit matt,

Und jezt Lust zu essen hat.

Wenn sie dieses Zeichen haben,

Theilen sie aus ihre Gaben,

Und die Speisemeisterin

Giebt den andern Honig hin,

Der aus ihrer Blasse fliesset,

Und die Hungrige geniesset

Durch den Rüssel, da der Safft

Jhr verneute Kräffte schäfft.

Haben sie verneute Kräffte

Eilen sie gleich zum Geschäffte,

Bis die Wohnstadt ist formirt,

Regelmäßig aufgeführt,

Da sie immer Zell auf Zellen,

In geformter Ordnung stellen,

Bis daß in der schönsten Pracht,

Jhre Stadt zum Stand gebracht.

Auf laßt uns zur Augenweide

Dieses wunderbar Gebäude

Daß die Bienen künstlich drehn,

Wie es fertig auch besehn!

O! wie merklich sind die Spuren,

An den Werk der Kreaturen,

Von des Schöpfers weiser Macht,

Die dasselbe ausgedacht!

Denn wie kan ein Thier erfinden,

Wie das alles zu verbinden,

Was man an dem Bauwerk sieht,

Dran die Biene sich bemüht.

Der hat ihnen das gelehret,

Den die Welt als Schöpfer ehret,

Der hat, wenn mans recht erwegt,

Diese Kunst in sie gelegt.

Wenn man einen Stok beschauet,

Der aus Wachse auferbauet,

Sind die Taffeln anzusehn,

Da die Wohnungen so stehn

Wie in denen engen Gassen,

Häuser an ein ander passen;

Da sie in zwiefachen Reihn,

Künstlich aufgerichtet seyn.

Wenn wir uns die kleinen Zellen,

Zur Bewunderung vorstellen:

So sind sie nicht minder schön,

Weil sie sich recht künstlich drehn,

Und mit denen spizzen Ekken,

An die andren sich erstrekken,

Da sich immer Feld auf Feld,

Wollgeformmt zusammen hält.

Wunderbahr sind auch die Gänge

Dieser Taffeln, die sehr enge,

Doch die kleine Kreatur

Drengt sich gerne durch die Spur

Damit stets in jeder Scheibe,

Eine sanffte Wärme bleibe

Die vor einer jungen Brut

Heilsam, die in Fächern ruht.

Man sieht auch vor jeder Zelle

Gleichsam eine hohe Schwelle

Die den Eingang kleiner macht:

Dies ist weislich ausgedacht:

Weil die Schwellen dazu nüzen,

Daß sie ihren Bau beschüzen,

Der wenn er nicht fest verschränkt,

Leichtlich wankt, und sich verrenkt.

Obgleich ohne Beil und Hammern

Ohne Nagel, ohne Klammern

Dieser Bau zu Stand gebracht,

Ist er doch so fest gemacht,

Und mit Kleister so verkittet,

Daß er bleibet unzerrüttet;

Und auf viele Jahre steht,

Weil kein Wind an solchen weht.

Denn sich vor den Wind zu schüzen,

Kleiben sie in allen Rizzen

Eines Korbes, Kleister ein:

Wo die Wände dünne seyn

Werden sie mit Leim beschmiret,

Der wie dikkes Pech formiret:

Und wenn man denselben lekt,

Garstig und sehr bitter schmekt.

O! wie klug sind die Anstalten,

O! wie weise das Verhalten,

Das der Bienen Volk uns zeigt,

Deren Wiz kein Thier erreicht!

Wenn ein Thier sich etwan waget,

Zu dem Korb und daran naget,

Suchet süssen Honigseim.

Schmekt es diesen bittren Leim.

Dadurch wird es abgeschrekket,

Wenn es kaum den Hals gestrekket,

Daß es sich zurükke zieht,

Und nicht weiter sich bemüht

In den Bienenstok zu dringen,

Welches ihm sonst könt gelingen:

Also bringet Bitterkeit,

Diesem Staate Sicherheit.

Es ist alles woll gebauet,

Wenn man diese Stadt beschauet,

Und die äusre Einrichtung

Zeugt bei uns Verwunderung:

Aber wenn wir noch nach spüren,

Wie sie ihren Haushalt führen,

So muß man erstaunt gestehn,

Daß auch dieses Wunderschön.